Friedhelm Schulzmail to.friedhelm@schulz.as
Was heißt die "Moderne"?
(Ein Vortrag zu meinen Bildern)
Kunst im Kontext der modernen Welt.
Thema meiner Bilder und Ausstellung ist: Kunst als Kunsttheorie:
Dargestellt wird: Der menschliche Entschluß als Elementarteilchen.

ausgestellte Bilder, 
exposed pictures
Links zu anderen Seiten; other webs Was ist Faschismus,
what means fascism
moderner Staat neu
Kunsttheorie zur Mail-Art, English Christianisierung und/als Entwicklung
Insel oder Kontinent
neu
Genforschung
Max Black (Was ist ein Bild? mit meinen Kommentaren.)neu
Vorwort zur schriftlichen Fassung meiner Bilder.

Zu Beginn möchte ich hier meinen Arbeiten und ihrer Theorie ein Zitat des bekannten und hochverdienten Kunstwissenschaftlers Alan Bowness voranstellen, mit dem dieser vielleicht zurecht dem auch von mir zu den wichtigen ersten Modernen gezählten Bild von Edouard Manet, „Das Frühstück im Freien" folgende Absicht unterstellt:

„Es ist, als wolle Manet die Künstlichkeit seiner Gemälde unterstreichen und so den Betrachter darauf hinweisen, daß die Welt der Malerei von der Realität unabhängig ist."
(Seite 13, Alan Bowness, „Modern European art", deutsch: „Die Kunst der Moderne", übersetzt von Anne Vonderstein, Verlag Lichtenberg, 1998)
Leider bekam ich die Arbeit von Alan Bowness erst jetzt, fast am Ende meines Vortrages im Febr. 2001, in die Hand. Dennoch könnten meine Ausführung auch nach diesem Vorbild nicht derart anschaulich und leicht zu lesen sein, wie Bowness erzählerisch das Gefühl vermittelt, den Hintergrund und auch die Entstehung und Karriere der Moderne derart verständlich machen zu können. Denn genau das kann Bowness nicht leisten, wenn seine Darlegung auch unendlich viel Wertvolles und Neues zum Verständnis der Moderne beiträgt. Dazu nämlich ist notwendig, gerade das ganz Selbstverständliche in unserem und des Künstlers Selbstverständnis aufzuzeigen, das in der Tat jenseits der Bilder und des Dargestellten stattfindet, und zwar zwischen Menschen, zwischen Künstler und Künstler, zwischen Künstler und Betrachter wie zugleich auch zwischen Betrachter und Betrachter.

Das genannte Zitat demonstriert und umschreibt gerade mit seiner Widersprüchlichkeit die Grenze jeder Kunstwissenschaft, die objektiv d.h. empirisch immer nur von vorhandenen Objekten, d.h. von bereits fertigen Bildern und von der bestehenden Karriere solcher Bilder ausgehend diese Bilder und Karrieren beschreiben kann. Empirisch wahrnehmbar ist eben nur diese quasi starre oder erstarrte Oberfläche.

Die Tiefendimension, die ein Künstler vor der leeren Leinwand angesichts der unendlichen Möglichkeit menschlicher Freiheit einerseits und der ästhetischen wie ethischen Dimension von Gut und Schlecht, Falsch und Richtig, Gut und Böse andererseits erlebt, kann der Wissenschaftler nur nachträglich, notdürftig und spekulativ mit Begriffen wie „gekonnt", „innovative Elemente", „abstrakt", „Farbauftrag", „Ductus", „Farbwerte", „unrealistische Elemente", „Umgang mit Farbe, Ton, Stofflichkeit, Form und Raum" usw. quasi von der Oberfläche her horizontal- und geschichtlich-kausal von einem quasi fertigen Kunstverständnis her aufsetzen. Und so ist es Bowness insbesonders als Brite auch nicht möglich, z.B. den Faschismus als Verwerfung und damit als Bestandteil der Moderne zu verstehen, weswegen er auch mit dem Beginn des 2. Weltkrieges die Moderne praktisch enden läßt oder abschließt.
 
 

Vorsicht Kunst! Gilbert Et George, Attacked, 1991
Gilbert Et George, Attacked, 1991
Vielleicht wird die spätere Kunstgeschichte Bowness darin ja auch bestätigen, daß nämlich mit dem 2. Weltkrieg und dem folgenden sog. „Kalten Krieg" die scheinbar traumwandlerische Naivität der frühen Moderne ein Ende findet, von wo an die Moderne polemisch, rhetorisch wie weltanschaulich zuerst von den Nazis und dann vom KGB wie vom CIA politisch instrumentalisiert wurde, wenn auch unterschiedlich. Aber das wurde Kunst schon immer seit Menschengedenken.
Hierbei gilt nun aber gerade die Instrumentalisierbarkeit als Nachweis der eigentlichen Realität der Kunst, und zwar jeder - auch der prämodernen - Kunst, zu verstehen, die wie eine Kanone oder Pistole eben sogar als Waffe eingesetzt werden kann, und zwar böse für wie gegen Böse, böse gegen Gut, gut gegen Böse und Gut  wie schließlich auch gut, d.h. gerechtfertigt gegen Böse
eingesetzt werden kann und immer wurde und noch immer wird.

Und so ist es vielleicht ganz verständlich, daß bei mir als Deutschem die Auseinandersetzung mit dem Faschismus innerhalb der Kunsttheorie als besonderem Reflexionsanlaß einen verhältnismäßig großen Raum einnimmt. Dennoch, was sich in dem Bowness-Zitat bereits - aber explizit mit meinen Bildern - deutlich macht, ist, daß sich mit der Moderne nicht in erster Linie Form, Thema und Technik - oder was auch immer - am Bild oder Kunstwerk verändert, sondern das, was nach Bowness scheinbar außerhalb der Realität stattfindet, was natürlich nur unbedacht so formuliert oder übersetzt ist, weil eben nicht in erster Linie Form, Thema und Technik - oder was auch immer - am Bild die eigentliche Realität ist, sondern das, was dazu führt, nämlich der Entschluß, die Absicht, das Gewollte angesichts der absoluten Freiheit vor der leeren Leinwand. Es ist die Veränderung als die mit der Entwicklung des Menschen wachsende Wachheit als Reflexionsvermögen genau auf das Mögliche in der Freiheit und zwar geübt und oft erst bewußt durch diese Reflexion - sowohl beim Machen wie beim Verstehen dessen, was der Mensch ist und tut, wobei Letzteres eben immer etwas Künstliches ist.
Edouard Manet, Frühstück im Freien 1863
Edouard Manet, "Frühstück im Freien" 1863

Dieses Wachwerden als Erkennen, was und wo man war und ist, als das Tor zu immer weiterer Selbsterkenntnis, beschränkt sich eben nicht auf jenen Anlaß jener programmatischen Instrumentalisierung jüngster Geschichte. Man hat die Kunst schon immer instrumentalisiert.
Die Kunsttheorie eines Künstlers, die im Gegensatz zu allen Kunstwissenschaften, vor der leeren Leinwand nicht von bestehenden Bildern ausgeht, und die damit seismisch also alles Vorherige an Freiheit, Zwängen, Versuchungen, Ereignissen und Zuständen und damit nur alles andere als das spätere Endprodukt auf der Leinwand wahrnehmen kann, weil jenes noch nicht existiert, scheint auf weiten Strecken eher Soziologie, Politik, Religion und Philosophie zu sein als Kunsttheorie, - allerdings mit dem Vorzug, sich den oft gänzlich verselbstständigten Dogmen, Diktaten oder Trampelpfaden des Kunsthandwerkes, des Kunsthandels und des Kunstbetriebes entziehen zu können. Dieses nachzuvollziehen ist sicher ermüdend, schwierig und weniger erbaulich, als ganz unabhängig davon ein gelungenes Endprodukt zu genießen. Letzteres soll keinem verleidet werden, im Gegenteil. Denn es sind die heimliche oder offene Mißachtung und Verachtung gerade der Konsumenten durch die Händler, Kunstwissenschaftler und Experten, die Begriffe wie Kunstexpansion und Kunstinflation eher negativ sehen und benutzen und daraus ein Karrierespiel wie einen Aktienmarkt des Kunstgeschehens veranstalten und Kunst zunehmend nur noch als erfolgloses oder erfolgreiches Marketing verstehen, das möglichst nicht erst mit fertigen Bildern sondern schon mit der Ausbildung der Künstler und der Fertigung der Bilder oder Kunstwerke beginnen muß. Natürlich gibt es sog. Marktgesetze, die wie Naturgesetze aufgespürt, gelernt und gekonnt eingesetzt werden können, und es wäre ganz weltfremd, wenn man annehmen wollte, daß diese nicht auch zur Welt des Künstlers gehörten und nicht ebenso bewußt benutzt werden, wie Pinsel, Farbe oder Terpentin. Hierzu aber könnten ehrliche Galeristen und Kunstwissenschaftler, die  mit ihrem Wissen und ihren Beziehungen in und um den Kunstbetrieb erfolgreich oder erfolglos versucht haben, mit der Kunst eigener Bilder das dicke Geld oder Karriere zu machen, mehr und besser berichten. Auch eine solche Arbeit, etwa unter dem Titel "Der sichere Weg nach Venedig und Kassel" wäre ohne Zweifel verdienstvoll und würde sicher schnell zur Bibel für manchen Künstler.
Was ich Ihnen jedoch für ein paar Stunden Mühe zumute, ist ähnlich wie die "göttliche Kommödie" Dantes ein schwieriger Weg durch eine Unter- und Oberwelt, die seit je wie die Schlachtfelder dunkler und heller Mächte von Geistern und Dämonen im Kampf um die Seele des Menschen empfunden und umschrieben wurden, als würde dort im Bereich der Freiheit, der Entscheidungsmöglichkeiten und Entschlüsse entschieden, ob der Mensch wie ein Zombi, Sklave oder Schlafwandler nur als Produkt bestimmter Schablonen, Formen, Ismen, Veranlagungen und Gedanken endet, seien diese religiöser oder kultureller Art oder Kunst, oder ob er als moderner und mündiger Mensch als deren Produzent frei und verantwortlich bleibt, wobei es auch in der Freiheit nicht darum gehen kann, sich jeder Fremdbestimmung zu entziehen, was selbst als Versuch nur töricht und zwecklos wäre, sondern darum, zu wissen, welches Boot man mit seiner Geburt bereits bestiegen hat und auf welchem Planeten man aufwachte, und zu wissen, welche Strömungen wohin führen und verführen können.
Die Disposition der folgenden Überlegungen.

Man wird mir vielleicht vorhalten, daß solche Überlegungen nicht neu und heute ganz selbstverständlich sind. Und in der Tat hat Entwicklung keineswegs nur in der Kunst und in den Kunstwissenschaften stattgefunden, und ich spreche auch keineswegs von etwas, das ich erst fordern oder hervorbringen möchte, sondern das recht verbreitet und weltweit bereits selbstverständlicher Bestandteil eines modernen Selbstverständnisses ist.
Dennoch werden wir in jedem Gespräch über die Moderne ganz bestimmt und in jeder monologen Theorie werden wir höchstwahrscheinlich auch auf die Schwierigkeit eines Widerspruchs stoßen, der dadurch entsteht, daß sich die Moderne im obigen Sinne - und zwar als Qualitätsbewußtsein - einmal als Entwicklung oder Bewegung - also nicht nur als Veränderung oder Variation - versteht, was sich zum anderen aber als ein Istzustand irgend einer Zeit ganz formal also in einem Bild oder einer Statue oder einer Handlungsweise manifestiert hat, als wäre auch die Moderne nur eine neue Art der Konvention, in bestimmter Weise zu malen oder nicht zu malen. Man kann sich diesem Widerspruch behelfsmäßig am Vergleich mit einem Vogel entziehen, der als Istzustand auch dann die gleichen Flügel besitzt, wenn er durch die verschiedenen Kontinente fliegt. Ist also daß, was man heute als das Moderne den ganz individuellen Stil eines Künstlers oder der Künstlerin geradezu hypostasiert hervorhebt, nur das Produkt seiner oder ihrer Veranlagung und Genialität als sein oder ihr persönlicher Stil, den er oder sie in sich zu finden habe, so wie der Ornithologe einst z.B. eine Nachtigal verhungern ließ, um mit ihrem letzten Gesang den ganz typischen, reinen und vollständigen Gesang einer Nachtigal auf ein Tonband aufnehmen zu können, was in der Kunst dann eben unbewußt und ungewollt auch innerhalb einer bestimmten Konvention unserer oder früherer Zeit stattfindet, wie wir es z.B. in einem fertigen Bild mit einer gelungenen Karriere erkennen können?
Mit einer Kunsttheorie vor der leere Leinwand kann es mir im Gegenteil hauptsächlich nur darum gehen, diese Existenz im Bereich der Freiheit, eben der möglichen Beliebigkeit nicht zu meiden oder als Makel zu überspielen, sondern als Bereich zu präsentieren, der seit je den Entschluß, die Absicht und die freie Entscheidungsmöglichkeit und -notwendigkeit erforderte.
Freiheit und ihr Gebrauch ist unter dem Gesichtspunkt der Moderne als einer Entwicklung eben nicht nur die objektiv leere Leinwand, auf die ich ganz nach Entschluß in dieser oder jener Technik ein gutes, schlechtes oder böses Bild malen kann, so wie ich will und kann, sondern ist in immer weitergehenden Reflexionsschritten als Situation und Erlebnis also auch existentiell zu verstehen, zu erkennen und zu bewältigen, womit die Moderne bis heute einen ersten oder eigentlich einen ersten halben Schritt tat.

Trotzdem muß ich am Ende natürlich auf den Vorwurf eingehen, daß die ganze Nachkriegskunst nichts Neues und nichts weiter als nur eine mehr oder weniger phantasiereiche und geschäftstüchtige Variation der Moderne bis zu DADA sei. Hierbei gilt es dann auch das Phänomen einer "qualitativen" Streamline der Kunst unserer Zeit zu beachten und zu kommentieren. Wenn auch diese beiden letzten Aspekte eher auf einen Stillstand hinweisen, können wir gerade im geistigen Zustand noch vor der leeren Leinwand nicht übersehen, also angesichts nahezu absoluter Freiheit, die jeder Mensch mit einem Bleistift und einem leeren Blatt Papier vor sich erleben kann, daß gerade die Nachkriegszeit seit 1945 der ganzen Menschheit einen noch nie so deutlich erlebten Entwicklungsschub beschert hat, der uns kaum Zeit zur Besinnung läßt und der Vorstellung eines Stillstandes widerspricht.

Aber wenn man im Gegensatz zur Kunst Entwicklung z.B. in Wissenschaften und Technik, in der Rechtsprechung oder in der Politik eher von Kriterien im Sinne von Fortschritt zu besseren Möglichkeiten und zu mehr Richtigkeit ausgeht, was sich mit der Überwindung von fehlenden oder schlechteren Möglichkeiten z.B. in der Beleuchtung eines Raumes oder von Unrichtigkeiten wie z.B. des ptolomäischen Weltbildes konkretisiert, während man in der Kunst wohl nirgends von schlechteren oder falschen Bildern alter Meister und den besseren der modernen Künstler sprechen würde, heißt dieses ja keineswegs, daß es damit die Kriterien, die für Wissenschaft und Technik gelten, in der Kunst nicht mehr gibt, und daß die Künstler sie beseitigt oder überwunden hätten. Natürlich gab und gibt es Künstler und Kunstinterpreten und besonders Kritiker, die durchaus sowohl bejahend wie verneinend in der Moderne ein Jenseits von Gut und Böse und Falsch und Richtig und darin eine Befreiung oder eine böse Ignorierung im Sinne des Verlustes, der Verneinung oder Relativierung ethischer wie ästhetischer Qualität und sogar das Ende jeder Kultur sehen und sahen, und nicht nur die Nazis. Aber dennoch gibt es natürlich, wie zu allen Zeiten, auch in der modernen Kunst die Kriterien Gut und Schlecht, Falsch und Richtig, Gut und Böse, sonst gäbe es wohl keine Kunstschulen, und Künstler wären zugleich Heilige.
Aber nicht allein durch die sicher privilegierende Distanz des Künstlers, die nun mal der Darstellende einer Wirklichkeit zu dieser Wirklichkeit hat oder bekommt, ergibt sich ein differenzierteres und reflektiertes Verhältnis zu Gut und Schlecht, Falsch und Richtig, Gut und Böse, obwohl ich diesen Vorteil an Freiheit nicht missen möchte, der keineswegs eine Ablehnung oder Relativierung dieser Kriterien bedeutet, aber es gilt zu verstehen, in welchem Sinne wir in einem besseren Verhältnis zu Gut und Böse, zu Falsch und Richtig leben, wenn wir solche Kriterien eben nicht damit aufgeben oder relativieren. Das, was wir als Entwicklung der vergangenen Jahrtausende, Jahrhunderte und Jahrzehnte bezeichnen, ist die Entwicklung im allgemeinen und im zunehmend bereits derart selbstverständlichen Selbstverständnis auch im Alltag wie in Wissenschaft, Technik, Politik, Religion und Recht, so daß wir uns vergangene Jahrzehnte, Jahrhunderte und Jahrtausende kaum noch vorstellen können, obwohl sich der Mensch im Guten wie im Bösen an Idealen wie an Verschlagenheit, Gemeinheit und Selbstvergessenheit wohl kaum geändert hat.
 
Mord und Totschlag galt in der ganzen christlichen Welt Dennoch bedeutet die Emanzipation zu einem zivilisierteren Verhältnis von Menschen und Nationen zueinander - im oder als Ergebnis, daß sich Unredlichkeiten schwieriger verbergen lassen und selbst die Mächtigen und Reichen wie die Supermächte auch zu eigenem - wie natürlich zu allgemeinem - Vorteil nicht mehr ungeniert mit Unmenschlichkeit und Willkür drohen, und damit erpressen und protzen können, wie noch vor 50 Jahren in der ganzen christlichen Welt. Also doch auch eine ethische Emanzipation, wenn auch  ohne Veränderung der Moral? Jedenfalls eine allgemeine Erweiterung der Denk- und Reflexionsfähigkeit.
Und gerade, wenn wir ganz realistisch das alltägliche Gerangel, wenn wir Bosheit und Kriminalität als Kontinuum unseres Zusammenlebens dennoch weiter zur Kenntnis nehmen müssen, ist es schwer, von einer Entwicklung zum Besseren zu sprechen, womit nur deutlich wird, daß es hier Entwicklung als etwas Schwierigeres noch erst zu verstehen gilt, das neben der rein formalen z.B. gesetzgeberischen, parlamentarischen, bildungsmäßigen Veränderung der Moderne besonders in der Kunst deutlich wird.
Derart gehört hier die Selbstbestimmung moderner Kunst gerade vor dem Entstehen eines Kunstwerkes in den Kontext der Gegenwart, die ich im Folgenden am Beispiel einer möglichen negativen Variante innerhalb der Moderne, dem Faschismus und Neofaschismus, etwas ausführlicher versuchen will und muß. Denn gerade wegen der rasanten Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte und Jahrhunderte halten sich nicht nur alte Sprüche, sondern auch alte, überholte Denkmuster wie Abgründe neben uns, in die wir wie in alte Barbarei um so tiefer zurückzufallen drohen, je weiter sich die Menschheit entwickelt.

1. Teil
Der sichtbare Vordergrund als das Horizontale und der unsichtbare Hintergrund als das Vertikale des Bildes und der Wirklichkeit.
2. Teil
Subjekt und Objekt
3. Teil
Vier Schichten, die unser Selbstverständnis bestimmen.
 
 

Der Vortrag
1. Teil
Der sichtbare Vordergrund als das Horizontale und der unsichtbare Hintergrund als das Vertikale des Bildes und der Wirklichkeit.
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Ich behaupte, daß moderne Kunst immer zugleich die Behauptung ist, es sei Kunst, womit dann auch eine bestimmte entsprechend verwirklichte Vorstellung verbunden sein muß, was Kunst ist.
Die Linienführung in den Bildern, die jeweiligen Striche, Formen, Kurven, zu denen ich mich beim Malen meist ganz spontan und manchmal nach einer längeren Besinnung entschlossen habe, entschließen mußte, um das Bild fertig zu bekommen, sind nichts  weiter, als eben solche Entschlüsse, so als wenn ich mich frei  für irgendwelche Zahlen zwischen 1 und 6 entschließen wollte, was dann fast ebenso so zufällig aussieht, als würde ich würfeln. Diese jeweiligen Entschlüsse zu den Strichen Formen und Kurven sollen derart an die indirekten Spuren erinnern, die Elementarteilchen, jene unsichtbare Realität jeder Materie, in einer Nebelkammer oder auf einem Film hinterlassen, ohne daß, wie in der Nebelkammer das Elementarteilchen so in den Bildern der jeweilige Entschluß selbst sichtbar werden und nur nachvollzogen werden kann, der oder das aber zum Entstehen des Bildes, d.h. zu dem eher zufälligen tatsächlichen Linien- und Farbverlauf  führte.

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Dies also zum Titel und Untertitel meiner Ausstellung und auch der Bilder, die meist die oft mythologischen Namen von irgendwelchen tatsächlichen Elementarteilchen tragen. Die Welt und auch wir bestehen nach heutigen Erkenntnissen der Empiriker und Wissenschaften aus solchen Elementarteilchen. Da wir aber dafür normaler Weise ganz andere Vorstellungen und Bezeichnungen haben, wie z.B. der Mensch bestehe aus Fleisch und Blut, aus Gut und Böse, aus Leib und Seele. usw. oder die Welt bestehe aus Wasser, Feuer, Luft und Erde  oder aus Tag und Nacht, Hell und Dunkel, oder andere oft sehr plausible oder merkwürdige Theorien, habe ich für einige Bilder auch die Namen Saga, Mythos, Mythographie gewählt, wenn es mir passend erschien.
 In der Bettina-von-Arnim-Bibliothek
Titel meinen Bilder auf Papier unter Glas Bilder auf Leinwand
Mythos XLII" 
Mythos XXXIV" 
Nucleon 10 
Neutron 3 
Proton p 

 

Hyperion 2000 
Hyperion II 
Hyperion III 
L(2020)F07** 
Baryon N(3690)* 
41N(2100)S11** 
128S+(1189,41±0,14)+1 
 Im Galerie-Café "Kiryl"
61 Neutron 9, DM 380,- 
127 Neutron, DM 249,- 
33 Nucleon 3, DM 249,- 
34 Nucleon 4, DM 249,- 
59 Neutron 7, DM 400,- 
129 c L, DM 249,- 
Hyperion 1xx, DM 249,- 
Baryon N (2100) D 15+, DM 3000,- 
46 N (3030) xxx, DM 3000,- 
97 S (1889) P 11xx, DM 3000,- 
Hyperon 2 XX, DM 3000,- 
Hyperion 3xxx, DM 3000,- 
P(1270) 0+(2+)+, DM 3000,- 

63 Neutron n 940

Titel, Untertitel und Namen - und letztlich auch die Preise - weisen somit auf einen mehrschichtigen Hintergrund hinter der sog. empirischen Tatsächlichkeit der sichtbaren vordergründigen Farben und Formen der Bilder, die womöglich scheinbar auch ohne solche Hintergründigkeit und ohne Kommentar oder Reflexion darauf gefallen oder nicht gefallen können. Natürlich kann es aber solchen Vordergrund, wie die reine Farbe und Form, ohne diesen Hintergrund, ohne das, was diese Farbe und Form hat, nicht geben. Selbst wenn mir an einem Bild nur gefällt oder nicht gefällt, daß die Farben, (die ich natürlich vor dem Beginn des Malens sorgfältig ausgesucht hatte), zu meiner Tapete und zu den Möbeln passen oder nicht passen, oder weil irgendwelche zufällig entstandenen Formen wie sympathische, unsympathische, bedeutungsvolle oder scheinbar hervordrängende Gesichter oder Gesten Assoziationen hervorrufen, oder wenn die zufällige Form des Farbverlaufs nur symbolische z.B. psychologische Bedeutung wie bei einem Rohrschach-Tests gegenüber einer Klexographien eine besondere Bedeutung bekommt, womit ich offensichtlich bei einigen Bildern sogar gespielt habe, so bleibt solches "Verstehen" zwar auf der vordergründigen, horizontalen - ich will sagen, - rein rhetorischen Ebene, aber dennoch bedeutete auch das ein bestimmtes und sogar weltanschauliches Verhältnis zu dem genannten vertikalen Hintergrund, der mit dem Entstandensein, der Absicht und dem geschichtlichen Bestehen des Bildes genauso wie mit der Funktionsweise der Farben dennoch gegeben ist, wie ich näher ausführen will.
Die Moderne hat mit einer neuen Dimension von Loslösung und der Unterscheidung eines Hintergrundes von der empirischen Vordergründigkeit, nicht nur ein besseres, richtigeres, tiefergehenderes und damit auch geschichtliches Verständnis des Hintergrunds jeder Kunst eröffnet, sondern damit auch den Vordergrund und die rein rhetorische, formale Ebene - auch als neue Möglichkeit entdeckt, wenn auch kaum in der Correlation zweier Koordinaten verstanden oder theoretisch begründet, die aber sowohl in der Thematik und Technik, wie bei Mondrian 1922, Moholy-Nagy 1924 oder Dietrich Schmidt1984  wie aber auch in Form von Strategie, Entertainment, Performance, Envirement und Vermarktung ganz neue Akzente setzte, was man vergleichsweise als unterschiedliche Koordinaten in der Theologie etwa bei Paulus als den vertikalen und als Gegensatz dazu z.B. mit dem mythologischen Ansatz der Kabbala als den horizontalen Weg vergleichen könnte, wobei letzterer z.B. von der Anzahl der Buchstaben eines Namens auf den Charakter des Namenträgers schließt  usw., wobei beide Wege bis ins Irrationale und Transzendente reichen und sich dort vielleicht treffen, was den Vergleich mit den ganz unterschiedlich erreichten Bilder von Malewitsch und Mondrian nahelegt. Ich versuche gewissermaßen beiden Koordinaten und letzterem mit diesem Vortrag selbst und einem neun- und einem elfeckigen Bildformat Rechnung zu tragen.
 
Mondrian 1922: Komposition in Rot, Gelb und Blau Kasimir Malewitsch 1914/15: Schwarzes Quadrat auf weißem Grund
 Theoretische Vorüberlegungen dazu habe ich unter dem Titel "Glaube und Fantasie" zusammengefaßt. Man kann sie in der "Bettina-von Arnim-Bibliothek" ausleihen. Es sind aber nur Vorüberlegungen, die ich in meinem kunsttheoretischen Brief an Birger Jesch -siehe <http://home.t-online.de/home/friedhelm-Schulz.Mail-Art/versuch.htm> weiterführe.
Oberfläche und Tiefe
Aber was sich bei dem Vergleich anstehender Kunsttheorie mit der gleichen Problematik in der Theologie als Beispiel zwischen der Theologie von Paulus und der ganz anderen quasi vordergründig angesetzten Logik der Kabala unterstreicht, ist die Affinität und teils sogar Rivalität von Kunst und Religion seit Beginn der Menschheit; dennoch machen wir diese Unterscheidung von Oberfläche und Tiefe im Sinne der Koordinaten oder Dimensionen einer Wahrnehmung seit je auch in allen anderen Bereichen des Lebens, ohne daß wir dabei nur den Vordergrund als das Reale und den Hintergrund oder jede Tiefe aber als ein mystisches oder spiritistisches Jenseits oder als etwas Irreales auffassen. Mit Märchen, Sagen und Mythen üben wir zwar von Kind an die Welt als ein Geschehen auf verschiedenen Ebenen zu sehen und vom Sichtbaren zum Unsichtbaren hin zu schließen. Aber bereits die Unterscheidung von beiden Ebenen ist ein erkenntnistheoretischer Ansatz, der seit Beginn der Menschheit, schon eben auch umgekehrt zum einen die sichtbare Welt nur als den unwirklichen Abglanz der unsichtbaren Realität in einem Hintergrund zu verstehen sucht, und der zum anderen diesen empirischen, sichtbaren Vordergrund des Alltags quasi kausal nur wie die Funktion oder Tastatur eines nur erschließbaren und teils für immer unbekannten aber dennoch realen  Hintergrund versteht, wie wir hinter der Tastatur eines Klaviers die Musik wissen, oder wie wir den Hunger oder Durst als ein empirisches Gefühl, als Befehl oder als eine Funktion verstehen, den Körper mit Nahrung und Flüssigkeit zu versorgen und andererseits den Schmerz als Signal verstehen, den Körper vor Beschädigungen zu schützen usw..

Mit dem Begriff „Elementarteilchen", dem Untertitel meiner Ausstellung, verbindet sich heute die elementare Frage:
„Woraus bestehen wir und unsere Welt?" was sich mit der weiteren Frage verbindet:
„Was sind wir?"
Sind wir ein Produkt des Zufalls? Das Epiphänomen einer ganz anderen Realität, als derjenigen, die  wir empirisch wahrnehmen, wie es ähnlich vor 2600 Jahren bereits Plato in seinem Hölengleichnis zeichnete?
Sind es die Natur, die Materie mit den unterschiedlichsten Eigenschaften, die am Ende auch unser menschliches Aussehen und unser menschliches Verhalten und also auch die Kunst bestimmen, sind es also anonyme geistlose, naturgesetzliche Kräfte, deren Produkt oder Produzent die winzigen Elementarteilchen sind, die wahrscheinlich wieder aus noch kleineren Teilchen und noch anderen Kräften bestehen, oder wird nicht wie das Kunstwerk so auch die Welt zunehmend künstlich gestaltet von menschlichen Handlungen, die allesamt letztlich jeweils auf irgendeinen freien menschlichen Entschluß zurückgehen,  z.B. etwas in dieser oder jener Weise zu tun, illukationär zu veranlassen  oder zu lassen und zu verhindern, so daß die geheimnisvolle Materie und Natur und auch der Mensch dem Menschen und dem menschlichen Geist gehorcht und ausgeliefert ist, und nicht umgekehrt?

Das heißt, ist der Mensch Produkt oder Produzent dessen, was er tut oder läßt, wie er sich bewegt? Ist z.B. der Herzschlag Ursache oder Folge des Lebens?
Ist es die empirisch sichtbare Kunst selbst bzw. das jeweils Dargestellte, die oder das auch die Theorie beinhaltet, was Kunst oder was das Dargestellte ist, was ich in der aufgezeigten gemeinsamen Alternative „Produkt oder Produzent" bei Elementarteilchen wie bei der menschlichen Handlung in dem Wort „oder" andeute, ist es der Wahrnehmende, der Konsument, Käufer und Betrachter, der vom empirisch Sichtbaren ausgehend entscheidet, was Kunst ist, mit der Konsequenz „Was sich als Kunst verkaufen läßt, ist Kunst", oder ist es der Künstler mit seinen Vorstellungen.
Man kann sich die grundsätzliche Problematik sehr vereinfacht so verdeutlichen, wenn man überlegt, ob der Mensch und sein Tun aus der Materie resultiert, aus der er besteht, d.h. aus physikalischen, naturgesetzlich notwendigen Vorgängen, oder ob umgekehrt auch seine materielle Zusammensetzung Resultat ist von menschlicher Existenz, was sich nicht nur aus dem ergibt, was er z.B. ißt und trinkt und wie er sich vermehrt, sondern auch, wie er lebt, so daß nicht nur der Körper, sondern auch Kinder und damit alle Menschen Produkt wie Produzent von Menschsein ist, wie natürlich auch Sprache und Kunstwerke von Sprechenden und Künstlern hervorgebracht sind und wie zugleich Sprache und Kunst wieder Sprecher und Künstler hervorbringt. Es ist die uralte Problematik, die sich im Kunstgeschehen ganz profan etwa derart stellt: „Ist Kunst etwas Materielles, eine gute Geldanlage? Eine gute Dekoration wie der Schweif des Pfaus? Ist sie als Funktion ein reines Such- oder Existenzsignal, wie der Gesang der Nachtigall?" oder „Ist Kunst ganz grundsätzlich bereits etwas Geistiges und nur geistig Zugängliches?" Wichtige Grundüberlegungen dazu finden Sie in den beiden Bänden von Gerold Prauss „Die Welt und wir" (Metzler Verlag, Stuttgart) etwa derart: Bd.2, Seite 125:

„Was als diese weitere Verallgemeinerung des Artefaktbegriffs erforderlich wird, ist infolgedessen eine Neubestimmung unseres Wirklichkeitsbegriffs von Grund auf, nämlich eine Preisgabe der Auffassung des Wahrnehmens als Hinnehmens von Wirklichkeit als einer Fix- und Fertigkeit. Gerade insofern sie nur Ergebnis einer Wechselwirkung mit uns sein kann — weil wir mit zu ihr gehören —und mithin auch grundsätzlich Ergebnis einer Mitwirkung von uns sein muß — da wir von einer andern Wirklichkeit empirisch keine Kenntnis haben können —, kann sie als in diesem Sinn von uns erkannte eine solche Fix- und Fertigkeit nicht sein: Empirisches Erkennen kann danach nicht einfach im Entgegennehmen einer Wirklichkeit bestehen, die als alles das, als was sie das Erkannte ist, etwas schon immer Vorgegebenes wäre, so wie unsere inneren und äußeren Empiristen meinen.
Folglich tun Sie, da dies Vorurteil nicht stimmen kann, auch gut daran, es vor seiner Verabschiedung noch als Herausforderung zu benutzen, um daran zu überprüfen, was aus jener weiteren Verallgemeinerung des Artefaktbegriffs als einer Neubestimmung unseres Wirklichkeitsbegriffs sich Punkt für Punkt ergeben muß."
 

Sicher nähert sich die moderne Kunst als solche Frage nur langsam dieser Prausschen Grundsätzlichkeit, sei es, daß „Artefakt" und „unberührte Natur", sei es, daß die „individuelle Handlung als Folge eines Entschlusses einerseits und kulturelles, d.h. allgemeines, quasi natur-menschliches Geschehen andererseits gegeneinander gestellt werden, womit sich das Individuum bereits bewußt außerhalb einer überindividuellen Gültigkeit oder über eine und sogar gegen eine solche stellt.
Gefordert sind für solche Fragen, die die Moderne mit jedem Bild vergegenwärtigt und die noch ohne Antwort sind, ganz sicher Mut und Selbstbewußtsein, ob und wann z.B. Gott nun ein Geschöpf des Menschen oder der Mensch ein Geschöpf Gottes ist, ob und wann jemand Künstler ist, weil er Bilder malt, oder ob und wann er Bilder malt, weil er Künstler ist, und ob nicht letztendlich der Käufer und weder Künstler noch Kunstwissenschaftler darüber entscheiden. Frechheit sind solche Fragen nicht gegenüber Gott oder Künstler und Kunstkonsumenten, sondern gegenüber Menschen, die den Besitz einer Antwort nur dogmatisch bzw. nur aus der Übereinstimmung mit allgemeinen Gültigkeiten heraus, nämlich konventionell  behaupten.  So träfe das Bownessche Zitat am Eingang viel besser, wenn er damit auf die eindeutige Frechheit der ganzen Darstellung von Manet hingewiesen hätte, und zwar gegenüber einer Kunstauffassung, die zwar die unendlich schönen und in jedem Sinn und auch in seiner Auffassung unbezweifelt wertvollen Arbeiten der Renaissance hervorgebracht hat, die sich aber unberechtigt dogmatisiert einer weiteren oder anderen Entwicklung unseres Denkens und nicht nur der Kunst entgegen stellt, mit der wir Menschen erst am Anfang stehen.

Edouard Manet, Frühstück im Freien 1863

Edouard Manet, "Frühstück im Freien" 1863
Hiermit stellt sich Kunst keineswegs nur gegen Konvention oder Tradition oder außerhalb von solchen, sondern auch gegen oder außerhalb der linken cartesianischen Dogmatik einer Auffassung, die den Menschen ganz innerhalb der Kausalität seiner Natur sieht.

2. Teil
Subjekt und Objekt

Jedenfalls ist ja beides, sowohl der individuelle Entschluß wie die Materie, unsichtbar, empirisch nicht wahrnehmbar, sondern nur auf Grund von gedanklichen Überlegungen zu erfragen: Weder die Elementarteichen noch der menschliche Entschluß haben eine bestimmte Farbe, einen bestimmten Ort, wo sie existieren, noch eine bestimmte Form.
Wo und wie jedoch das existiert, womit und was wir sehen, fühlen, schmecken und hören, nämlich über unsere Sinne Form, Farbe, Geschmack und Lautstärke, ist wieder eine andere Frage und zwar der Zukunft solcher Überlegungen. Das Konsekutiv „daß" wir Farben und Formen sehen, schmecken, fühlen und hören, Schmerz empfinden und Hunger und Durst leiden, ist sicher ebenso real, wie die Elementarteilchen, aber es ist nicht die Wahrnehmung des eigentlich Realen unserer Welt, das aus Unsichtbarem besteht, wie auch das Ich des Künstlers wie des Wahrnehmenden unsichtbar ist; und nicht anders ist natürlich seine Freiheit unsichtbar, wie eben auch der Entschluß, diese oder jene Farbe zu wählen, der dann aber ganz real dazu führt, daß dort Grün oder Blau für alle sichtbar wird, - oder wozu immer ich mich entschließe.
Und das bedeutet, daß wir von vornherein in unserem zweiten Entwurf eines Koordinatensystem als Kriteriumssymbol oder Bild für unser Denken und Urteilen, bei dem die Waagerechte und Horizontale das Objektive nach normalem Verständnis darstellen soll und die Vertikale das Subjektive, wissen und auch bedenken und immer reflektieren sollten, daß wir auch hierbei im Alltag ganz unvollständige und eigentlich unbrauchbare, nichtreale Kriterien benutzen, die für sich allein genommen in die Irre führen können, sobald wir sie über ihren sehr engen Geltungsbereich hinaus, nämlich über den selbst erlebten Erfahrungsbereich hinaus, benutzen. "Grau ist alle Theorie", sagt Goethens Gretchen als Opfer des Teufelskreises. Und die ungeheure Dignität, die die "objektiven" Kriterien  in Technik und Wissenschaft genießen und sicher eine bestimmte Seite aller Emanzipation, Macht und Entwicklung der Menschheit darstellen, darf uns in unserem Urteil über den Menschen und auch über unser Tun nicht täuschen, wonach dann das nichtempirische individuelle Gewissen und jede Verantwortung für unser Tun "nur" subjektiv und weniger oder gar nicht real sei, wie es der Kunstwissenschaftler Bowness natürlich nicht meint, aber doch explizit - nämlich irrtümlich - sagt.
Hiermit stehen sich  also zwei neue und ganz andere  grundverschiedene Vorstellungen als Vordergrund und Tiefe  im vorherigen Koordinatenkreuz gegenüber, wie wir sie dann auch in der modernen Kunsttheorie antreffen:
1.  In der Welt reiner Materie gilt jedes Ereignis und damit auch die menschliche Handlung als die logische Folge einer naturgesetzlichen Ursache, und sei es auch diejenige einer logischen Überlegung, so daß  ihr also gewissermaßen der Mensch ohne Entscheidung und Willen folgen muß.
2.  In der künstlichen Welt geht jede Handlung und auch deren Unterlassung zurück auf einen freien Entschluß des Menschen, der rein geistiger Art ist, - auch wenn die Handlung dann der Beginn einer Kausalkette ist, die von da an unendlich weitergeht, wie es Kant ausdrückt.

Selbstverständlichkeiten im Selbstverständnis in einem Koordinatenkreuz vonObjektivität und Subjektivität.

Wir Menschen kennen auch diesen Unterschied seit Menschengedenken und vermischen beides, sowohl die Kriterien der jeweils einzelnen wie auch die beider Koordinatensysteme mehr oder weniger bewußt und mehr oder weniger durchschaubar samt ihren Denkschwierigkeiten und Widersprüchen ganz ungeniert und werden uns dessen im Laufe der Entwicklung der Jahrtausende nur langsam auch als ein Problem bewußt, das es zu klären gilt. So ist es natürlich selbstverständlich, daß im „Realismus" die „Realität" auf einem gemalten Bild nur vorgetäuscht ist, womit aber wie in den Wissenschaften die „Wirklichkeit" des „realen" Objekts, also des Modells außerhalb des Bildes eben auch selbstverständlich zum „selbstverständlichen" Qualitäts- weil Wahrheits- und Richtigkeitskriterium avancierte, als wären jene anderen Dimensionen von Tiefe, Entschluß und Subjektivität nur zufällige Applikationen; und selbst wenn wir mit der Imagination auch noch immer die Magie erleben und ja auch erleben wollen, die hinter oder über das Sichtbare hinausweist und wenn auch inzwischen die Signatur quasi als Flagge auf ein Subjekt hinweist, so hatte die ja immer nur scheinbare Kopie des Realen gerade aber durch den Realismus und durch die dogmatisch geforderte und dann durch die Photographie sogar meßbare Stimmigkeit als Qualitätskriterium solcher immanenten Unstimmigkeiten eine Begrenztheit, die einerseits rein logisch nicht mehr befriedigen konnte, wie es Max Black in seiner Arbeit "Wie stellen Bilder dar." (aus "Art, reception and reality" übersetzt von Max Looser, Surkamp) ausführt, die andererseits auf diesem Wege nicht mehr zu überschreiten war, so ließ sich darin z.B. zwar eine reale Absicht einer realen Person darstellen, z.B. die Absicht der Römer, die Sabinerinnen zu rauben, nicht aber die Absicht des Künstlers, also nicht die Absichtlichkeit solcher Absicht im Bild, die ja eben nicht darin bestand, unter dem Vorwand eines Themas schöne Mädchenkörper zu malen oder diesen Vorwand zu zeigen, oder zu zeigen, wie solche Mädchenkörper aussehen oder wirklich sind, wobei ja Objektivität nach heutigem Stand der Forschung weder physiologisch als die Elementarteilchen gemeint ist, die dort herumflitzen, sondern wiederum nur einen menschlich-subjektiven Vordergrund, der aber die stillschweigende Bezeichnung Objektivität erhielt.
auch eine Wahrheit der SabinerinBild in einer Nebelkammer
Bedeuten diese beiden Ansichten, einmal die Ansicht unter die Haut von "Beauty" und auf der rechten Seite in die atomare Struktur jeder Materie nun etwas im Sinne der Tiefe als ein Blick unter die Oberfläche, nämlich auf die objektive Wahrheit? und ist das normale und schön gepuderte Gesicht mit Haut oder z.B. der Glanz einer goldenen Metallfläche nur Oberfläche und subjektiver Irrtum?
Will sagen, daß solche Darstellung einer Entwicklung des Menschen mit Hilfe von jenen Koordinaten die bestehenden Widersprüche unseres Verhaltens keineswegs löst oder erklärt oder schon beseitigen könnte, sondern zeigt im Gegenteil, daß wir mit solchen Wahrheitskriterien wie Subjektivität und Objektivität, Vordergrund und Hintergrund zwar denken, rechnen, handeln und argumentieren, und damit durchaus einen Weg zur besseren und richtigeren Einsicht und auch zum besseren Selbstverständnis besitzen, aber damit keineswegs eine Eindeutigkeit als Antwort haben, wenn auch Wissenschaft, Technik, Forschung und das, was wir die Aufklärung und in deren Namen dann die Moderne nennen, durchaus Begleiterscheinungen einer Entwicklung solchen Denkens sind.
Wir können uns dazu ein sehr grob und einfach gezeichnetes Bild der Entwicklung als Denkmodell vor Augen halten:
Der erste gewaltige Schritt  einer neuen Entwicklung bestand für Nord- und Osteuropa ja darin, daß wir Barbaren mit der Christianisierung mit einfachen Geboten zum sozialen Verhalten, bzw. mit Verboten von unsozialem Verhalten quasi provisorisch ohne logische Begründung und mehr mit biblischen Drohungen und Versprechungen von Oben, von Staat und Kirche zum Wohlverhalten überredet, gezwungen und erzogen wurden, was dann für den nächsten Schritt von Mündigkeit die Voraussetzung war, daß nämlich Wahrheit und Wahrhaftigkeit zum höchsten auch sozialen Qualitätskriterium wurde, wenn auch erst nur theoretisch und in der genannten Widersprüchlichkeit, während in der Praxis natürlich weiter gerade das Gegenteil, nämlich Verschlagenheit, Betrug, List, Übervorteilung die eigentlichen Qualitätskriterien ganz "natürlicher" Barbarei blieben. Immerhin entstand dadurch die Voraussetzung für eine Entwicklung von neuen und höheren Wertkriterien im Alltag wie von Arbeitskriterien in den Wissenschaften, was sich zuerst nur in einem von der profanen Welt und ihren Regeln künstlich abgetrennten Bereich unter der Schirmherrschaft der Kirche innerhalb strenger Orden und Regeln z.B. der Klöster sich entwickeln und existieren konnte, die ihrerseits aber zur profanen Welt hin mehr oder weniger auch deren Regeln beachten mußten.
Was hier quasi gesellschaftspolitisch ablief, lief und läuft bis heute natürlich auch in jedem einzelnen Subjekt sowohl außerhalb, wie natürlich auch innerhalb der Klöster, Universitäten und Eliten ab, wie es im normalen "natürlichen" Gerangel zwischen Menschen nun mal geschieht, woimmer und wieimmer der Bessere den Schwächeren verdrängt, wo immer es um Führung, Macht und Positionen und Funktionen geht.
Das gleiche Bild von Prozess gilt dann auf einer weiteren kleineren Stufe ganz entsprechend bei  jeder einzelnen Handlung, zu jeder Gelegenheit, bei jedem Zusammenkommen von zwei oder mehr Menschen, und dabei bei jedem einzelnen Gedanken, bei jeder Absicht einer Aktion, und dann entsprechend wiederum in der fast gleichen Konstellation bei jeder Reaktion, wobei sich die Koordinaten Vordergrund und Hintergrund, Subjekt und Objekt immer wieder vertauschen, wie bei einer russischen Puppe, in der man innen immer wieder das kleinere Modell der jeweils größeren findet, das nun wieder das größere Modell der nächst kleineren Puppe ist usw...
Und so war mit Buddha, Jesus, Mohammed und dem Bekannt- und Gültigwerden ihrer Lehren, die diesen "natürlichen" und barbarischen Teufelskreis zu durchbrechen verlangten, keineswegs schon eine Entwicklung vollzogen, so war selbst mit dem Entstehen von Kirchen, Klöstern, Schulen, Universitäten oder mit irgendeiner Gesetzgebung in Kirche und Staat keineswegs eine Entwicklung im Sinne unserer Frage einer Entwicklung z.B. in der Kunst oder der Gesellschaft bereits erreicht, sondern, ohne damit die Bedeutung jener Religionsstifter und die Bedeutung der Klöster, Schulen und Universitäten und die Bedeutung einer vernünftigen Gesetzgebung schmälern oder gar bezweifeln zu wollen, es war all dieses  bestenfalls ein Motor, eine Stufe oder Etappe oder der Richtungswechsel einer Entwicklung, die Millionen Jahre vor ihnen mit dem Beginn der Menschheit begann.
Wir können uns vereinfacht den jeweiligen Entwicklungsstand des Menschen an jenem Bild der russischen Puppe so vorstellen, daß sich jeweils wechselseitig bedingt einerseits die Lehre und Strucktur von Staat und Kirche, also z.B. von Kaiser und Papst dann in den Strukturen jeweiliger Regionen der Könige und Fürsten, der Familien, der einzelnen Personen und in diesen Personen auch noch in den Strukturen der Sprache, Gedanken und Entschlüsse wie dann auch in den Handlungen wiederspiegelt,

aber andererseits genau auch umgekehrt oder hauptsächlich so, daß Handeln, Denken, Familienstruktur, also von Unten her jeweiliges Oberhaupt,  Fürsten- und Königsgehabe wie letztlich das Verhalten und Verständnis von  Kaiser und Papst auch das Verständnis von Lehre und Staat bestimmen.
Man muß sich vorstellen, daß Sinn und Bedeutung selbst eines normalen Wortes eines normalen Bauern den gleichen Entwicklungsstand einer Zeit wiederspiegelt, wie z.B. ein großer Reichstag oder eine Debatte im Bundestag. Vereinfacht etwa derart, daß derjenige, der Ansehen und Applaus will, im Sinne derjenigen denken und auftreten muß, die applaudieren sollen.
Natürlich hätte Jesus in Person wie jeder andere "normale" Mensch damals so wenig wie heute eine Chance, Gehör und Ansehen zu finden, weswegen er und seine Lehre wie auch der "normale" Mensch und seine Bedeutung den jeweils der Zeit gemäßen Akzent bekamen. Ich denke, daß bereits heute, sicher aber in absehbarer Zukunft, z.B. das Attribut König, Monarch oder Despot eher ein Schimpfwort und eine Beleidigung ist oder sein wird als die Empfehlung eines Vorbildes. Und was einst als Lob und Preis Gottes gemeint war, würde heute als Beleidigung und Blasphemie gelten müssen.
Man kann sich die Entwicklung an diesen alten Schriften wie Bibel und Koran selbst deutlich machen: Es ist doch verwunderlich und entsprechend bezeichnend für den damaligen Entwicklungsstand des Menschen vor nur 2000 Jahren, daß ein damals bereits hochgebildeter und hochintelligenter Mensch wie Paulus sich bezüglich Jesu zwar über Wahrheit, Unwahrheit und Unwahrhaftigkeit wie Gerechtigkeit und Glauben äußert, aber in Übereinstimmung mit allen Evangelien aber auch noch zu Mohammed sich nicht über die Barbarei der unmenschlich grausamen Hinrichtungsweise eines Menschen am Kreuz oder durch eine Steinigung aufregt, was wir heute nicht einmal einem Tier zumuten oder anzutun gestatten würden.
Selbst Luther 1500 Jahre nach Jesus und selbst die Bachkantaten nochmals 200 Jahre später lassen uns in eine Zeit schauen,  die im Vergleich zu den Verhältnissen und Nachempfindungen vor 2000 Jahren ja doch schon einen gewaltigen Fortschritt an normaler Menschlichkeit erkennbar machen, dennoch erscheinen sie uns heute, - wo natürlich der Mensch nicht weniger verschlagen ist, als zu jenen Zeiten - grob, grausam und unmenschlich.
 

In einem der wohl entscheidendsten Sätze heutiger Philosophie ist diese Komplexität in einem noch grundsätzlicheren Sinne zusammengefaßt, mit dem jedoch eine Logik der Entwicklung erkennbar wird, den ich zitieren möchte, ehe wir zu noch weiteren Aspekten gelangen müssen, die unser Denken und Handeln und damit unsere Entwicklung auch innerhalb dieser Koordinaten bestimmen, denn selbst das höher entwickelte Tier unterscheidet schon sehr wohl diesen Vordergrund einer Wahrnehmung von der tieferen und eigentliche Bedeutung und besitzt wie wir Menschen mit der Unterscheidung von Ich und Nicht-ich, also von Subjekt und Objekt ein Selbstbewußtsein, wobei eine geistige Entwicklung in unserem Sinne beim Tier durch eine quasi genetische Dogmatisierung von Richtig und Falsch, - wie ich hier etwas spekulativ und deswegen hypotetisch annehme -, wie durch eine Entwicklungssperre von Selbsterkenntnis verhindert wird, die wir Menschen uns durch Irrtum, Unmenschlichkeit wie durch rhetorische Dogmen selbst verpassen können, nämlich durch die Dogmatisierung eines zu engen Naturbegriffes.
Den komplexen Zusammenhang von unserer jeweiligen Umwelt der Gegenstände und Mitmenschen formuliert Gerold Prauss - wenn auch als Nebenaussage - folgendermaßen:
Gerold Prauss "Die Welt und Wir" Bd.2, Seite 254:

"Dagegen nämlich (nämlich gegen die Möglichkeit der Freiheit und Verantwortung einer menschlichen Handlung, ohne daß letztere also von außen bewirkt wird und verantwortet werden müßte, {meine Einfügung}) könnten Sie von vornherein schon einen Einwand hegen, dahingehend, daß dies letztlich widersprüchlich werden müsse. Schließlich könne es doch keinen Zweifel daran geben, daß auch solche Subjektivität nur aus Natur entstanden sei, phylogenetisch, und, ontogenetisch, immer wieder aus Natur entstehe. Notwendigerweise aber laufe dies dann auch auf einen Widerspruch hinaus, wenn Subjektivität zum einen doch als Selbstbewegung einer Selbstverwirklichung im Sinn der Selbstverursachung entspringen soll, zum andern aber aus Natur entstanden sein oder entstehen soll und damit doch durch Fremdbewegung einer Fremdverwirklichung im Sinn der Fremdverursachung.Ein Widerspruch und damit auch ein Einwand aber ist das nur, wenn Subjektivität dabei von vornherein als etwas Anderes als Natur vorausgesetzt wird: letztlich also wieder einmal so, als wäre sie, gut cartesianisch, gegeniiber der Natur als res extensa eine Art res cogitans, was aber eben alles andere als überzeugend ist. Dem-gegenüber gilt es vielmehr festzuhalten: Da auch Subjektivität nur aus Natur entstanden sein oder entstehen kann, muß es auch gerade umgekehrt Natur als solche selbst sein, die zu so etwas wie Subjektivität aus sich heraus sich bildet und mithin als solche selbst sich auch aus sich heraus zu einem Selbstverhältnis bildet wie zu dem der Selbstbewegung einer Selbstverwirklichung im Sinn der Selbstverursachung.In jedem Fall ist es danach Natur als solche selbst, die in Gestalt von jedem einzelnen von uns als Subjektivität in solch ein Selbstverhältnis zu sich tritt und damit eben als Mentales oder Psychisches auch zu Bewußtsein von sich kommt: womit sie zu all dem wird, was dazu nun einmal mit hinzugehören muß, wie etwa die Struktur einer Identität, die sich aus sich heraus zu einer Differenz in sich macht. Ist es doch Natur als solche selbst, die danach in Gestalt eines Empirikers wie etwa eines Alltagsmenschen oder eines Wissenschaftlers, so zum Beispiel eines Physikers, Erfahrung von sich macht: sich also auch als solche selbst nach einer Seite zum Erfahren macht sowie nach anderer Seite zum Erfahrenen. Und damit macht sie als Identität sich eben in sich selbst zur Differenz, wenn anders zwischen dem Erfahren und Erfahrenen als dem Erkennen und Erkannten eine Differenz besteht, die aber eben nicht besteht wie eine zwischen einer absoluten Vielheit von zwei Welten, sondern nur wie eine innerhalb von einer und derselben Welt als der Identität dieser Natur. Und auch Natur als solche selbst ist es danach, die in Gestalt von Philosophen nicht allein Erfahrung als empirische Erkenntnis von sich als empirischem Erkannten macht, sondern als nichtempirische Erkenntnis auch sich reflektierend noch bewußt macht, was allein es letztlich sein kann, wozu sie als Empirie sich beiderseits da macht. Sich nicht zu dieser Grundstruktur derselben als einer Identität mit einer oder mehr als einer Differenz in sich verstehen zu wollen, hieße jedenfalls, dogmatisch auf Natur als absoluter Vielheit von Objekten wie den makroskopischen gemäß der Newtonschen Physik beharren zu wollen, die heute aber schon allein empirisch widerlegt ist.Um dies alles einzusehen, ist es denn auch von entscheidender Bedeutung, festzuhalten: Nicht einmal für Empirie kann es noch länger fraglich bleiben, daß zu so etwas wie Spontaneität bereits Natur als solche selbst imstande ist, mag Empirie als solche selbst auch nicht mehr in der Lage sein, die Spontaneität derselben über ihre Negativität hinaus auch noch als eine Positivität derselben zu erfassen. Jedenfalls muß danach die Natur als solche selbst schon generell dazu vermögend sein, spontan, von selbst, von sich aus in ein Selbstverhältnis zu sich einzutreten. Und speziell vermögen muß sie das dann auch als Spontaneität einer Intentionalität von Subjektivität, als die sie das spezielle Selbstverhältnis jener Selbstbewegung einer Selbstverwirklichung als Selbstverursachung sein muß, als das sie nur durch Reflexion ermittelt werden kann und somit nur durch Nichtempirie der Philosophie. Doch wohlgemerkt: Auch als Nichtempirie hat diese es dabei grundsätzlich mit Natur als solcher selbst zu tun und nicht mit etwas Jenseitigem außerhalb derselben, wie Sie für das Folgende beachten sollten. Schließlich ist es auch Natur als solche selbst, die sich spontan aus sich heraus zu Subjektivität gestaltet: aus sich selbst als dem Substrathaft-Makroskopischen heraus, das eben dadurch, daß sie sich aus ihm heraus zu ihr gestaltet, auch zum Körper oder Leib der jeweiligen Subjektivität wird."


 Denn was wir heute ganz selbstverständlich im Unterschied zum Menschen mit seiner freien Entscheidungsmöglichkeit und damit im Unterschied auch zu einer menschlichen Entwicklung dem entgegen bei Pflanze und Tier und deren evolutionäres Entstehen "natürlich" nennen und im Bestehen der Natur auch im modernsten Verständnis als ökologisch richtig und ausgewogen und zurecht schützenswert empfinden, nämlich das Vegetieren von Tier und Vegetation, und was in der Dogmatik von Faschismus und Neofaschismus zu Unrecht als das Recht des Stärkeren über den Schwächeren auch für menschliches Verhalten als natürlich und deswegen richtig verstanden wird, und was noch viel grundsätzlicher auch in der Dogmatik der modernen cartesianischen Linken als Aufklärung, als Objektivität  und Wissenschaftlichkeit auch den Menschen und sein Handeln ganz innerhalb der Kausalität verstanden wird, nämlich ganz innerhalb von Ursache und Wirkung einer Welt nur unterschiedlicher Dinge, - wie es Prauss brandmarkt - , wäre genau das eine Natur, in der gar kein Platz für Freiheit und Verantwortung vorstellbar wäre, weswegen die Natürlichkeit nicht nur des Menschen sondern auch die Natürlichkeit der Welt in einer größeren Dimension  gedacht werden muß, die uns allerdings erschrecken läßt.

Denn was ich am Beispiel der russischen Puppe gezeichnet habe, bedeutet nichts Geringeres, als daß mit der zunehmenden Bedeutung und zugleich mit dem Verständnis des Subjekts auch die Bedeutung und das Verständnis der Natur zunehmend nicht nur eine irdisch-globale, sondern auch eine universale - fast pantheistische - Dimension erhält, - wie auch umgekehrt, daß mit einem globalen und universalen Verständnis der Natur auch dem Subjekt Mensch zunehmend eine globale wie universale Freiheit an Handlungsmöglichkeit mit entsprechender Verantwortung zufällt, die in biblischen Zeiten nur Gott selbst zugestanden werden konnte.
In Umbruchzeiten eines Entwicklungsschubes wie heute und wie zu Jesu Zeiten, der ja nie sofort gleichmäßig und flächendeckend stattfindet, ergeben sich denn auch zwei Versuchungen des irrtümlichen oder bewußten Mißbrauches durch die Vermischung alter und neuer Paradigmen:
Es ist ohne Zweifel die Dogmatisierung eines zu engen Naturbegriffes, die im Faschismus zur Barbarei oder aber zu ihrer Legitimierung führt und in der Linken zu einem typisch linken zu engen Selbst-, Mensch- und  Weltverständnis, das nichts weniger zu einem Prokrustesbett wird, wo immer es sich verwirklicht. Dennoch ist ganz grundsätzlich natürlich die Differenzierung einer Erkenntnis als Fähigkeit der Unterscheidung zwischen Vordergrund und Hintergrund, zwischen Ich und Nicht-Ich als Subjekt und Objekt in der Evolution - und nicht erst beim Menschen - die Voraussetzung dafür, überhaupt über eine brauchbare Erkenntnis verfügen zu können, wobei der Mensch seinem selbstverständlichen Unterschied zum Tier und einem menschlichen Leben als selbstverantwortlich im Unterschied zum Vegetieren nicht ausweichen kann, wobei in der weit vielschichtigeren Struktur des Alltagsgerangel eines Menschen diese bewußt "aufgeklärten" Argumente einer zu engen Dogmatisierung gerade in der Modernen meist eher zur Rechtfertigung oder Entschuldigung für die eigene Verschlagenheit, Rücksichtslosigkeit oder Unfähigkeit diente und dient, - und zwar auf allen Ebenen, vom Denken und Tun des Privaten bis zu den weltpolitischen Entscheidungen auf höchster Ebene, was im Folgenden wohl hauptsächlich das Thema ist..
Die zweite Versuchung ist nicht weniger verfänglich und teuflisch, weil vielleicht sogar Ursache der typisch linken Engstirnigkeit cartesianischer Aufklärung und der faschistischen Rücksichtslosigkeit, da sie im Gegenteil gerade diesen unverstandenen Unterschied zum "Normal Natürlichen" als eine jeweils eigene Sonderstellung erleben läßt, und zwar zum verachteten Underdog und zum "Vegetieren des niederen Volkes", zur verachteten "Masse", zum Staat oder noch grundsätzlicher zu jedem anderen Fremden, den man rein numerisch in der Tat oft nur als Objekt erlebt und bei dem man jenes freie Subjektive nur negativ als Unberechenbarkeit und Gefahr fürchtet, eine Versuchung, die wir als Hang zur Selbstherrlichkeit und Menschenverachtung überall in allen Schichten bis zur heimlichen oder offenen Deklamation der eigenen Göttlichkeit über Tier, Untermensch, Fremden und der eigenen Frau und Kinder findet.
Natürlich gehört diese recht verstandene Sonderstellung des Menschen, wie sie Prauss hervorhebt, zu der größten Leistung der  recht verstandenen Natur. Aber hierbei ist eine Emanzipation, Zivilisierung oder Entwicklung des jeweiligen Individuums naturgemäß nur schwer allgemein z.B. an wissenschaftlichen und technischen Errungenschaften und in der Gesetzgebung nur eher negativ als erreichter Schutz des Individuums vor Staat und anderen Individuuen festzumachen.
Hierbei bietet der oben zitierte Text von Gerold Prauss wohl den entscheidenden Hinweis auf ein richtigeres Verständnis, bei dem das Individuum eben nicht nur als ein von der Welt und der Allgemeinheit isolierter Einzelfall gesehen werden kann, den die Allgemeinheit zwar schützen und rein nummerisch oder objektiv gerecht behandeln kann, der jedoch für sein rechtes, richtiges oder falsches, erfolgreiches oder gescheitertes Verhältnis zur eigentlich einzig realen Gegebenheit von Welt und Gemeinschaft nur auf sich gestellt ist.

Aber es war und ist nicht dieses Doppelspiel von Pragmatik zwischen Geistlichkeit und Weltlichkeit, christlicher Lehre einerseits und weltliche Barbarei andererseits, zwischen Gewissen und alltäglichem Gerangel, zwischen Individuum und Gesellschaft, zwischen offizieller Lehre und politischer, geschäftlicher und lebensnotwendiger Härte des gesamten Alltags der Milliarden Facetten in jeder Sekunde des Weltgeschehens, sondern es war und ist diese Problematik der Wahrheit selbst und zwar ganz in jenem künstlichen Bereich von Lehre, Theologie, Philosophie und Wissenschaft, und war im Christentum noch um eine Stufe weiter als von Prauss entworfen in der Person Jesu als Prototyp des guten Menschen in seiner Verantwortung für die Welt und Menschheit - selbst für den Glauben - einerseits und als Gott selbst andererseits.
In jeweils entsprechender Variation galt und gilt dieses auch für die anderen Kultur- und Religionsräume. Denn die Gefahr, beiden Versuchungen gleichzeitig zu erliegen, war in der religiös-theologischen oder philosophischen Konzeption noch mehr gegeben als im überkommenen und überwundenen allgemeinen Animismus frühester Christenheit, wobei gerade in den großen Religionen die begriffliche Trennung oder Unterscheidung von Hintergrund wie Subjektivität als Seele, Geist, Reinkarnation, Seelenwanderung usw. von der jeweils viel aktuelleren und sinnlich wahrnehmbaren, vordergründigen natürlichen und objektiven Realität des Alltags und der sterblichen und körperlichen Natur des Menschen dazu neigt, diese Natur gerade durch die Unterscheidung vom Übernatürlichen in einer zu engen Sichtweise zu sehen und zu dogmatisieren, - was dann nicht nur mit einem bewußten Atheismus das Selbstverständnis auf eine dogmatische Reduzierung des Menschenbildes, d.h. auf eine tierische, vegetierende Ebene geradezu festnagelt, sondern eben auch im Religiösen zu einer zu negativen Sicht des "Fleisches", des Irdischen, der menschlichen Natur und damit des Menschen führte.
 Aber selbst mit diesem Hintergrundwissen in Form einer Information wie jener Philosophie von Prauss, und selbst wenn sie allgemein bekannt und verstanden wäre, hätte damit noch keine Entwicklung im Sinne der Moderne oder heutiger Zivilisation stattgefunden, sich nämlich der Verirrungen zu entledigen, die durch die mehr oder weniger bewußt ausgenutzten Widersprüche zu den obskursen Mißbräuchen kirchlicher und staatlicher Macht ausgeartet bzw. eingerissen waren, sich der Bevormundung von zu engen Konventionen, von Staat und Kirche zu entziehen, sich zu enthäuten, sich der zu eng gewordenen Haut in Form einer zu engen Natur- wie Leib-Seele-Theorie zu entledigen, was nur mit einer erreichten Mündigkeit im Sinne einer erreichten Reife an Reflexionsvermögen gelingen kann, die deswegen als die eigentliche Entwicklung gesehen werden muß, die sich aber keineswegs an solchen Kriterien, wie sie unsere Koordinaten darstellen, messen läßt. Denn sowohl Subjektivität wie Objektivität bringen uns in die ärgsten Widersprüche und Abgründe, wenn wir sie z.B. als alleinige Kriterien oder als Maß für Kunst und Kultur wie auch für menschliches Verhalten nehmen wollten, wie wir verstehen müssen, um den Kontext der Moderne verstehen zu können.

Entsprechend widersprüchlich findet man z.B. den Standpunkt, daß der persönliche Stil eines Künstlers die Folge der Eigenart des Künstlers und Genies sei, der dem Künstler in die Wiege gelegt wurde, und den der Künstler in sich finden oder gewissermaßen ehrlich bekennen und nur perfektionieren müsse, wenn er echt und glaubwürdig sein will, was dazu verleitet, eine bestimmte Masche oder frei wählbare Technik als solchen Stil auszugeben, wie man entsprechend auch eine ganze Kunstepoche als Folge einer bestimmten Zeit und Kultur versteht, die dann auch entweder das Handeln des Künstlers bestimmt oder der sich der Künstler anpaßt.
So steht bis heute bei dem Laien das erkennbar Willkürliche und Gewollte noch immer in einem schlechten Ruf.
Während man zugleich oder alternativ auch durchaus Eigenart, Motiv, Duktus, Farbe und das gewählte Format des  Kunstwerkes usw. auf den freien Entschluß und die Entscheidung und Leistung des Künstlers zurückführt. Was in diesem kleinen und harmlosen Bereich der schönen Künste eher als Spiel geübt wird, findet ja auch ganz allgemein im Alltag als solche harmlose Vermischung - wegen der bestehenden Unklarheit - sowohl aus Höflichkeit und Etikette, aus moralischen wie aus unmoralischen Gründen statt, mit rhetorischem und strategischem Kalkül wie auch aus naiver Gläubigkeit. Warum sollte man in einer alltäglichen Situation auch klären und unterscheiden, ob z.B. jemand höflich ist oder nur höflich handelt. Im ersten Fall wäre er objektiv - also praktisch ohne Eigenleistung und im letzteren „nur" subjektiv höflich - wie ein Schauspieler.

Aber hierbei wird dennoch die ethische Dimension der Entwicklung zum Richtigeren im Selbstverständnis hin deutlich, die in unserer Menschheitsgeschichte nicht nur in der Kunst und dort im Virtuell-künstlichen stattfand und stattfindet, sondern immer auch im Kontext mit der Entwicklung der Sprache, Religion, Kultur, Philosophie, Technik und Wissenschaft stand.

Diese scheinbar kleinen Unklarheiten und Vermischungen und damit möglichen Unredlichkeiten in unserem alltäglichen Pragmatismus, wovon ich diese drei nur angedeutet habe, bekommen seit der Renaissance langsam zunehmend eine weltpolitische Dimension.

Als eine regelrechte weltanschauliche Pest finden wir dies heute, wenn man Verhalten und Wert des Menschen einerseits z.B. an der Nationalität oder Religion eines Menschen festmacht, was ja in der Tat nur selten frei gewählt wurde, und wenn man den Menschen andererseits deswegen aber persönlich verantwortlich macht, verfolgt, haßt, verachtet oder bestraft und tötet. Hierbei kann durch solche Mischung aus Rhetorik, Moral und Verschlagenheit, die unter Umständen ganz bewußt von Außen „künstlich kreiert" wurde, meist aber in weiter Vergangenheit als Vorstellung oder Redewendung ganz zufällig entstand, ein Teufelskreis entstehen, besonders, wenn der Mensch auch seine eigene Identität und sein eigenes Verhalten danach ausrichtet oder damit rechtfertigt oder eben damit ganz naiv das „Echte", „Wahre", „Gute", „Loyale", „Ehrenhafte" zu sein und zu verwirklichen sucht, sei es als Deutscher oder Franzose, als Moslem oder Katholik, als Mann oder Frau, was ja impliziert, daß das Nichtdeutsche, Nichtfranzösische, Nichtmoslemische, Nichtkatholische, Nichtmännliche oder Nichtfrauliche entsprechend als unecht, unwahr, ungut, unloyal und unehrenhaft zu gelten hätte - um die implizite Widersprüchlichkeit zu verdeutlichen.

Wenn ich vorwegnehmend auch unser heutiges engstirniges Stammesdenken, und heutigen Rassismus, Nationalismus und religiösen Fundamentalismus als eine Mischung von solcher Naivität und Dummheit - das heißt: weniger sorgfältiges und weniger richtiges d.h. unklares Denken in den alltäglichen Selbstverständlichkeiten einerseits - und Verschlagenheit andererseits sehen kann, so findet dieses sicher eine einfache Begründung auch darin, daß sich solche kleinen Unklarheiten und Unredlichkeiten des normalen Alltags dann im Politischen und Weltpolitischen zu Katastrophen vergrößern können. Ich denke an das Verhalten der ersten „Christen" in Amerika gegenüber den Indianern, wo dann nicht nur tatsächlich und ganz naiv spanische Kleiderordnung und Sprache zum rechten Glauben und gültigen Menschsein gehörte, sondern wobei gerade die alltägliche Verschlagenheit Objektivität, Sachlichkeit, Realpolitik wie in der Natur „objektiv" ablesbar so auch im politischen Verhalten als Klugheit und Erfolgsrezept und durch den Erfolg als Wahrheitsbeweis galt und nicht nur Glaubwürdigkeit und Inkulturation verhinderte sondern eben auch in der Moderne bewußter Zivilisation und Humanität zum Massenmord und zur Sklaverei und den Handelnden selbst dabei in die Barbarei führte.
Dennoch müssen wir wissen, daß wir uns auch heute von diesen beiden sehr verfänglichen Koordinatensystemen nicht lösen können.
 


Sind wir noch Tier oder schon Mensch, verhindert der Erfolg das Menschsein?

Es gilt also nicht, diese Koordinaten als Kriterien unseres Selbstverständnisses neu einzuführen, was sie in der ganzen Widersprüchlichkeit als „Ich" und „Nicht-Ich" ganz unreflektiert schon immer sind, sondern sie als unser natürliches Denken in unserem alltäglichen wie auch wissenschaftlichen und politischen Handeln als Fehlerquelle und mögliche Fallgrube unseres Selbstverständnis zu reflektieren.
Das heimtückische Netz der Spinne wie das Fischernetz, die Tarnung des Raubtieres z.B. der Eule so wie das grüne Jägerwams ist eine bestimmte Art der natürlichen Klugheit, die im sozialen Verhalten zwischen Menschen und auch als eigene Identität als eben das Erfolgreiche, Echte, Wahre, Gute, Loyale und Ehrenhafte nicht nur der eigenen Einsicht von eigener Verschlagenheit und auch der naiven Verlogenheit und Falschheit gegen andere im Wege steht - weil es eben als das "Erfolgreiche, Echte, Wahre, Gute, Loyale und Ehrenhafte" ist -, sondern auch für bessere Einsichten und rechtes und richtigeres Denken blind und taub macht, das nicht durch „natürliche" Zweckmäßigkeit bestimmt bzw. determiniert ist. Auf der Linie der Evolution wäre hier die Freiheit gleich Null.
 


Der Mensch ein Produkt des Zufalls?

Dazu mein Beitrag im "Bündnis gegen Faschismus".Beginn

Dieser Beitrag gehört in der Tat auch in die Kunsttheorie der "Modernen" und auch zum Thema dieser beiden Koordinaten, weil  Nationalismus, Faschismus, Fundamentalismus und Rassismus ( selbst bei Kant unverstanden) auch in heutiger Auffassung durchaus ein Phänomen der Moderne und der Aufklärung aber eben nicht der modernen Malerei sind, worauf ich auch stolz bin.
Eine angemessene Faschismuskritik kann nicht vom idealen Staat Platos oder dem faktischen Staat des Aristoteles ausgehen, und auch nicht von den ersten segregationistischen Staatsgebilden im 11 Jahrhundert in England und später in Sizilien unter Friedrich II., wo die zufällige Begrenzung der Insel sowohl Geltungs- und Machtbereich wie Zugehörigkeit natürlich und quasi empirisch definierte, determinierte und bis zum Gottesgnadentum hypostasierte, dies alle würde den Faschismus eher rechtfertigen als in Frage stellen, und gilt auch für die späteren Staatstheoretiker von Machiavelli über Montesquieu, Lockes, Darwin, Marx, Lenin bis zur Gegenwart, wo immer es um ein objektives Richtig und Falsch geht, denn Hitler tat in Europa, also im eigenen Haus, faktisch das Gleiche, was alle Kolonialmächte ungeniert in aller Welt trieben, jedoch aus einem anderen Grund als jene, denen es bewußt vornehmlich um Ansehen, Geld und Reichtum ging. Die Grenzen innerhalb Europas waren zufällig unter Eigentumskriterien durch Verwandschaftskungel, Vererbung, Raub, Krieg, Betrug und Übervorteilung nach dem Recht des Stärkeren d.h. nach den "natürlichen" Regeln in dem "normalen" engen Sinne entstanden, wie wir sie im Affenstall oder bei der Hackordnung auf dem Hühnerhof finden. Man hielt die "eigene" Bevölkerung in Unwissenheit und Unmündigkeit.
Was nämlich bei den Mächtigen der Kolonialmächte eher wie die beneidete Nebenerscheinung von Reichtum aussah, sowohl Macht, glänzende Ausstattung wie Arroganz und Größenwahn, Verachtung der Schwächeren, Ärmeren, Ungebildeten und deren Versklavung und Entrechtung, dies alles, was ganz sicher, wenn auch versteckt, der eigentliche Antrieb für die Profitgier ist, wurde von den Faschisten nun ganz offen ausgesprochen zum erklärten Vorbild und Hauptziel, was denn auch zurecht als geschmacklos empfunden wurde, so geschmacklos und kriminell, als würde sich ein Mann ohne den umständlich-kulturellen Modus des Lebens- und Arterhalts, wozu das religiös-ethische Miteinander durch die halbfertige Aufklärung herabgestuft worden war, der Frau mit den Worten bekanntmachen „Ich will dich f. und ausrauben.", um sie dann mit dem Recht des Stärkeren zu vergewaltigen, zu plündern und zu töten, wenn sie nicht will.
Das was Gerold Prauss bezüglich Kant, aber eigentlich bezüglich der ganzen empiristisch begrenzten Aufklärung treffender nicht formulieren könnte:

„ ...als die Tragödie (s)einer Newtonschen Gefangenschaft, die eine Theorie der Subjektivität als etwas innerhalb von dieser Welt oder Natur verhindert und mithin, wenn überhaupt, so nur als etwas außerhalb derselben zuläßt, also nur als etwas letztlich Unglaubwürdiges." („Die Welt und wir", Band II, Teil I, S. 250)
bedeutet innhalb der Entwicklung zur Moderne, daß nicht nur Gott und der ideale König Jesus, sondern auch das Subjekt durch den objektiven Determinator „Natur" ersetzt wird, dem auch demokratische Strukturen untergeordnet sind und deswegen je nach Selbstverständnis untergeordnet werden können und dürfen. Dies bedeutet, daß nach Prauss „Falsch" und „Richtig" nur dies Selbst- und Naturverständnis betrifft.
Nicht die Natur selbst ist das Subjekt und verantwortlich.
Erst die Besinnung ganz Europas 20 Jahre nach dem 2. Weltkrieg unter der drohenden moralischen Peitsche der sozialistischen Ideale des Ostblocks als Anwalt der „Vergewaltigten" (wenn auch in gleicher Newtonschen Verfallenheit), also aus Angst vor eigener Enteignung, und zwar als Einsicht unter der Vormundschaft der USA, daß also eine Vergewaltigung auch unausgesprochen eine Vergewaltigung ist, die man sich nicht länger einfach erlauben kann, um bei dem Vergleich zu bleiben, führte seit Nixon zu einer Emanzipation.
Dieser Konsens bedeutete, daß z.B. Mandela nicht mehr einfach getötet wurde wie noch Lumumba und Millionen andere vor ihm und daß man statt dessen ein friedliches, gleichberechtigtes Miteinander der Völker versucht.
Die ehemaligen Kaiser, Könige, Fürsten und Potentaten traten ab oder schlossen sich diesem Konsens an - von einzelnen bösen Potentaten abgesehen.
Unter solchem noch zarten Vorzeichen der Entwicklung fast aller Staaten zum Richtigeren hin, was natürlich begrifflich seit der Renaissance vorbereitet war, und uns mit einem Sumpf von Unklarheiten und Widersprüchen mitgegeben wurde, ist es denn auch geboten, den Neofaschismus in Deutschland, Europa und international, nicht von einem objektiven Staat her sondern vom jeweiligen Selbstverständnis her zu verstehen.

Wie das obige Evolutionspiktogramm „Wie aus Affen Menschen wurden" scheinen lassen könnte, und wie es leider auch als die verbreitete Überzeugung und besonders beschämend bei Künstlern zu finden ist, ist es nur religiöser und „unaufgeklärter" Fanatismus, der sowohl bei Tätern wie bei Opfern aus Menschen Unmenschen macht; d.h. daß der Unmensch auch andere Menschen als Unmenschen sieht und so behandelt.
Nicht die Natur selbst ist das Subjekt.

Hierbei wird Zweierlei sowohl miteinander verwechselt wie vermischt: nämlich
1.  dieser Emanzipationsschritt zur Mündigkeit und Selbstverantwortung innerhalb der Demokratie, was ganz vereinfacht als ein Übergang vom Mittelalter zur Modernen eben auch vom religiösen zum rationalen Verhalten verstanden werden muß, ist für einen immer größeren Teil des alltäglichen Lebens eben auch unvermeidlich. Man kann z.B. ein Auto nicht nach religiösen Dogmen und den 10 Geboten reparieren, man kann eine immer dichter werdende Gesellschaft, wie eine moderne Großstadt, nicht über religiöse Gebote und theologische Theorien mit der notwendigen Infrastruktur versorgen, sondern muß dazu Technik und Wissenschaft verstehen und anwenden können. Das gilt dann erst recht für die internationale Integration , was ein Verständnis anderer Kulturen, Sprachen, Traditionen und Religionen erfordert, ohne das kein Land mehr existieren kann, was aber auch nicht bedeuten kann, damit auch seinen religiösen Glauben und seine eigene Kultur aufgeben zu müssen. Natürlich wird nun mit zunehmender individueller Kompetenz in Beruf, Politik und Wissenschaft auch die eigene religiöse Kompetenz und damit ein eigenes Selbstverständnis vor Gott und dem Mitmenschen reifen, was aber nicht bedeutet, daß nun Gott sowenig wie der Mensch politischen, handwerklichen oder wissenschaftlichen Kriterien untergeordnet oder durch solche definiert werden könnte. Den Verkehrsvorschriften, daß z.B. ein Auto nicht das Leben von Menschen gefährden darf, ist sicher das ganz unnatürliche und eigentlich unlogische religiöse Gebot „Du sollst nicht töten." weiterhin übergeordnet, und bleibt das Fundament einer zivilisierten Gesellschaft, das aber nicht mehr einfach durch religiösen Gehorsam sondern nur durch wissenschaftliches, technisches und verkehrstechnisches Wissen und Können eingehalten werden kann.

2.   Was mit dem vorigen Schritt eben nicht verwechselt werden darf, ist die erst daraus entstandene und noch unverstandene neue Problematik mit der Freiheit der eigenen Vernunft, der eigenen Entscheidungsmöglichkeit wie -notwendigkeit und der daraus resultierenden Selbstverantwortung. Dabei ist es erst mal „natürlich" und auch notwendig, die vielschichtige menschliche Wirklichkeit an objektiven Daten ganz normaler Alltagserfahrung festzumachen, wodurch diese nun einerseits mit der ganzen Tiefe eben nicht objektivierbarer menschlicher Existenz und Identität quasi aufgeladen werden und dabei ja nicht nur eine fast religiöse neue Dimension oder Bedeutung bekommen und als solche selbst erlebt werden, sondern die naiv und „gläubig" und ehrlich, wie auch rhetorisch, strategisch und verschlagen mit solchen Argumenten instrumentalisiert und gehandhabt werden können, nämlich genauso naiv, gläubig und eigentlich kindisch wie verschlagen z.B. die objektive eigene wie nationale Identität und Gültigkeit an den objektiven Grenzen einer Nation oder die objektive religiöse Identität und Gültigkeit an den objektiven Formen, Kleidern, Traditionen einer Religion festzumachen, eben das Subjektive mit dem Objektiven selbst zu begründen, wie auch die Handhabung zu praktizieren und damit zu objektivieren, oder je nach Bedürfnis, Empfindung, Naivität, oder Verschlagenheit auch umgekehrt.

Dies alles, sowohl das Subjektive wie Objektive, ist derart nur halb richtig verstanden oder bezeichnet, und das Leben ist natürlich auch kein mathematisches Produkt von Beidem.
Natürlich hängen Subjektivität und Objektivität, Geist und Körper, Leib und Seele, Identität mit Lebensraum, Besitz, Verfügungsrechte und Eigentum irgendwie zusammen, wie es die vielen oft uralten Redewendungen, Begriffe, Vorstellungen und Theorien aller Sprachen und Kulturen auch wissen, aber ganz sicher ist dies nicht derart einfach, wie wir es in vielen politisch-polemischen Manifesten noch unserer Zeit finden, daß sich, wie in einer mathematischen Gleichung das eine aus dem anderen ableiten und errechnen, präzisieren oder überhaupt erst verwirklichen ließe. Wohl kann man mit dem Körper auch den Geist töten und umgekehrt, weswegen die Unversehrtheit von Geist, Körper und Menschenwürde und das Verbot von Folter einerseits, und das Recht auf Bildung, Selbstverwirklichung und Lebensraum die Grundwerte der UNO-Konventionen wurden.
Was aber damit mit dem Wandel der Zeit in der normalen überkommenen Alltagssprache trotz aller Widersprüchlichkeit weiter eine ganz harmlos gemeinte jeweilige kleine Richtigkeit hat, wenn wir z.B. sagen, „Ein gesunder Geist gehört zu einem gesunden Körper." oder „Essen hält Leib und Seele zusammen." oder „Kleider machen Leute.", oder „Ich bin Deutscher mit Leib und Seele.", oder „Ich bin Sozialist, Katholik, Moslem mit Leib und Seele." oder ähnliches, kann man zwar sprachlich und über die Sprache vielleicht auch gefühlsmäßig als solche Alltagslogik ins Politische und Weltpolitische hochrechnen, was dann eben wegen der immanenten Widersprüchlichkeiten zu weltanschaulichen Katastrophen führen kann, wie der deutsche Faschismus.
Wer sich über die tieferen Ursachen und Hintergründe dieser Widersprüchlichkeiten in solcher Vermischung nun absolut keine weiteren Gedanken machen möchte oder kann, weil dies in der Tat recht kompliziert ist, darf sich durchaus an die Grundregeln neuester geschichtlicher Lehre und Erfahrung halten, als sei es ein göttliches Gebot: Wo uns Gedanken, Zitate, Verhalten, Ziele und Sozialstrukturen begegnen, wie wir sie im realen, deutschen Faschismus gehabt haben, der sowohl die Faschisten selbst wie auch alle anderen nachweislich in schreckliches Unglück gestürzt hat, sollte man sich abwenden, wo immer man sich mit „Heil-Hitler" begrüßt und das politische Hakenkreuz verehrt und wo man mit solchen Sprüchen andere Menschen mobilisieren und instrumentalisieren will. Wenn auch nur halb richtig und nur halb verstanden ist dennoch auch der Hinweis auf die Primitivheit und Verschlagenheit des Faschismus berechtigt, was man zur Not als Faustregel benutzen darf, daß z.B. wir Deutsche uns dabei „wie die Wölfe und Jagdhunde als Schlächter einerseits und wie Zuchtvieh und Schlachttiere andererseits durchaus „natürlich" nämlich wie die Tiere und wie folgsames Schlachtvieh verhalten haben und dabei Zivilisiertheit, Kultur und Menschlichkeit verloren hatten, außer eben, daß unsere Intelligenz, Freiheit und Verantwortung dabei keineswegs derart „natürlich" ist und dabei vielleicht betäubt aber nicht irgendwie ausgeschaltet wurde, sondern daß gerade durch ein falsches Selbstverständnis ganz teuflisch sowohl Tiersein wie Menschsein pervertiert wurde und der Deutsche dabei intelligent, frei und verantwortlich war wie er es heute ist.
Ebenso einfach und unkompliziert ist auch die Einsicht und das Nachempfinden der schrecklichen Erfahrung, die die 50 bis 70 Millionen Opfer des Faschismus machen mußten und mit ins Grab nahmen, daß Unrecht siegt, daß die Sieger nicht die Guten sind, daß man nicht durch Sieg ein Guter wird und dadurch Recht behält. Die Opfer mußten mit der schrecklichen Erfahrung sterben, daß Bosheit siegt.

Wir sollten Gott danken, daß er einst die Intelligenz der Faschisten in ihrem verirrten Wahnsinn und Rausch in Grenzen hielt, und gerade wir Deutschen sollten aber auch zu sehen und zu verstehen suchen, wie es möglich war, die vielleicht gebildetste, frommste, ordentlichste und vielleicht moralischste Nation derart zu faszinieren und samt ihrer Moral in den faschistischen, nationalistischen und rassistischen Bann zu ziehen.

Wenn ich sage, daß solche notwendige Reflexion nur mit Hilfe der beiden Koordinaten „Subjekt und Objekt" nur die halbe Wahrheit ist, und damit warne,

Subjekt und Objekt als Koordinaten

daß Halbwahrheiten eben löchrige Wahrheiten sind und deswegen nur gefährlich halbüberzeugende Argumente, meine ich eben nicht, daß die andere verschwiegene oder unerkannte Hälfte eine gute Seite gewesen sei, wie die Autobahnen usw., sondern im Gegenteil, wenn ich Gott danke, daß durch die begrenzte Intelligenz der Faschisten noch Schlimmeres verhindert wurde, meine ich genau das noch Schlimmere, das sich eben leicht denken läßt, und das ich gar nicht aufzählen will, um die Phantasie des Teufels nicht noch zu beflügeln und ihn an die Wand zu malen.

Natürlich ist die peinliche Renaissance der Neofaschisten der Gegenwart im heutigen Deutschland mit der schwierigen Nachkriegssituation der 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts nicht zu vergleichen. Der neue übervertragliche Konsens zu einer Freundschaft der europäischen Völker, wie das Beispiel der Freundschaft Deutschlands mit Frankreich, Polen und Rußland, besonders aber auch mit allen und zwischen allen übrigen Nachbarn Europas - wenn im Westen auch glücklicher Weise noch immer unter der Vormundschaft der USA - , ist ein Zeichen von Vernunft und kann als ein noch zartes Licht einer neuen Zeit Vorbild sein für die Völkergemeinschaft der Erde, wenn nicht solche europäische Gemeinschaft - nun ohne jene Peitsche eines kalten Krieges - nicht wieder unter das Vorzeichen der Übervorteilung anderer - außerhalb Europas - gerät, so bewußt oder unbewußt, so versteckt oder rücksichtslos offen es sich auch zeigt.

Für solche Vernunft fehlt mir bis heute die klare Selbstdefinition der Konservativen, Liberalen und Sozialisten, denn friedliche Gemeinsamkeit kann nicht die Verleugnung und Preisgabe der eigenen Kultur, Sprache und Religion und auch nicht die Ablehnung und Segregation anderer Kulturen, Sprachen und Religionen bedeuten.

Hier genügen nicht mehr die spontanen Definitionen der ersten Umbruchzeit wie „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" einer nationalen, internationalen oder kosmopolitischen Allgemeinheit. Nicht von Ungefähr entstanden mit solchen Konzepten in aller Welt fast zeitgleich und oft in gleichen Personen und mit konservativen, liberalen und sozialistischen Argumenten faschistische Strukturen, wie unter Primo de Rivera und Franko in Spanien, unter Salazar in Portugal, unter Horthy in Ungarn, unter Pilsudski in Polen, Peron in Argentinen, Dollfuß, Schuschnik auf dem Balkan und in Östereich und jüngst Milosowitsch in Serbien , wie natürlich Musolini und Hitler in Italien und Deutschland, wozu viele andere entsprechende schreckliche Erscheinungen in Amerika, Asien und Afrika gehören.

Natürlich klingt es absurd und wie Hohn, darüber in einem Zusammenhang mit einer Entwicklung der Menschheit zum Richtigeren hin zu sprechen. Man muß sich dieses vereinfacht vorstellen mit einem neuen Instrument, das der Mensch plötzlich in der Hand hat, das sich durch die Aufklärung und Sachlichkeit einerseits und durch die neuen technischen Möglichkeiten in Wissenschaft, Militär, Mobilität, Informationsmedien und Organisationformen andererseits ergab, das man wie ein neues Auto weder versteht noch beherrscht und deswegen gegen die Wand fährt, weil es sich eben auch mißbrauchen läßt, was eben bis heute noch nicht verstanden ist, soweit dabei der Mensch eben sowohl Subjekt wie zugleich Objekt, Führer wie Anhänger, sowohl Täter wie auch Nutznießer oder Opfer zugleich ist, wobei ja Staat, Wirtschaft, Bildung, Forschung und Wissenschaft samt Justiz, Verwaltung, Polizei und Militär jeweils ohne grundsätzliche Probleme das Vorzeichen ändern konnten, was nichts anderes heißt, als daß auch solche Institutionen dabei und gerade in einer idealen Demokratie instrumentalisierbare Instrumente sind, die der Mensch heute in seiner Hand hat, und die er im kleinen Einzelfall ohnehin wie aber auch gesamt zum Guten wie zum Bösen, zum Richtigen wie zum Falschen gebrauchen kann und verantworten muß, worüber nicht die Logik unserer Koordinaten entscheiden kann, sondern nur das Gewissen.

(Zeichen)

Dieser gewaltige pragmatische Schritt der Menschheit mit dieser Veränderung in ihrem Selbstverständnis von der universalen, göttlich-transzendenten Welt- und Selbstvorstellung des Mittelalters weg und zwar eigentlich zurück zur nur geographisch-globalen, internationalen Strategie des Strebens und der Orientierung war im Faschismus praktisch nur die Kehrseite der gleichen Vorstellung, daß der Mensch nun sowohl mit wie auch als Sprache, Rasse, Geschlecht, Religion, Kultur und Nation nun international gültig und anerkannt, geachtet werden, bzw. überhaupt existent sein oder bleiben wollte - wie auch in Asien und Afrika, d.h. Geltung in der Welt, vor der Welt und letztendlich - wenn auch eher pathologisch - über die Welt anstrebte, was unterschiedlich instinktiv oder bewußt und programmatisch mit dem als objektiv wie als subjektiv nur so verstandenem Naturrecht von Fauna und Flora gerechtfertigt wurde.

Neben der oben durch Prauss bereits formulierten philosophischen Fehlleistung, zu der in diesem vielschichtigen Gemisch von Sprache, Kultur, Religion und Selbstverständnis nun in Folge noch viele weitere Fehlleistungen hinzu kommen, die sich im Faschismus überlagern und addieren, sei vorweg als Folge menschlicher Eitelkeit und Selbstüberhebung die ganz einfach menschliche Fehlleistung genannt, wie sie heute noch in allen Schulen den Kindern und danach an allen Stammtischen der Kneipen gelallt wird- nicht erst unserer Tage, sondern bereits seit dem 15. 16. Jahrhundert zunehmend allgemein - , als sei nämlich dieser Schritt vom Transzendent-Universalen des Mittelalters zum Materiell-Wissenschaftlichen der aufgeklärten Renaissance und Gegenwart ein Schritt vom Bösen weil falsch zum Guten weil richtig. Zum Teil liegt diese Vereinfachung ganz sicher an der noch weit verbreiteten Auffassung und Praxis der hauptsächlich nur universal-ethischen Kindererziehung, soweit sie eher als Dressur verwirklicht wird, wobei das vielleicht ja tatsächlich falsche auch als Böse nur verboten statt korrigiert wird und mit jenem berühmten Klaps oder sonstwie eingebleut wird.
Mit anderen Worten: Im noch mittelalterlichen oder gar antiken Anspruch vertreten im universal-ethischen Selbstverständnis Eltern ganz normale Allgemeingültigkeiten als bestehende Alleingültigkeiten
So gilt dann auch dem Erwachsenen noch das Richtige als Gut und das Falsche oder das Andere anderer Allgemeingültigkeiten als Böse, was sich dann leicht mit „Aufklatschen" demonstrieren läßt.

Was dabei vordergründig gesehen nur wie ein sprachlich-grammatisches Problem analytischer Philosophie erscheinen könnte, wie es noch Russell ausspricht, was mit diesem großen Schritt der Menschheit zur Wissenschaftlichkeit, zum Humanismus über die nur halb vollzogene Aufklärung zum gegenwärtig geforderten globalen Selbstverständnis des Menschen führte, wenn das transzendente Subjekt als Schöpfer und Schöpfung im entsprechend transzendenten Objekt nun im gleichen Satzgefüge in mathematisch, geographisch, physikalisch naturwissenschaftlich meßbaren Fakten gemeint wird, und damit so auch in die Verfügungskompetenz des Menschen kommt, wie jedes Werkzeug, für das er nun selbst verantwortlich ist , wurde als neues Problem der Politik wie auch als Alltagsproblematik weder in der Antike gesehen, noch scheint auch die Gegenwart - und schon gar nicht jene verirrten Jugendlichen - schon in der Lage, die vielschichtige Schwierigkeit zu erfassen. Zumindest sehe ich kaum Ansätze in dem laufenden Kulturdiskurs, über jene einfache widersprüchliche Koordinatenorientierung hinaus zu kommen, als daß man einerseits den Menschen und sich selbst nicht nur wie Vieh, das man versorgen muß, oder nicht nur wie Material, das so oder so funktioniert, und das man behandeln und dann gebrauchen und entsorgen muß, verstehen darf, obwohl natürlich beides sehr wohl zu jeder objektiv richtigen Wirtschaft und Politik des Alltags gehört, wobei das Individuum zumindest schon in den reicheren Ländern gegen Hunger, Obdachlosigkeit, Analphabetismus, Krankheit, Willkür, Folter und Ungerechtigkeit weitgehend geschützt sich in Parteien und an Wahlen beteiligen darf aber sonst sich selbst und Gott überlassen ist, und man die Widersprüche trefflich für rhetorische Paraden und verschlagene Ausflüchte benutzt.

Wahrheit gleich keine Freiheit
Von Entwicklung zum Richtigeren sowohl im Verständnis und Selbstverständnis wie dann auch im Verhalten kann man natürlich erst sprechen, soweit sich der Mensch einen solchen verderblichen Sog und Trend in diese zu einfachen überkommenen Logiken der genannten Politologen von Plato bis Lenin und Erhard unseres alltäglichen Koordinatensystems bewußt machen kann: Der Mensch, und sei er auch heilig und frei, ohne Hunger und ohne Gefährdung durch Willkür, würde oder wäre er dennoch als jeweils nur kurzlebige und zufällige Erscheinung in den Akten eines Menschenparks nur objektiv gesehen dann auch subjektiv gesehen gänzlich unbedeutend, eine Null, die sich hedonistisch tröstet oder im Applaus von anderen Nullen, in Nachrufen, Gedrucktem und so im Nachruhm bei anderen Nullen etwas höhere Bedeutung wähnt.
Übersehen wird mit den Kriterien Subjektivismus und Objektivität des Koordinatensystems die eigentliche Entwicklung zum Richtigeren hin, deretwegen besonders die Jugend aller Welt in die entwickelteren Länder strebt, mal nach London, New York, Paris, Berlin oder Rom will, was ich am Ende den Neofaschisten noch deutlich machen will und was jene aufs Spiel setzen. Denn diese jungen Leute aus aller Welt suchen hier eben nicht nur Wohlstand, Komfort und geordnete Verhältnisse, sondern  etwas, das sich nur schwer umschreiben läßt,  das sich früher vielleicht  quasi nebenher mit dem Begriff  "Aufklärung" verband, eine Ebene von menschlicher Gültigkeit, eine Bühne des gültigen Denkens als Akzent der gültigen Existenz, was vielleicht als Exotik von Toplevel gesucht und empfunden wird, wobei Toplevel natürlich auch bereits erreichter Zustand ist, aber mehr noch der Weg, die Voraussetzung und das Tor ist, zu einem zivilisierten Verhalten. Dies ist in diesem Koordinatenkreuz von Subjekt und Objekt nicht zu fassen.
Religiöse Universalität plus Individualität einerseits und Internationalität plus Individualität - als irdische Existenz - andererseits, sind zwar das Strickmuster innerhalb unserer Denkweise von Subjekt und Objekt, als das wir uns und die Welt sehen und verstehen und nach dem wir unsere Erkenntnis im Alltag wie auch in den Wissenschaften anwenden und ordnen, aber auch dies ist jedenfalls menschlich und künstlich und zu eng, wie es die vielen Ungeklärtheiten, Verwerfungen und Widersprüche deutlich machen, - und wenn dennoch viele Menschen ersteres, nämlich den Glauben an Gott als den übergeordneten Schöpfer aufgaben, so gilt es um so mehr, zumindest innerhalb unseres Denkvermögens und innerhalb des gezeigten Koordinatensystems nicht auch noch in die zusätzliche Einseitigkeit von reiner Objektivität oder reiner Subjektivität zu geraten. Aber Ersteres ist wohl die immer aktuellste Gefahr.
So hatten sich inzwischen die beiden Koordinaten mit zusätzlichen Begriffen und Bedeutungen angereichert.

Sicher ist der Mensch trotz der Entwicklung der Verhältnisse und aller Systeme zum Besseren hin, und trotz des richtigeren Selbstverständnisses in den vergangenen Jahrhunderten kein besserer Mensch geworden, und es ist gerade deswegen auch schwierig bis unmöglich, die Veränderung zum Besseren und Richtigeren nur an einem System festzumachen, so leicht es auch andererseits ist, das Böse jeweils als systemimmanent nachzuweisen. Zur Durchsetzung, zum Erhalt wie auch aus Mißbrauch aller Systeme sind bis in jüngster Zeit immer die schrecklichsten Dinge gegen Menschen geschehen, und eben auch im Namen der inzwischen traditionellen, überkommenen scheinbar objektiven Kriterien für die Qualität einer Gemeinschaft wie Wohlstand, Freiheit, Gleichwertigkeit, Glaubensfreiheit, Rechtssicherheit und Gerechtigkeit, - wenn auch wohl immer seltener aus reiner Bosheit und Habgier denn aus reiner Hilf- und Ratlosigkeit.

1.Teil

Obwohl ich gegen die wörtlichen Aussagen von Gerold Prauss verstoße, wo er behauptet, es könne es bei einer irdischen Erkenntnis nur Falsch und Richtig und nicht viele Zwischenwerte geben, so daß es z.B. nicht halb richtig sein könne, daß sich die Sonne um die Erde drehe und zur anderen Hälfte das Gegenteil, spreche ich dennoch innerhalb dieser geistigen Entwicklung von einem langsamen „Mehr" an Richtigkeit und einer langsamen Abnahme von Irrtum und Falschheit, wozu auch die obigen Faustregeln gehören.
Dennoch hat Prauss recht, denn es sind gerade die Halbwahrheiten und Ungenauigkeiten, die er allenthalben nachweist, die uns den Weg zu mehr Richtigkeit selbst in den Wissenschaften oft verstellen.
Und es bedeutet für mich nicht Trost, sondern Erschrecken, wo immer er eine Präzisierung allgemeiner falscher - und in meiner Interpretation weniger oder nur halb wahrer - Ansichten etwa folgendermaßen einleitet:

Bd.1;S.900 „weil Sie dazu gegen eine Überzeugung angehen müssen, wie sie fester kaum noch vorzustellen ist, weil wir alle sie zunächst einmal wie selbstverständlich hegen."
Bd.2;S.84„Und die Art der Täuschung, der wir alle dabei unterliegen, können Sie ermitteln, ...."
wie noch an vielen weiteren Stellen seiner Untersuchung
Aber zur verfänglichsten Halbwahrheit gehört sicher die bewußte Beschränkung nur auf diese eine horizontale Koordinate einer Erkenntnis oder Handlung, wo sie in der neueren Geschichte nur als sog. Realpolitik, als Objektivität, Empirismus, Cartesianismus oder Rhetorik auch allein wahr zu sein glaubt und sogar das Subjekt und Subjektive zu überwinden und zu übertreffen sucht und es dabei samt seiner Freiheit diskriminiert, dem Objektiven unterordnet und quasi opfert, wenn nicht ganz verneint, nämlich den Menschen selbst in seiner Freiheit und Verantwortung, womit der Mensch zugleich in primitiven Animismus zurückfällt, wie es Prauss Bd 2. ab Seite 90 weiter formuliert, was er am Ende seines 1. Bandes unter „Subjektivität und Intersubjektivität" als seine vielleicht wichtigste Leistung auch begründen konnte:
Bd 2. ab Seite 90: „Das Problem, das hier sich stellt, betrifft nämlich durchaus nicht nur das Handeln, sondern auch noch das Erkennen des Subjekts. Denn auch Erkennen ist ein inhaltlich-bestimmtes doch nur dadurch, daß es gleichfalls irgendwie auf Heteronomie beruht, auch wenn Kant aufschlußreicherweise sie im Fall dieses Erkennens nicht so nennt. Kann auch Erkennen doch ein inhaltlich-bestimmtes nur durch irgendeine Art der ,,Reizung« oder der „Erregung" sein, die im erkennenden Subjekt auf irgendeine Art hervorgerufen wird und die Kant in der Regel bloß als ,,Affektion" bezeichnet.
Doch so weit man sich bisher auch diesem sogenannten ,,Affektionsproblem" bereits gewidmet hat, — das eigentlich darin verborgene Problem hat man bislang noch nicht einmal gesehen, geschweige denn behandelt.
Seine eigentliche Problematik nämlich liegt gerade darin, daß es Handeln und Erkennen des Subjekts ineinem und durchaus nicht nur Erkennen des Subjekts betrifft, wie man bisher vermeint. Denn wie ,,Erregung« oder «Reizung« oder ,,Affektion« ein Fall von ,,Heteromomie« durch ein Objekt, das heißt, durch etwas Wirklich-Anderes als ein Subjekt sein könnte, wird noch weitaus problematischer, wenn Sie dabei den grundsätzlichen Unterschied von Handeln und Erkennen, wie man ihn seit jeher schon mit größter Selbstverständlichkeit zugrunde legt, in Rechnung stellen. Soll es danach etwa von der Seite des Objektes her entschieden werden —dadurch nämlich, daß ein Subjekt durch ein Objekt jeweils theoretisch/praktisch unterschiedlich ,,affiziert" oder ,,gereizt« oder ,,erregt« wird—, ob dies Subjekt auf dies Objekt sich erkennend oder handelnd oder auch erkennend ebenso wie handelnd richtet? Liegt es danach etwa am Objekt als einer Art Subjekt, durch ein spezifisch theoretisches bzw. ein spezifisch praktisches ,,Erregen« oder ,,Reizen« oder ,,Affizieren« auf der Seite des Subjekts spezifisch Theorie hervorzurufen oder auch spezifisch Praxis oder beides? Noch dazu, wo solche Heteronomie doch immer wieder nur neutralerweise in Kausalität bestehen soll?
Spätestens an dieser letzten Konsequenz, die diese ganze Konzeption der Lächerlichkeit preisgibt, werden Sie denn auch in aller Klarheit sehen, was hier eigentlich vonstatten geht: die reine Projektion, und als Erfolg davon: der reine Animismus. Nicht ich selbst, das Subjekt, bin es, was dabei bewegt, nein, etwas Anderes als ich, das Objekt, ist es, was dabei bewegt. Nicht ich bin dafür, daß ich etwas will, die Ursache, nein, etwas Anderes als ich verursacht dies — Objektverfallenheit infolge von Subjektunkundigkeit: zumindest soweitgehend, daß wir uns dabei als die ursprünglich und eigentlich Bewegenden selbst unterschlagen und Bewegung ausschließlich dem Ding als Objekt unterstellen."
- So daß ich z.B als Deutscher in meinem deutschen Handeln, oder ich als Engländer in meinem britischen Handeln durch die zufälligen Landesgrenzen oder ich als Protestant oder Moslem durch Aussagen bestimmt werde, die Propheten oder Theologen im 6. oder 16. Jahrhundert ausgesagt und aufgeschrieben und die irgendwelche Potentaten vor Jahrhunderte für eine Region als gültig festgelegt haben, die ich in der Regel nicht einmal kenne und sie dennoch als meine objektiv Identität empfinde.

Ich, Subjekt, Freiheit und Verantwortung.
Der obige Text von Prauss ist in der Tat der Schlüssel einmal für ein Verständnis dafür, wie solche nur halb verstandene Objektivität und als solche selbst der Glaube, der Staat und jede Kultur zum Kulturkult und zum Götzen werden kann, was zum anderen aber auch für die nur halb verstandene Subjektivität gilt, wobei ersteres als das Problem - auch im gegenwärtigen Diskurs über Faschismus und Leitkultur - erst richtig deutlich wird, wenn wir versuchen, das einzelne Subjekt von Staat, Religion und Kultur zu lösen und davon getrennt als Subjektivität zu betrachten.
Auch hierbei würden wir uns ohne den Prausschen Ansatz zu einem weiteren Schritt am Ende wieder in Widersprüche verlieren, wie sie von Zenon, Plato über Descartes bis zu Kant, Schelling, Hegel Marx und Heidegger eher gefestigt als verstanden wurden und zum Verständnis des abartigen Selbstverständnisses von Faschismus beitragen könnten.
Der sonst ganz normale, demokratische und gute Staat, der im Vergleich zu den vordemokratischen Staaten ein Segen für den Menschen und eine große Verbesserung bedeutet, erscheint natürlich nur von den beiden neuralgischen Schnittstellen zum Subjekt her gesehen, nämlich da, wo sich in unserem Koordinatenkreuz die Senkrechte von der Horizontalen erhebt oder senkt, ausgesprochen negativ wie ein zweischneidiges Schwert, einmal von der konstitutiven, automatistisch funktionierenden und sich selbst erhaltenden Seite, die zudem Menschen einschließt und Andersstaatliche ausschließt und zum anderen von der befangenen, kriminellen und korrupten Seite.
Wegen dieser Schnittstellen sollte man in der Tat täglich für den Staat und die Betroffenen beten.
Diese Problematik gilt eben nicht nur, wo wir das Subjekt gegen jede unstatthafte, mißbräuchliche Objektivierung, Versachlichung, Instrumentalisierung, Unterordnung, Versklavung, Entfremdung und Opferung verteidigend hervorheben. Im Unterschied zu den alten Diktaturen und Aristokratien der vordemokratischen Zeit, wo sich Religion, Staat, Gesetz, Recht und Obrigkeit in Gott, Papst, Bischof, Kaiser, König, Fürsten usw. personifizierten, ist nun zwar theoretisch der Bürger selbst die Obrigkeit, wobei aber der jeweils gemeinsame Modus von Lebens- und Arterhalt wie auch Religion nun schriftlich in der Bibel oder im Koran bzw. in den Gesetzen, Vorschriften und Verboten geregelt und damit objektiv das ist, was wir den modernen Staatsapparat nennen, der sich erhalten muß und den man gebrauchen wie mißbrauchen kann, eben mit zwei menschenfeindlichen Schneiden: Der Mensch, d.h. das Individuum ist staatstreu, angepaßt, Staatsdiener, Steuerzahler, Produktionskraft, Menschenmaterial und nicht nur entsprechend dezisionistisch , wissenschaftlich und statistisch definiert sondern auch entsprechend gebildet, ausgebildet, eingeordnet, abhängig, versorgt, entsorgt und gewertet, - eine objektive Gesetzgebung ist anders nun mal nicht zu machen - und der Staat tendiert mit diesem seinem Eigengewicht d.h. mit seiner anonymen, maschinellen oder digitalen Eigendynamik des Funktionierens zur Normierung des Menschen, was nun mal Entartung ist. Der Mensch ist dabei, wie schon gesagt als besonderes Individuum nur eine kurzzeitige, zufällige Erscheinung unter vielen. Der einzelne Mensch ist weniger als der Staat samt Religion und der Ausländer ist Nicht- bzw Nurmensch.
Das Subjekt wird übersehen, ihm wird mißtraut, es wird geopfert, bzw. als prozentual-tolerables Collateral-damage hingenommen, aufgerechnet, untergeordnet.
Kritik, Reformideen und Widerstand gelten naturgemäß als staatsfeindlich, als Widerstand und Obstination gegen die Staatsgewalt oder jedenfalls als unerwünscht, lästig, anmaßend, frech, unkompetent, weswegen die Legitimierung der freien Presse und das Recht auf freie Meinungsäußerung eines der wichtigsten, wenn auch wohl oder gerade weil am schwächsten definierten Standbeine moderner Demokratie ist, und zwar schon deshalb, weil dabei genau wie bei allen vorherigen Normierungsproblemen, objektive Öffentlichkeit als Macht und Rechts- und Kompetenzlegitimierung ebenfalls über der einzelnen subjektiven, privaten Meinung steht.
Über alle genannten Punkte wie auch über den kriminellen Mißbrauch des Staates, wo Staatsrecht bestochen, ignoriert und gegen das Individuum angewandt wird, dürfte in tausend Büchern alles Wesentliche inzwischen zumindest thematisiert worden sein.

Der Unterschied zwischen echt = subjektiv einerseits und normiert, angepaßt, deformiert = objektiv oder dezisionistisch andererseits wird innerhalb der christlichen Botschaft mit sehr harten Worten deutlich, wenn ich z.B. eine gute Tat tue oder eine schlechte unterlasse aus eigenem subjektiven Bedürfnis, Gewissen und Befinden heraus, was dann echt ist, während ich das Gleiche aus Gründen der Gebote, der Norm, der Gesetze oder der Öffentlichkeit tuen kann, was vor Gott ungültig ist, was aber dem Staat, den Gericht und der Öffentlichkeit genügt. Ob die Kirche, die Öffentlichkeit, der Staat, die Natur, Jesus oder Mohammed, Buddha oder das heilige Buch die Verantwortung vor Gott übernehmen können, ist dabei die eine Frage, ob aber der Mensch die Verantwortung an irgend jemand oder irgend etwas abgeben kann, bleibt dabei ganz in der Verantwortung des Subjekts.
An diesem Dilemma, das nur sichtbar wird, wo sich Gewissen und Staat kontrovers gegenüber stehen, würde sich auch - und erst recht - in einem idealen Staat mit einer idealen Definition des Menschen nichts ändern, wo die Differenz zwischen Selbst und Konvention nur noch undeutlicher würde.

Sicher war dieses Dilemma, das oben durch diesen ersten Schritt an notwendiger Reflexion auf den objektiven Staat deutlich werden sollte, für den Pfarrerssohn Friedrich Nietzsche der Grund für seine scheinbar menschenverachtende Kritik an demokratischen und sozialistischen Systemen und jeder konstitutionell abgesicherten Monarchie, wie auch am braven Kirchenbetrieb, wo unreflektiert scheinbar statt Gott Konvention gepredigt wurde, mit der offensichtlich Gott begraben werden konnte und für viele auch wurde.
Ich beschreibe das Ausmaß der Problematik am Beispiel von „Max und Moritz" unter „www.jesus-und-kirche.de" 3. Teil.

Um aber Faschismus begreifen zu können, müssen wir den zweiten Schritt an Reflexion tun.
Die obige noch immer objektive Kritik am objektiven Staat, bliebe sonst in der Tat nichts weiter als hilfloser Subjektivismus, der einen Ausweg nur im Anarchismus sieht.

Wir müssen in einem nächsten Schritt nicht nur verstehen, wie beide Koordinaten im oder beim Denken zusammenhängen und sich gegenseitig bedingen, sondern auch, wie derart widersprüchlich rauschhaft, eiskalt, unbarmherzig bis zur Selbstaufgabe die Logik des Verhaltens quasi eindimensional absolut wird, wenn man von der logischen Richtigkeit quasi geritten wird, wobei sich dabei zum einen das Ego quasi ins Unendliche und Göttliche zu steigern glaubt, weil es ohne eigene Verantwortung und Zuständigkeit hemmungslos zur willkürlichen Raserei und Rücksichtslosigkeit ausarten kann, wie es aber auch zugleich zur vorbehaltlosen Folgsamkeit und Folgerichtigkeit und Selbstopferung fähig macht. Diese Exessivität kann durchaus aber muß sich nicht mit Schaum vor dem Mund und mit lautem Geschreie und protzigen Hitlerfahnen äußern, sondern kann den Tod oder die Beseitigung, Erniedrigung oder Verneinung von Menschen auch in scheinbar zivilisierter Art einfach nur denken oder auch eiskalt verfügen.

Ohne Zweifel liegt dem Faschismus ein Selbstverständnis zugrunde, etwas Höheres zu erkennen und damit zu sein und anzustreben. Wenn aber Nietzsche seinen Übermenschen eigentlich noch immer christlich gerade jenseits und über der Norm ansiedelt, ist dem Provinzler gerade die objektive Norm das Höhere, die er vielleicht sogar logisch richtig sieht, die er nun gleichsam als das höhere Naturgesetz und die sog. Vorsehung oder Determinate erkennt, anwendet, zu sein versucht und als seine Identität empfindet.

Man wird diese immer mögliche Entgleisung menschlichen Verhaltens natürlich komplexer sehen müssen, mindestens so, wie es in der folgenden Beschreibung nur einer einfachen nichtmenschlichen Bewegung aus einem zentralen Text von Gerold Prauss hier deutlich gemacht werden soll, der natürlich ohne Kenntnis der ganzen Entwicklung der Prausschen Arbeit bis zu diesem Punkt kaum ganz verständlich sein dürfte, was aber Pflichtlektüre in allen Lehranstalten sein sollte:

Bd.1;II. S.917 aus Gerold Prauss „Die Welt und wir", Metzler Verlag
„Dazu vollständig wird ein Subjekt jedoch gerade dadurch, daß es nicht nur sich als jenen subjektiven Raum zu objektivem, sondern auf Grund dessen auch noch sich als jene subjektive Zeit zu objektiver selbst objektiviert, wodurch es folglich als ein Selbstbewußtsein von sich selbst als innerer Bewegung jener subjektiven Zeit dann dieser objektiven auch zugrunde liegt. Und so ist das in solcher objektiver Zeit für ein Subjekt erscheinende Objekt auf Grund von solchem objektiven Raum dann zwar ein Anderes, auf Grund von dadurch auch noch objektiver Zeit jedoch ein Anderes gerade als ein anderes Subjekt und damit als ein objektives Subjekt. Denn als grundsätzlich in objektiver Zeit bewegtes kann ein Objekt - einerlei, ob es in objektivem Raum nun ruhen oder gleichfalls sich bewegen mag - für ein Subjekt aus sich als Selbstbewußtsein innerer Bewegung subjektiver Zeit heraus nur wie ein anderer Fall von sich erscheinen: nur wie andere innere Bewegung und sonach als objektive Zeit und damit objektives Subjekt, dem es selbst als subjektives Subjekt seines vollständig zum Fremd- gewordenen Selbstbewußtseins der Erkenntnis von ihm eben gegenübersteht9. (Anm. 9.: Mit subjektiver Subjektivität, die sich auf solche Weise wie von selbst ergibt, ist somit die gemeint, die jeweils ich für mich bin oder Sie für sich sind, nämlich je als Selbstbewußtsein.)
Kein Wunder also, daß ein solches Abenteurertum dann überall und immerfort zunächst einmal auf Geisterhaftes, ja auf Geister stößt. Entsprechend sollten Sie auch beides, mag es Ihnen seiner Herleitung nach auf den ersten Blick auch noch so ungeheuerlich erscheinen, deshalb nicht sogleich als unglaubwürdig abtun. Diese Herleitung ist nämlich wieder einmal nichts geringeres als die Erklärung für ein bisher unerklärtes Faktum, die wir ernstzunehmen haben, weil sie grundlegend für uns ist. Denn nach allem, was wir bisher wissen, gilt nicht nur phylogenetisch, sondern auch ontogenetisch und sonach in aufschlußreicher Weise übereinstimmend: Ob als phylogenetisch frühes oder als ontogenetisch junges, - jedes Subjekt nimmt zunächst einmal von jedem Objekt innerhalb eines magischen Weltbilds Kenntnis, oder, jedes Subjekt treibt zunächst einmal mit jedem Objekt Animismus.
Dies jedoch heißt überhaupt nichts anderes, als daß jedem Subjekt jedes Objekt auch zunächst einmal als objektives oder anderes Subjekt erscheint, was bisher um so rätselhafter ist und bleibt, als doch durchaus nicht jedes Objekt auch tatsächlich, faktisch, kontingent, will sagen, auch empirisch solch ein Subjekt ist. Vor einem Rätsel stehen hier denn auch gerade überzeugte Empiristen, weil die Lösung dieses Rätsels eben nur ein nichtempirischer Apriorismus sein kann, den sie desto weniger wahrhaben wollen, da er noch viel grundsätzlicher gelten muß, als sie für möglich halten können. Denn aus jenen Gründen, die wir hergeleitet haben, kann nur gelten: Wann und wo auch immer in Phylogenese oder in Ontogenese erstmals ein Subjekt sich bilden mag, - als solches selbst tritt ein Subjekt dabei von vornherein gerade so auf, daß es ein Objekt für sich von vornherein schon immer für ein anderes und damit für ein objektives Subjekt hält. Weil, als ein Subjekt aufzutreten, und, ein Objekt als ein Subjekt aufzufassen, unserer Herleitung nach ursprünglich und notwendig dasselbe ist, tritt ein Subjekt an ein Objekt heran und so als ein Subjekt hervor gerade dadurch, daß es immer schon mit Anirnismus oder mit magischem Weltbild gleichsam vorprescht."
Was Prauss hier allein für ein bewegtes oder ruhendes Objekt beschreibt, gilt natürlich prinzipiell auch für so etwas wie Natur, Vorsehung, Naturgesetz, aber auch für Region, Nation und Staat.
Derart könnte man dem Faschisten wie überhaupt den gebildeten staatstreuen Menschen als ein Opfer der Modernen, der Nation, der Konvention, der Wissenschaft und des Staates sehen, sobald er sich der Modernen, der Nation, Konvention, Wissenschaft und des Staates bewußt wird.
Der nächste Schritt aus solchem reinen Objektivismus heraus zum Subjekt hin liegt bei rechtem Staatsverständnis denn auch in der einfachen, wenn auch weiter in sich widersprüchlichen Einsicht, daß der Staat nur aus Individuen und nur aus Subjekten besteht, widersprüchlich insofern, als das Subjekt durchaus von objektiven Landesgrenzen, von anderen objektiv vorhanden Menschen, deren Sprache und Kultur, deren Verfassung, Staatsordnung und Staatsorganen weiß, was zusätzlich dazu verführen kann, darin einen lebendigen Geist zu sehen.
Dennoch gilt es jetzt konsequent die eigene Subjektivität beim Schopfe zu halten.
Denn jede Verfassung und selbst die Bibel und der Koran wie auch alle Erkenntnisse der Wissenschaften in allen Enzyklopädien der Welt bestehen empirisch objektiv nur aus leblosem Papier und Druckerschwärze und keineswegs aus Weisheit, Wahrheit und höherer Erkenntnis, wie es der Mathematiker und Philosoph Gottlob Frege vor diesen weltanschaulichen Katastrophen des vorigen Jahrhunderts als Warnung in die Philosophie einbrachte.
Lesen, lernen und verstehen geschieht nicht so, als wären fremde Gedanken und Erkenntnisse irgendwie an den Buchstäben festgeklebt und würden irgendwie über das Auge ins Gehirn hineinhoppsen oder als fände in Gesprächen Gedankenübertragung statt. Das Subjekt muß jeden Gedanken selbst bilden. Und dieses gilt auch für Landesgrenzen, die weder von einem Atlas noch aus einer Landschaft als Gegenstände dem Menschen ins Gehirn springen, sondern die das Subjekt bei der Betrachtung der Landkarte selbst denken und verstehen muß, was im Kontext von „mein Land" oder „unser Land" durchaus die Vorstellung von so etwas wie Beseeltes oder Geistiges behält, was für Deutschland einfacher als etwas Zufälliges zu reflektieren und zu versachlichen ist, als z.B. für die britischen Inseln für die Briten, bei denen die Versuchung noch stärker sein könnte, eine sogar organisch zu einem gehörende Wesenheit zu empfinden, wobei es natürlich auch für Groß-Britannien blödsinnig wäre, von objektiv britischem Seewasser, britischer Luft oder Erde zu sprechen.
Das eigentlich Reale von Religion, Staat, Staatsdiener und auch Landesgrenzen besteht nur in den jeweiligen Gedanken, Erkenntnissen und Vorstellungen des jeweiligen Subjekts.
Daß nun nach dem obigen Text von Gerold Prauss der Mensch in dem jeweils Erkannten immer zuerst ein anderes Subjekt, also etwas Lebendiges annimmt und mit der Erkenntnis zugleich Selbstbewußtsein bildet, ist keineswegs eine Fehlleistung, sondern liegt an der Struktur menschlicher Erkenntnis und ist sogar die Voraussetzung jeder Erkenntnis. Es ist also immer eine Frage der Umstände, der erlernten Erfahrung und des Kontext, realisieren zu können oder zu wollen, daß es sich nicht um ein subjektives, lebendiges Wesen, sondern z.B. nur um einen toten Stein handelt.
Die beiden Weltkriege um solche lebenden Grenzen resultierten sicher aus einer Verkettung von tausend zufälligen und einmaligen Umständen, von denen wir noch einige anführen müssen, die zum letzten Jahrhundertbeginn in aller Welt zu faschistischen Strukturen führten, und waren sicher in jener naiven Art und Direktheit einmalig.
Dennoch stimmt die verbreitete These, daß bezüglich Deutschland sowohl das Bewußtsein von Nationalität wie Demokratie neu und ungeübt waren. Man kannte jenes „Gefühl im Bauch" von der scheinbar übermenschlichen Identität eines eigenen Deutschlands - statt als Deutscher Eigentum von irgend einem Potentaten zu sein, zu wenig, um solchen Umstand als nur sachliche Sache schon einordnen zu können. Es genügten ein paar mythische, romantisch vorgefertigte Zuflüsterungen von Germanentum, Ahnenkult, Horst-Wessel-Lied, Fackeln und Fahnen, damit jene „Erkenntnisse" wie Nation, Rasse, Evolution, Sprache usw. lebendige Geister und ganz wörtlich zur tiefen Begeisterung wurden, wie bei Kindern nachts in einer unvertrauten Scheune alle Schatten und undeutlichen Gegenstände zu lebendigen Wesen werden.
Obwohl Hitler und seine Gehilfen sicher auch selbst von solchem Ungeist befangen waren, wurde die Propaganda wie Realisierung dennoch gezielt verschlagen und betrügerisch, wie auch von der höheren Gesetzmäßigkeit herzloser Wolfsnatur und Bestialität überzeugt durchgeführt, so wie sich heute faschistische Jugendliche, Hulligans und Neofaschisten in solcher pogromatischen Meute den Kick holen.

So war obiges dann nur das intersubjektive Grundgerüst für ein Grundgefühl im neuen Selbstverständnis, das mit anderen Menschen gemeinsam und interaktiv als politischer Sprach-, Kultur- und Lebensraum nun plötzlich frei und unabhängig vom jeweiligen besitzenden Herrscher oder Herrschergeschlecht, der oder das es vorher praktisch besaß und beherrschte, einerseits noch um vieles komplizierter, andererseits aber eben etwas Neues, das sich erst mit den Demokratien bilden konnte und ein modernes, noch kaum definiertes Phänomen von „belebter Sachlichkeit" bzw. Ideologie ist und damit einerseits mythischen, geistigen Universalitätsanspruch suggeriert und - wie schon gesagt - andererseits zugleich globale Anerkennung will.
Die Widersprüchlichkeit in unserem Koordinatensystem erklärt sich daraus, daß sich das Subjekt dann eben nicht von jenem gedachten waagerechten Objektsein und Fremdbestimmtsein - wie Evolution, Naturgesetz, Realpolitik usw., - erhebt (wie es aber nur scheint, denn es ist in der Tat nur so etwas wie Spiel, das man mitmacht, wie es Wittgenstein bezeichnet, das jedoch verantwortet werden muß), sondern wobei man sich im Gegenteil zum animistisch belebten bzw. besessenen Objekt macht, Freiheit, eigene Urteilskompetenz und Verantwortung aufgibt (in sich ignoriert), weil das Richtigkeitskriterium nun sozusagen in der objektiven „Natur der Sache" liegt, wobei man sich selbst genauso wie Gott, Natur und Mitmensch - ob Freund oder Feind - nun als neue „aber animistisch begeisterte" Sache, zum künstlichen Götzen macht.
Geschichtlich geschieht mit Renaissance, Humanismus, Cartesianismus, Aufklärung und Buchdruck also die Loslösung des Richtigkeitskriteriums offizieller Lehre von personalen Autoritäten wie Gott, Papst, Bischof, Kaiser, König, Fürsten, Lehrer, Eltern usw.. Man konnte vorher ohne weiteres der Tochter zum Geburtstag ein Dorf samt Einwohner schenken oder sich ein Dorf stehlen bzw. mit Gewalt nehmen. Der Besitzer bestimmte in dieser Übergangszeit vom 16. bis noch zum 19. Jahrhundert, ob man dort z.B. protestantisch, katholisch oder anglikanisch glaubte. Mit den ersten freien Universitäten in Neapel und Paris wird das Richtigkeitskriterium für Wahrheit nun langsam von solchem übergeordneten Subjekt auf das Objekt übertragen bzw. im Objekt selbst gesucht. Das Objekt, wozu nun auch die Bibel gehört, wird nun einerseits als lebendiges Wort der Beweis für objektive Wahrheit und bedeutet andererseits Freiheit von der weltanschaulichen Bevormundung durch die Obrigkeit.
Mit anderen Worten und aus einer anderen Blickrichtung: Das einstige personengebundene Geschenkobjekt, wie jenes Dorf samt offizieller Konfession oder Religion, in dem ganz „natürlich" für die Bewohner jeder „Gegenstand" irgendwie als Behaustsein, als Heim, Sprache, Tradition, Verwandschaft, Verwurzelung und Heimat „lebte", wird mit der Aufklärung - spätestens seit Napoleon mit den demokratischen Ideen zum objektiven Wohn- und Verwaltungsgebiet mit Straßennamen und Hausnummern. Die Romantik entdeckte dann in Auflehnung gegen einen dogmatischen Objektivismus, Empirismus, physikalistischen Naturalismus die Volkskunst der Märchen, Sagen, Legenden und Volkslieder und in jenen auch den einst inoffiziellen animistischen Brei von Aberglauben unter der Oberfläche der jeweils offiziellen christlichen Lehre. Die vielschichtigen Märchen von Feen, Hexen, schönen Königstöchtern und Königssöhnen sind quasi ein Spiel mit jener animstischen Struktur jeder Erkenntnis, die erst mit Gerold Prauss verständlich wird, die wir seit je mit Mummenschanz und Puppenspielen teils genießen und teils auf diese Weise wohl zuzuordnen lernen und abreagieren.
Ich denke, daß ich hier Gerold Prauss sachgerecht extrapoliere, wo er verlautbart:

B.I. Seite 918-919 "Daraus nämlich können Sie sich weiterhin erklären, daß es für ein solches Subjekt dann auch in der Tat zum Drama werden muß, als Subjekt nicht nur anzufangen, sondern auch noch aufzuwachsen, nämlich auch noch fortzufahren damit, jegliches Objekt zunächst einmal als anderes oder als objektives Subjekt anzusehen: phylogenetisch ebenso wie auch ontogenetisch. Denn je danach, ob ihm solch ein Objekt auch tatsächlich, faktisch, kontingent, will sagen, auch empirisch als ein objektives oder anderes Subjekt begegnet, und wenn ja, wie ihm ein solches Subjekt dann begegnet, wird dies Drama zur Tragödie oder zur Groteske oder zur Komödie oder zur Idylle und so weiter, wie aus eigenster Erfahrung jeder von uns zur Genüge weiß, soweit er sich zurückerinnern kann."
Natürlich sind die oft wunderschönen Mythen, Sagen, Legenden, Märchen und auch die moderneren Schauergeschichten vom „Faktor X" sehr vielschichtig, was ich anschließend noch andeuten muß, vielschichtig wie auch die erlernten oder zu erlernenden Kriterien realer Selbst- wie Wirklichkeitseinschätzung, was Prauss oben mit „ „tatsächlich, faktisch, kontingent, empirisch und objektiv" umschreibt, dennoch ist es, wie ich meine, jener unreflektierte animistische Brei, der nicht nur die Faszination jener Märchen ausmacht, sondern in allen Nationalismen Folge eines neuen Weltbewußtseins ist.
Ich denke mit Schauern dabei an diesen animistischen Brei im Selbstverständnis eines normalen kriegsbegeisterten Bürgers in Paris oder Berlin im Jahr 1916, der in einer jeweiligen Schlange von Kriegsfreiwilligen stand, und für den Millionen Tote auf den Schlachtfeldern weder Leid für die eigenen noch Mitleid für die gegnerischen Opfer beinhaltet, weil die sog. naturgesetzliche oder objektive Logik als „französisches" oder „deutsches" Vorzeichen über alle subjektive Bedeutung oder Verantwortung stand.
 
Möbiusschleife Was sich dabei vereinfacht bei beiden Koordinaten quasi als Konkurrenten entgegen zu stehen scheint, wie ich sie im Diagramm vereinfacht darstelle, sind also im konfusen Selbstverständnis wie das Möbiusband ineinander und übereinander verlaufende unterschiedliche und dennoch voneinander abhängige Dinge oder Denkweisen oder Dispositionen. 
Dieser mit dem Nationalismus wiederum objektivierte jeweils subjektive animistische Brei innerhalb dessen, was wir als gemeinsame Lebensform oder als Modus von Lebens- und Arterhalt Kultur nennen, und was als
 „tatsächlich, faktisch, kontingent, empirisch und objektiv" die lebenspraktische Orientierung ausmacht, wurde mit den Weltkriegen zum Kulturkult also doppelt beseelt oder begeistert und instrumentalisierbar. Die Unmenschlichkeit darin, bzw. die in den Weltkriegen allseitig, aber extrem an den und durch die Deutschen demonstrierte mögliche Unmenschlichkeit darin kann uns nur durch die ganz konsequente Reduzierung solches „selbstverständlichen" Selbstverständnisses auf das Subjekt selbst bewußt werden, wie es nämlich unter solches programmatisch animistisches Vorzeichen geraten kann, um es dann auch vermeiden wollen zu können.
Schichten in unserem demokratischen Selbstverständnis.
Þ Der angeborene Lebensdrang als natürliches Sentiment.
Þ Patriotismus als animistisch-persönliches Verhältnis wie oben beschrieben.
Þ Patriotismus im Gerangel als eigene Gültigkeit.
Þ Patriotismus im Gerangel als Veranlagung und Abgrenzung.
Þ Patriotismus im Gerangel als Delegieren von Verantwortung und als delegierte Verantwortung.
Das selbstverständliche Selbstverständnis, das was Prauss „tatsächlich, faktisch, kontingent, empirisch und objektiv" nennt, woran wir uns im Alltag lebenspraktisch orientieren, und das in jeder Nation und dort in jeder Gesellschaftsschicht und auch in jeder Region den eigenen habituellen Akzent hat, so daß man z.B. in einem Dorf in Niedersachsen den „Fremden", der oft nur 20 km entfernt wohnt, an Sprache, Körperhaltung und Reaktion sofort erkennt, darf man deswegen auch nicht verwechseln mit der programmatischen, offiziellen und als objektiv definierten monarchischen, faschistischen oder demokratischen Gesellschaftsordnung und Verfassung.
Konsequent aufs Subjekt bezogen, wird das, was im Lebensalltag als „tatsächlich, faktisch, kontingent, empirisch und objektiv" gilt, genau durch solche Orientierung der Gemeinschaft durch jedes Subjekt zugleich auch hergestellt und damit behauptet, und es wird auch als subjektiv empfunden. Wer jedoch in einer Dorfgemeinschaft dieses nur objektiv als Verhaltensvorschrift nimmt, gilt sehr schnell als Dorftrottel. Und so bedeutet das, was Prauss bezeichnet als „Partner, der ihm so begegnet, daß er seinem Intendieren nicht nur entgegenkommt, sondern geradezu entgegentritt: weil dieses (andere) Subjekt eben umgekehrt als Intendieren immer schon mit Ansprüchen an ihn herantritt;" (Bd.I,II. S.919) bereits vor dem dörflichen Abgrund des Dorftrottels ein unvermeidliches Gerangel um den Eigenwert, in dem sich das Subjekt nicht nur für sich selbst die Orientierung und Gültigkeit des eigenen Verstehens und des Selbstverständnisses sichern muß, sondern dieses dann auch mit der eigenen Gültigkeit als Gültigkeit behaupten muß und mehr oder weniger nach Vermögen strategisch ausbauen kann. Und wie es Norbert Elias in seiner Arbeit „Der Prozeß der Zivilisation" glaubwürdig belegen konnte, steigerte sich der Gültigkeitswert über alle Stände je nach Vermögen zum „Hof" der jeweiligen einst personalen Obrigkeit hin - und zwar als Orientierungsfaktor „höherer" Gültigkeit. Dies galt entsprechend auch für Religion und Klerus - und gilt bis heute und ist gemeint, wenn man von Vorbildern spricht. Für die Weise solcher aktiven Präsenz gibt es denn auch tausend Namen und Umschreibungen mit jeweils unterschiedlicher Wertung und Bedeutung wie "höflich", "hoffärtig", „hoffährig", "Auftreten", "Gehabe", "Charisma", u.ä..
Die Art, wie in diesem vielschichtigen Gemisch von Persönlichkeit universaler Glaube und individueller Aberglaube, wie über Jahrtausende auch langsam cartesianische Aufklärung und Objektivität als Universalienersatz, nämlich als zunehmend globale Gültigkeit heute, und wie Gesetzbuch und Verfassung als nationale und überpersonale Gültigkeiten auftauchen und innerhalb des normalen Gerangels des Alltags Gestalt gewinnen, dies alles sieht objektiv und Schwarz auf Weiß formuliert, wo es z.B. in der Kirchenlehre und Verfassung, im Parlament, in Gericht, Verwaltung, Schule und Forschung programmatisch als regelrechtes Programm geschieht, ganz anders aus, als es subjektiv in diesem vielschichtigen Gerangel des Alltags einerseits und im Verhältnis zum entsprechend selbstverständlichen Selbstverständnis andererseits eine Rolle spielt, und oft genug als reine Rhetorik nur eine quasi künstliche, modische, dekorative wie natürlich auch strategische Identität oder Rolle bzw. pragmatische Leistung von Selbstrepräsentation bedeutet, die man ändern und wechseln kann.
Mit anderen Worten ist die Anforderung, Fähigkeit und Realisation von Emphatie oder von „angemessenem Auftreten" als „dörfliches" bzw. „gesellschaftliches" Existenzgerangel mit der Gefahr, vor sich und anderen der Außenseiter, der „Dorftrottel" oder leerer Opportunist oder Dissident zu werden - als gesellschaftliches, soziologisches bzw. juristisches Phänomen, etwas grundsätzlich anderes als das Verhältnis solcher Selbstrepräsentation zum „selbstverständlichen" Selbstverständnis als ethische, religiöse oder philosophische Frage.
Können hier nicht wiederum objektive von subjektiven Kriterien noch unterschieden werden, wenn wir die „Persönlichkeit" und Verantwortlichkeit verstehen wollen?
Um nur den neuzeitlichen Faschismus und Neofaschismus zu verstehen, wären ohnehin andere Kriterien geeigneter, wie „Einzelmensch und Gemeinschaft", „Staat und Gesellschaft", „Links und Rechts", „Gerechtigkeit und Freiheit", „Kultur und Materialismus", „Moral und Ordnung", „Falsch und Richtig", „Gut und Böse" usw., als unser fragwürdiges Koordinatensystem, mit dem wir Objektives und Subjektives unterscheiden und wo im Bereich subjektiver Befindlichkeit der Faschismus nur ein kleines Segment in den vielen Schichten des menschlichen Alltags bedeutete, während er „objektiv" die ganze Menschheit in Krieg und Chaos stürzte und die Welt derart veränderte, daß solche Entgleisung hoffentlich für alle Zeit als erschreckendes Beispiel für Falsch und Böse gilt. So wäre für das ebenfalls noch unverstandene Problem, wieso für uns ein Mensch Franzose, Engländer oder Deutscher ist und sich auch selbst so versteht, statt daß er ein Mensch ist, der die französische, englische oder deutsche Staatsangehörigkeit, Sprache, Kultur usw. nur hat, an den Kriterien „Ding und Eigenschaft" besser oder überhaupt zu verstehen, was natürlich für alle anderen möglichen Eigenschaften, wie Beruf, Gedanken, Weltanschauung, Körpereigenschaften, Geschlecht, Rasse usw. ebenfalls gilt, wie es ebenfalls Gerold Prauss in seiner Arbeit in besserer oder einzig denkbarer Weise zu denken entwickelt hat.
Die scheinbare unüberwindliche Hauptschwierigkeit und Widersprüchlichkeit mit unserem Koordinatensystem „Subjekt, Objekt"

erkennen wir bereits sofort, wenn wir im Folgenden thematisch vom Objektiven zum Subjektiven des Menschen gelangen wollen und dabei nun das Subjekt, sein Selbstverständnis und gleichzeitig seine Selbstrepräsentation zum Objekt unserer Betrachtung machen, wobei wir bereits sprachlich aus dem Subjekt nun ein Objekt „machen", was unvermeidlich auch zu jener Hypostasierung des Subjekts führen muß, - und im Normalfall ja auch soll, wenn sich dieses eben nicht auf das tatsächlich Objektivierbare bezieht.
So müssen wir in der Reflexion auch alles durch unsere Analyse wie durch dessen Selbstanalyse „Gemachte" am Subjekt, also seine beschreibbare Repräsentation seines Selbstverständnisses vom letzteren, also von Selbstverständnis selbst unterscheiden, womit wir in diese unvermeidliche grundsätzliche Denkschwierigkeit geraten, weil wir nun alles, was auch wir selbst „objektiv" aussagen, bereits zum Objekt machen, was der Mathematiker Bertrant Russell bei seiner Kritik an den Gottesbeweisen des Heiligen Thomas von Aquino als eine Reihe ohne möglichen Anfang bezeichnet, als die er als Beispiel - wahrscheinlich mathematisch richtig - die Reihe der negativen ganzen Zahlen anführt, die mit minus eins endet, was für Russel logisch bedeutet, daß mit solchem Argument nicht für alles ein objektiv erkennbarer bzw. notwendiger Anfang und Urbeweger existieren müsse, wofür man Gott oder den freien Willen des Menschen bzw. das rein Subjektive des Subjekts einsetzen müsse. (Bertrand Russel: Philosophie des Abendlandes, Europa-Verlag, Seite 472).
Dieses Argument gilt sicher für alle Zahlenwertreihen, die im Koordinatensysten von Null aufwärts oder Abwärts beginnen: der unendlich kleinste Wert, ob plus oder minus, wird sich immer weiter teilen und deswegen niemals nennen lassen und nur gegen Null tendieren und niemals beginnen.
In der Tat wäre dann ebenfalls das Subjekt derart empirisch gar nicht feststellbar, sowenig wie die Freiheit einer menschlichen Absicht wie auch die Göttlichkeit des Urbewegers.
Mathematisch gesehen ist in der Tat die senkrechte Achse unseres Koordinatensystems, die wie als die Wirklichkeit des Subjekts nehmen wollen, überall auf der Horizontalen des Objektiven gleich Null, wo immer wir also etwas über das Subjekt aussagen.
Und so müssen wir das, was seit je, explizit seit Aristoteles über die islamischen Philosophen den Perser Avicenna (Ibn Sina, 980-1037) und den Spanier Averroes (Ibn Rushd, 1126-1198) , über Thomas und Anselm bis zum Beginn der Renaissance, bis Duns Scotus 1265-1308 und Wilhelm von Occam [1290(1300?)-10. 4. 1349(1350?)] als Grund und Ursache alles Seinenden dem objektivierten Subjekt eines Gottes und im Alltag bis heute der guten und bösen jeweils objektiven - und als Schuldfrage- oder -antwort - der freien Absicht des Menschen zugeschrieben wurde und wird, als selbstverständliches Selbstverständnis von der nominalistischen, der späteren cartesianischen, materialistischen und empiristischen „aufgeklärten" Haltung als philosophische Selbstrepräsentation unterscheiden, die argumentativ und empiristisch ganz konsequent dann auch einen nicht beweisbaren Gott ablehnt und theoretisch auch die Willensfreiheit und die eigene Subjektivität ablehnen oder bezweifeln könnte und vielleicht sogar tut, aber im Selbstverständnis natürlich nicht einmal die Handlung des Schreibens ausführen könnte, ohne an die Möglichkeit einer solchen freien Absicht und deren Ausführung glauben zu können.
Da wir Menschen nun mal von einem existierenden Ich als dem Subjekt und einem existierenden Nicht-ich als dem Objekt ausgehen und beides seit je logisch miteinander verbinden, demonstrieren die Schwierigkeiten, die wir mit unserem Koordinatensystem haben, zugleich die Schwierigkeiten, die wir Menschen seit je mit uns selbst, mit Gott und der Welt haben. Denn jeder heutige Atheist wird der christlichen Entwicklung unvermeidlich vorwerfen, warum denn auch die Christen und gerade die Christen sowohl unter dem christlichen Vorzeichen wie z.B. während der Kreuzzüge  und der grausamen Gedankenkontrolle der Inquisition des Mittelalters, wie dann auch unter dem nichtchristlichen Vorzeichen des Nationalismus - aber doch gerade der frommsten Nation - derart schrecklich versagen konnte.
Ehe ich denn auch auf die grundsätzliche durchaus positive Veränderung im Denken eingehen kann, die sich mit der Christianisierung vollzog, sei denn vorweg die Hauptschwierigkeit in diesem Subjekt-Objekt-Verhältnis kurz genannt, das in unserem Denken ja auch nach der Christianisierung erhalten blieb. Obwohl es in der Form von Animismus vor der Christianisierung so eine Art Vermischung von Subjekt und Objekt gab, bleibt dennoch mit unserem Koordinatenkreuz nicht nur die Frage Plus oder Minus, sondern auch die Frage ob Subjekt oder Objekt in fast digitaler Vereinfachung und Radikalität jeder anderen möglichen Graduierung übergeordnet, - wie sie uns heute wieder bei der Problematik der Genforschung und Abtreibung begegnet. So wie es bei den Nazis keine Gewissensfrage mehr war und höchstens eine Nervensache, ob man mit rechtlosen, d.h. mit als rechtlos erklärten Menschen auch Experimente zu Forschungszwecken machen dürfe, so stellt sich diese Frage nun angesichts von menschlichen Embryonen, die gesetzlich „zurecht" abgetrieben und in den Müll geworfen werden dürfen, - ob man sie dann nicht auch industriell verwerten dürfe.
Hier hat Deutschland geradezu die Pflicht, nicht nur zu zögern, Grenzlinien des Erlaubten zu ziehen und sich zu verweigern und die bestehenden vielleicht etwas schwierigeren Alternativen demonstrativ zu fördern und zu favoritisieren.
Denn es gehört zu der zentralen wie auch schwierigen Frage der Gottwerdung des Menschen wie der Menschwerdung Gottes, daß die positive Antwort und Bejahung des Subjekts von der Horizontalen sowohl nach Plus wie nach Minus sofort bis zum Unendlichen reicht wie uns auch das Objektive der Welt in die Unendlichkeit zu denken zwingt. Keine Frage, daß ein Mensch mit dem Selbstverständnis vom eigenen Unwert auch zu einer Mißachtung des Mitmenschen neigt.

Und es ist gerade das Selbstverständliche des Subjektiven, weswegen weder Aristoteles noch Newton und Kant und leider auch Marx und Lenin von dem ganz offensichtlich ja Subjektiven des Einwandes von Zenon gegen die Verläßlichkeit unserer Logik verunsichert wurden, die wir als zusätzliche Dimension bei der Konstruktion einer Möbiusschleife benutzen, wie auch bei dieser Konstruktion eines Koordinatensystems, das in allem eher nur wie ein Beweis gegen sich selbst funktioniert.
Die Problematik unseres Koordinatensystems von „Subjekt und Objekt", dessen Kategorien aber real das Denken des Abendlandes seit Beginn bis heute bestimmt, bestünde also theoretisch darin, daß wir alles, was wir über das Subjekt aussagen können, zugleich als Objektives vom Subjekt abziehen müßten, wie es Descartes (1596-1650) wohl als erster explizit mit der Ausklammerung aller Attribute bis zum letzten konsekutiven cogito auch durchführte, während es implizit von Beginn des abendländischen Denkens an schon immer geschah.
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In der Entwicklungsgeschichte des menschlichen Selbstverständnisses hat sich nach meiner Überzeugung mit der und durch die Christianisierung etwas Grundsätzliches in der Akzentuierung verändert, das wahrscheinlich zuerst durch die Selbstverständlichkeit der Kirchenlehre und dann durch die Konfrontation mit ihr übersehen wird, was ich in meinem bereits angeführten Brief an Rudolf Augstein auch nachzuweisen versuche (siehe „www.jesus-und-kirche.de" 3. Teil.), und was sicher sehr kompliziert ist und graphisch dargestellt etwa so aussähe:

daß also das Subjekt nicht mehr vom Objektiven, von der Welt und dem Weltlichen und von der Repräsentation her gesehen und beurteilt wird, sondern umgekehrt und bekehrt das Objektive vom Subjekt und vom Schöpfer her. Künstlerisch oder bildlich gesehen wird das Kreuz von der Waagerechten in die Senkrechte aufgerichtet, wodurch sich erst diese Koordinaten voneinander als grundsätzlich verschiedenes auch unterscheiden lassen.
Die grundsätzliche Veränderung, Bekehrung, Wiedergeburt, Vergöttlichung (Joh. 10;34) aber auch Weltsicht, Weltanschauung, bedeutet, daß vorher der Mensch von seiner Repräsentation aus verstanden und bejaht wurde und nun die Selbstrepräsentation wie auch die Welt vom Selbstverständnis aus beurteilt und gemessen wird. Es ist als Veränderung ein Hochseilakt quasi ohne empirisches Netz und ohne empirisches Seil.
Als Vergleich kann man dazu den Idealstaat von Plato anführen, in dem der Mensch von der Repräsentation zum Selbstverständnis gelangt, bzw. gelangen sollte, was nur eine Katastrophe - schlimmer als jeder Faschismus - geworden wäre und werden würde, wogegen bereits im Gottesstaat von Augustinus, aber auch als das Grundkonzept jeder modernen Demokratie - und zwar selbstverständlich - das Gegenkonzept angestrebt wird, in dem die Selbstrepräsentation bzw. die Selbstverwirklichung vom Selbstverständnis ausgeht.
Der deutsche Faschismus war der Form nach ganz sicher ein Rückfall, wie jeder Faschismus ein Rückfall bedeutet, was aber ganz unvermeidlich zur Katastrophe im Handeln und zur Lächerlichkeit und Unglaubwürdigkeit in der Selbstdarstellung führen muß. Mit einfachen Worten heißt dies, daß man von Landesgrenzen, von Sprache, Reichtum/Armut, von Religion und Kultur als „objektive Realität" auf sich und andere, d.h. auf den Menschen und auf ein Selbstverständnis kommt, und nicht umgekehrt.
Diese Veränderung als Entwicklung des Abendlandes geschah nicht programmatisch. Vom Glauben her sahen Augustinus und Thomas Plato und Aristoteles quasi nur spiegelverkehrt, wobei die Grammatik, die Logik und auch der Mensch in seiner möglichen Gutheit bzw. Verschlagenheit von Subjekt zu Objekt unverändert blieb und wobei diese Entwicklung von jedem Individuum nachvollzogen werden muß.
D.h. bis zum Ende der Scholastik ist solches Selbstverständnis als Urteilskriterium für Richtig und Falsch der Selbstdarstellung durchaus religiös-mystisch als und in der oder durch die Person Jesu bzw. als Christ derart, daß auch Pythagoras, Plato und Aristoteles so gelesen wurden, als hätten auch jene vom Selbstverständnis her über Gott und die Welt ausgesagt. Erst im 18 Jahrhundert wird auch quasi grammatisch und programmatisch das Objekt - statt von der naiven Dingverfallenheit aus, sondern grundsätzlich die Bedeutung des Objekts auch für das Subjekt erkannt.
In der Tat ist die Fähigkeit des Subjekts, etwas zu objektivieren, nämlich ein Objekt als Nichtich überhaupt wahrzunehmen, eine gewaltige Leistung der Natur, wodurch eben nicht nur das Bewußtsein von einem Selbst als ein Nichtding und Nichtobjekt möglich wurde, wie es Prauss einsichtig nachweist, sondern womit das Subjekt als Möglichkeit wie „Gegenstand" auch der Selbsterkenntnis und der Selbstverantwortung überhaupt erst besteht. Aber wie die Verknüpfung des Möbiusbandes und die Aufrichtung des Koordinatensystems zu einer Horizontalen und Vertikalen nur in der zusätzlichen 3. Dimension des Raumes geschehen kann, was wir nur als Hilfsbild für das Verhältnis von Subjekt und Objekt benutzen, so war und ist eine Umorientierung des Selbstverständnisses als Blick und Urteil vom Subjekt auf das Objekt und auf die objektive Selbstdarstellung des Menschen - statt umgekehrt - nur über die zusätzliche Dimension des Göttlichen möglich.
Und wenn als Einwand ein Atheist eine solche höhere Dimension als eine göttliche auch ablehnen kann, so kann er behelfsmäßig von einer ethischen ausgehen. Natürlich begegnet mit der allgemeinen Christianisierung oder Islamisierung wieder die ganz „natürliche" Struktur von Allgemeinheiten, wie wir sie in Sprache, Sippe, Volk, in allen Religionen und Nationen vor und nach Christi samt allen Schichten und Verschlagenheiten antreffen. Aber wie schon Paulus in der 1. Generation nach Christi Geburt die grundsätzliche Veränderung zur „natürlichen" Religiösität und dem „natürlichen" Animismus wie in Römer 1;V.25 reflektiert und damit selbst noch das ethische Gewissen solcher Umorientierung der Denkdisposition unterordnet, wenn er feststellt, daß es gilt, nicht mehr die Geschöpfe des Schöpfers sondern den Schöpfer anzubeten, dann meint er nicht den logisch gefolgerten Urbeweger oder Demiurgen, sondern ein eigenes neues Verhältnis zur Welt und auch zur Präsentation und zum Tun des Menschen und zwar eben vom Subjekt, von Jesus, vom Christsein vom Glauben her. Man kann Jesus als zufällige Erscheinung zur rechten Zeit und zur rechten Situation mit der richtigen Richtung für ein bestehendes allgemeines Bedürfnis als zufälliges Medium einer neuen Religion abtun und selbst die Verbreitung, die offizielle Christianisierung mit staatlichen Verordnungen und gewaltsamen Bekehrungen begründen, dennoch installiert sich mit ihr diese neue Disposition, in der allerdings das Subjekt zwar das Ziel der Botschaft aber selbst eben nicht Programm und Objekt sein kann.
Aber auch, wenn man bestreiten will, daß solcher Dispositions- oder Paradigmenwechsel ein Thema von Ethik und Gewissen war, sondern daß es dabei nur um einen regelrechten Kungel oder ein Geschäft ging, und zwar um die Lieferung von gutem Verhalten im Diesseits gegen Lohn und Vergütung im Jenseits, wobei vor 2000 Jahren der Glaube an die Existenz des Außer- und Übersinnlichen auch jenseits des Todes ganz selbstverständlich war, dann war und ist und bedeutet die Aufrichtung, bzw. das Neue des Glaubens dennoch eine Wendung, die über das Empirisch-Objektive des Alltags hinausgeht und es einerseits mit dem Jenseits, dem Übersinnlichen oder Transzendenten unlösbar verquickt und den Menschen in seiner Wertungsdisposition auf das Subjektive selbst des rein Gedanklichlichen und der Absichtlichkeit zurückwirft. Dabei beruht der christliche Glaube keineswegs auf eine vorhandene reine Lehre. Selbst diese verkürzte Christologie als Analyse geht ja bereits wieder vom objektiven Geschehen am Menschen oder in der Gesellschaft aus und könnte bestenfalls eine Christlehre sein, die mehr oder weniger verneint oder dogmatisiert werden müßte, aber nicht zum Christsein führen könnte. Natürlich ist weder das Subjekt noch Gott die rechnerische oder logische Unendlichkeit in einem Koordinatensystem.. Das reale Geschehen einer menschlichen Situation kann auch nicht innerhalb des Koordinatensystems liegen.  Im Gegenteil ist Christsein ein genau davon befreites Menschsein und ist grundsätzlich persönliche Erfahrung, wenn auch  deren Erkenntnis, Mitteilung und Formulierung in der jeweiligen Zeit und im jeweiligen Kontext von objektiver wie subjektiver Zuordnung stattfindet. Und natürlich ist diese eine für unsere Analyse recht zweckmäßige und deswegen verkürzte Sicht des christlichen Glaubens, mit der solche Wendung der Sichtweise zugleich als jederzeit erlebter Wissensvorsprung nachvollziehbar werden soll, der weniger im Sinn von neuer Information über den Menschen empfunden wurde und schon gar nicht vergleichbar wäre mit heutigen Informationen aus Wissenschaft und Forschung, sondern ist praktisch nur die Aufforderung zu einer immer und in jedem Augenblick möglichen und notwendigen Wende oder Besinnung, womit sich zugleich das Gefühl von neuer Kompetenz, Allwissenheit und sogar Allmächtigkeit wie zugleich die Erkenntnis von entsprechend weitgehender Unzulänglichkeit, Unsauberkeit und Schuld verbindet, - eben weil verantwortlich seit Kain - selbst für das Geschehen während der Kreuzzüge und der Inquisition, was nur von einem eben auch eigenen Selbstverständnis heraus zu verstehen ist.
Erst von dieser grundsätzlichen Position als Selbstverständnis oder Erfahrung aus aber kann nun das diesseitige, empirische, von jeder animistischen, jenseitigen Eigenbedeutung gereinige Objekt innerhalb einer sicher beschämend langsamen Entwicklung einerseits Gegenstand von Wissenschaft werden, andererseits aber zunehmend selbst als subjektives Konstrukt unserer Erkenntnis entlarft werden, womit spätestens seit Kant ein noumenaisches, ganz unreligiöses Jenseits auch für den Wissenschaftler selbstverständlich wird, das jedoch zu unserer Wahrnehmung eine für Berechnungen weitgehend stabile und keineswegs spiritistische oder mystische Relation besitzt, die zu formulieren sowohl Wissenschaft wie zugleich Selbsterkenntnis ist.
Dieses Noumena, das praktisch nur dem empirisch Wahrnehmbaren, bzw. Meß- oder mathematisch Berechenbaren zugewiesen wird, und zwar wissenschaftlich-philophisch, in dem nach Einstein „Gott nicht würfelt" und auch keinen freien Willen hat oder benutzt, kann oder muß sogar- und zwar als operationale Arbeitsdisposition - ignoriert werden, und es ist nicht mehr - oder nur bedingt - mit dem spekulativen Noumena Platos vergleichbar, das jener mit seinem Höhlenbeispiel umschreibt. (Bei Plato ist allerdings jener Entwurf eines Jenseits nur ein mehr zufälliges Beispiel, das er benötigt, um das Verhalten der Menschen zu illustrieren.) Als existentiale Aussage wäre diese Disposition allerdings Dingverfallenheit und Empirismus und eine neue Form von Animismus, wie sie Prauss nachweist.
Im wesentlichen wird dabei jener Zusammenhang von sozialer Allgemeinheit, bzw. von allgemeiner Übereinstimmung in der Wahrnehmung mit der extensiven Allgemeinheit aller Dinge und aller möglichen Welten übersehen.
Dies ist eine in der Tat ärgerliche und mehr als studentische, nämlich modische Entgleisung von aufgeblähter sog. Aufklärung, mit der das Subjekt in dreifacher Weise diskriminiert und sogar verneint wird: zum ersten wird damit auch dem Subjekt der freie Wille und zum anderen die Kompetenz individueller Erfahrung und Meinung abgesprochen.
Und letztlich ist die peinliche Erfahrung, die wohl jeder machen muß, der sich fürsorglich mit Assozialen beschäftigt, ein gutes Beispiel auch für das Gerangel im Wissenschaftsbetrieb, daß nämlich ein Strauchdieb denjenigen regelrecht "als Dorftrottel" verachtet, der ihn ernst nimmt und zwar, weil er ihn ernst nimmt, was in den Augen des Strauchdiebes nur ein Zeichen von Unwissenheit, Dummheit oder Verschrobenheit sein kann, weil er sich selbst für unwert hält, und worin jener nun seine Chance sieht, den Fürsorger zu übervorteilen, zu betrügen.

Die Auswahl der Bücher des Neuen Testamentes unter hundert anderen wäre unter einem anderen Aspekt auch gar nicht zu erklären. Man ging bei der Beurteilung von Richtig und Falsch von der eigenen Erfahrung, d.h. vom eigenen Selbstverständnis als Christ aus.
Dieses wird für Augstein und alle Atheisten vielleicht wie eine ungerechtfertigte Finte aussehen, das Christentum zu verteidigen. Mag für jene dann eben nicht Jesus sondern der Glaube an ihn oder die Glaubenden dafür ursächlich sein, der jenen veränderten Blick auf die Welt bewirkte. Dennoch wechselt mit der Zeitwende auch Platonismus und zunehmend der Aristotelismus über Paulus, Philo, Plotin und Augustin zu solcher Subjektivität, die letztlich auch in der empiristischen und empirischen Wissenschaftlichkeit die „eigene" tatsächliche Erfahrung und Erkenntnis über jedes andere Wahrheitskriterium stellt, auch wenn diese Subjektivität dann als „meßbare Wahrheit im Objekt" oder als objektive Wahrheit ausgegeben das erkennende Subjekt wieder ausklammert.
Die gewaltige Wucht des Wissenschaftlichen, Künstlichen und Machbaren der Modernen, die sich nicht nur in der Technik sondern durch die Revolutionen in Amerika und Frankreich, durch die Bismarksche Staatsgründung demonstrierte, wie eben zugleich auch die Vorbildfunktion vormaliger Obrigkeit nun in der Hand des normalen Menschen und läßt dabei den Menschen wieder zum Objekt des Subjekts werden, was sich hypostatisch in Natur, Vorsehung, Titanik und Faschismus mystifizierte und rechtfertigte. All das, wodurch sich also ein Hitlerjunge, ein Parteigenosse, ein SS-ler wie der einfache Soldat durch die Uniform, durch die Nation, durch die militärischen Siege nicht nur aufwertete sondern auch von anderen gewertet wurde, müssen wir als objektive Applikationen also vom Subjekt trennen, das sich nur damit aufwerten will, was in ganz Europa und nicht nur bei den Deutschen jener Zeit eine regelrechte lächerliche Pest war.
Im selbstverständlichen Selbstverständnis bleibt damit ein Mensch als Subjekt übrig, der nicht Erlösung, sondern solche Applikationen notwendig zu haben glaubt.
Dieser einfache Schluß hat sicher auf alttestamentarische Art seine Richtigkeit und Plausibilität, wenn der Faschismus derart als Verlust der christlichen Werte und als Rückfall in Barbarei verstanden wird und beides sowohl als Ursache wie als Wirkung oder Strafe zugleich gelten müßte, wobei aber nicht verständen wäre, wie der Mensch, der gottlose ebenso wie der gläubige, der ungebildete wie auch der gebildete dabei sowohl Subjekt wie Objekt einer gesellschaftlichen Erscheinung werden kann. Denn ohne Zweifel waren sowohl fromme Menschen wie Atheisten sowohl für wie auch gegen solchen Wahnsinn und sowohl Täter wie auch Opfer.
Wenn wir dabei von einem Problem der christlichen Zivilisation sprechen, müssen wir die Frage, wie oben begonnen, in der problematischen alltäglichen wie philosophischen Logik unserer Koordinaten Subjekt-Objekt zumindest zuende denken, wobei wir aber in jener alttestamentarischen Vereinfachung in einem Teufelskreis bleiben.
Auch ganz untheologisch können und müssen wir im Hintergrund der Entwicklung über das Mittelalter bis zur Gegenwart den Juden Jesus verstehen, der aus seinem Selbstverständnis heraus, d.h. in eigener Kompetenz das uralte mosaische Gesetz einerseits und das Handeln des Menschen generell beurteilt. Mit seinem Tod gibt er solche Kompetenz an jeden Menschen weiter, - also ganz unabhängig davon, ob er diese Entwicklung vorhergesehen oder gewollt hat.
In der ganzen abendländischen Geschichte, soweit wir darin eine geistige und politische Entwicklung sehen wollen, führt sowohl auf der Seite der Kirche wie auch auf der Seite der weltlichen Macht in dem Gerangel „Macht durch Legitimität" und „Legitimität durch Macht" mit der Renaissance und bezeichnender Weise mit dem Cartesianismus, Jansenismus und mit Luthers und Calvins Reformation auf dem Kontinent und bes. in Frankreich die dogmatisierbare Seite der Selbstdarstellung und Konfession zu den Hauptschwierigkeiten und zu den schrecklichsten Kriegen seit Menschengedenken, was ja keineswegs nur eine formale sondern immer bereits eine Identitäts- und Glaubensfrage war, während sich bezeichnender Weise auf den britischen Inseln mit dem kleineren Volumen an Allgemeinheit, das konkret nur aus dem kleinen Club weniger gebildeter und mächtiger Lords, Bischöfe und Hofschranzen bestand, - auch durch die natürlichen Grenzen, und der deswegen leichter durchzusetzenden Allgemeingültigkeit und Konfession die Kompetenzfrage hauptsächlich mit dem Selbstverständnis stellte. In elitären England war in der Tendenz Staat und Kirche, wozu dann auch das ungebildete Volk wie das Vieh zählte, im Selbstverständnis weniger als der Mensch; mit der Kehrseite allerdings: der Adel war mehr als der gemeine Mensch. Auf dem Kontinent reichte Staat und Kirche mit Papst und Kaiser bis in den Himmel und war an Bedeutung mehr, auch als die jeweiligen Personen, die jene Ämter besetzten und mehr als das Individuum in seinem Selbstverständnis. So waren Dogmen, Regeln, Ordnung, Konfession und Common-sense bis in den Wortlaut hinein für das Subjekt von Heilsbedeutung - mit der gleichen d.h. entgegengesetzten Kehrseite, daß damit auch die gepredigte Buße und christliche Lehre, daß es auf Absicht im Selbstverständnis und nicht auf die Darstellung ankomme, ein Kriterium allgemeiner Gültigkeit blieb, weswegen der Entwicklungsprozeß philosophischer und theologischer Erkenntnis auch weit komplizierter verlief als auf den Inseln.
Der Vergleich der unterschiedlichen philosophischen Entwicklungen von Insel und Kontinent ist sicher noch ein weites und interessantes Thema, so entspricht der philosophische Gott Descartes, der über den Jansenismus zum Deismus der Aufklärung führt, der Erfahrung und Beobachtung animistischer Grundstruktur jeder Erkenntnis, die erst Prauss als Teil der Vorstellung auch begründen kann, der aber nicht der wirkliche Gott Jesu ist, - wenn auch vielleicht in der allgemeinen Frömmigkeit mit jenem verschmolzen, während Berkeleys Gott zwar eine eigene Existenz als Subjekt hat, der aber jenseits der Wahrnehmung und Erfahrung existiert und wie alle heidnischen Götter der Vorzeit das Ergebnis rein „logischer" Folgerung ist. Deutlich machen soll dieser Vergleich jedoch, daß sowohl solcher Vorrang des Selbst- und Gottverständnisses auf der Insel wie der Vorrang der Selbst- und Gottdarstellung bezüglich der Allgemeingültigkeit auf dem Kontinent womöglich sehr objektiven und sogar geographisch klassifizierbaren Kriterien unterliegt, was uns verführen könnte, auch das Subjekt selbst und nicht nur sein Selbstverständnis als Produkt seiner Verhältnisse zu sehen.
Jeder fühlt, daß hier die Lösung des Problems des Subjektiven im Verhältnis zum Objektiven „irgendwie" auf der Hand liegt und deswegen vielleicht auch ohne Belang ist, was uns zu leichten provisorischen Schlußfolgerungen verführen kann, so wie unsere Vorfahren das Gottproblem mit der allgemeinen animistischen Erfahrung zusammen und additiv bei dem Zufalls des Gewitters und den mächtigen Geräuschen des Donners und den erschreckenden Blitzen mit der lauten Stimme eines großen und launischen Gottes Donar begründeten, nach dem bis heute unser Donnerstag benannt ist.
Wir finden sicher tausend Belege, daß der jüdische, christliche und islamische Gott mit ähnlichen Argumenten begründet wird.
In der Frage aber, ob und wie unser Nationalgefühl mit unserem Selbstverständnis und mit einem Gottverständnis über vielleicht ganz objektive Kriterien zusammenhängt oder nicht, sollten wir nach den gemachten Erfahrungen weder leichtsinnig additiv noch negativ mit einer Antwort spekulieren.
Die philosophische aber monotheistische Gottesvorstellung von Berkeley ist sicher eher kompatibel mit dem jüdischen, christlichen und islamischen Gott. (Aber es finden sich natürlich auch viele Gegenargumente.) Aber so könnte man z.B. die vielen Nationalgrenzen innerhalb der Kontinente als Versuch deuten, die Inselsituation nach britischem Vorbild zu imitieren, um über diesen Weg zu einem eigenen monotheistischen Gott zu kommen, - mit dem Schönheitsfehler, daß nun jede Nation ihren „eigenen" Gott als „eigene" Identität  bejaht und im Kriegsfall gegen die andere Nation zu mobilisieren sucht, - wie es absurder Weise bis in unsere Zeit hinein geschieht, wenn wir an Nordirrland, den Balkan und an Palästina denken.
Ähnlich vereinfacht wäre der Vergleich falsch, wenn wir nationale Identität mit dem Eigentumsgefühl begründen, das wir Demokraten heute der einstigen despotischen Obrigkeit unserer Länder nur nachmachen oder nachempfinden, die sich historisch allesamt irgendwann den „Besitz", sei es England, Rußland, Polen, Frankreich, Italien oder Deutschland in Hab- und Machtgier geraubt, gestohlen, ergaunert oder es dann geerbt haben und es in Hab- und Machtgier mit samt den Menschen als Fauna und Objekte verteidigten. Faktisch und objektiv falsch insofern, als dann der Nationalismus und jede Macht und Habgier auch innerhalb der Demokratien und nacharistokratischen Diktaturen nicht echt und in kitschiger Weise nur nachgemacht und damit ein Gefühl nach Vorbild seien.
Aber wenn auch nicht nachgemachtes Besitzgefühl oder nachgemachte Habgier ist Nationalgefühl oder Patriotismus dennoch etwas ähnliches wie echtes Macht- und Besitzgefühl und vielleicht auch wie echte Habgier, - aber dennoch in ganz anderer Weise, als es jene Despoten im Zusammenhang mit der Macht über ihr Reich und die Menschen dort und gegenüber anderen Machthabern empfanden oder äußerten, denn es war mit persönlichem Anspruch, Egoismus und Bedürfnis verbunden, wie immer die mittelalterlichen Despoten und der Adel ihre Position rechtfertigten. Eine weitere Ähnlichkeit unterstreicht aber auch den grundsätzlichen Unterschied zwischen jenem Macht- und Herrschaftsbedürfnis bzw. jener Macht- und Herrschaftsgier und dem elitären Anspruch der Aristokratie einerseits und dem Patriotismus und Nationalismus innerhalb der späteren Demokratien andererseits, nämlich Ähnlichkeit insofern, als in beiden Fällen Wert und Selbstverständnis des Subjekts von objektiven äußeren Dingen abhing, von der Größe und dem Reichtum des Landes, von der militärischen Stärke und nicht zuletzt von kulturellen Vorzeigeinsignien und prächtigen Bauten, wobei ich den Unterschied jener Machtprotzerei, Gier und Eitelkeit der Despoten, Fürsten, Könige, Kaiser und auch Päpste zum Nationalismus oder Patriotismus aller Einwohner einer Demokratie, was uns heute allen ganz „selbstverständlich" dünkt, und was wir weniger negativ als Gier sondern eher positiv - aber mit ähnlichem Bedürfnis und Lustgefühl - fast als Idealismus empfinden, am Beispiel des 30jährigen Krieges und einer heutigen Fußballweltmeisterschaft deutlich machen möchte. Allerdings sind für das hier gleichgesetzte Gefühl diese Begriffe „Idealismus", „Patriontismus" und „Nationalismus", die wir dabei mit unserer Identität und unserem Selbstverständnis in Verbindung zu bringen pflegen, heute längst überholt, und können höchstens als Kontrastbegriffe das Merkwürdige daran verdeutlichen, das mit der Entwicklung in den vergangenen Jahrhunderten diese Begriffe zu einem Anachronismus werden ließ.
Das selbstverständliche Gefühl, das man bei der Fußballweltmeisterschaft für die eigene und gegen die andere Mannschaft empfindet, findet man auch je nach dem ob man katholisch ist für die katholische und wenn man protestantisch ist für die protestantische Seite, wenn man heute spielerisch und folkloristisch die einzelnen Schlachten des 30jährigen Krieges nachstellt, wobei die einst hochphilosophischen und theologischen berechtigten Thesen der Reformatoren auf protestantischer Seite und die keineswegs unberechtigten hochphilosphischen und theologischen Argumente der katholischen Gegenseite, was damals natürlich bereits von machtpolitischen und ganz andere Kriterien überlagert waren.
In der Regel geht es beim dem Fußballspiel nicht um Richtig oder Falsch, Recht und Unrecht der eigenen oder anderen Mannschaft, sondern um rechtmäßig erzielte Tore und um den Sieg der eigenen Mannschaft, dabei kann man dieses selbstverständliche Gefühl fast wie eine Sucht genießen, das ich selbst genieße, und wofür sich mancher sogar einen neuen Fernseher kauft und Urlaub nimmt, was ich auch gar nicht verurteilen will, und wobei es dem Zuschauer eben nicht um Geld oder um materielle Vorteile geht, obwohl genau mit diesem Gefühl viele Millionen Dollar umgesetzt werden, die aber gar nicht das Ziel des Fußballspiels und ganz außerhalb von den Medien und Firmen umgesetzt werden, wofür das Ergebnis des Spiels sogar unwichtig ist.
Dieses selbstverständliche Gefühl, das ich im Folgenden „das Sentiment" nennen möchte, hat bei den Fußballspielern wie bei den Zuschauern der jeweils „eigenen Mannschaft" bei einer Fußballweltmeisterschaft durchaus etwas mit dem subjektiven Selbstverständnis zu tun, denn man versteht sich als Deutscher, Türke, Franzose oder Italiener, wenn man für die eigene Mannschaft den Daumen drückt oder klatscht oder Hurra ruft. Und ich gehe mal davon aus, daß dies gleiche Sentiment auch existiert oder wach ist, wenn auch wesentlich schwächer, wenn wir uns heute einen Film über den 30jährigen Krieg anschauen oder die Kriege in historischen Schauspielen nachspielen. Ich als Protestant empfinde mit der protestantischen und bin noch immer dankbar für die schwedische Seite, und ein Katholik fühlt wahrscheinlich für die päpstliche und kaiserliche Seite und für Wallenstein und Tilly, die damals den rechten Glauben oder zumindest einen gemeinsamen Glauben erhalten wollten.
Es geht nun darum, dieses Sentiment zu verstehen.
Weil dieses vielschichtig und in der Tat schwierig ist, bezeichnet man das undifferente Sentiment vergleichsweise, um bestimmte Kriterien zu betonen, manchmal als etwas Subjektives und Passives als „Bewegtsein" und manchmal eher als etwas Aktives und zugleich gesellschaftliches als „Bewegung", wenn man z.B. von der nationalen, sozialistischen Bewegung oder den konfessionellen Bewegungen im 16. Oder 19. Jahrhundert spricht, was zumindest die differentere Vorstellung von wohin, woher, warum und wodurch noch beinhaltet, wie wir zu anderen Aspekten für den Nationalismus tausend weitere Begriffe wie „begeistert", „beseelt", „besessen", „befangen", „verbohrt", „beflügelt" usw. finden können, die man je nach Bedarf benutzt.

Und genau in diesem Sinne gilt es hier das Sentiment im Vereins-, National- oder Konfessionspatriotismus als etwas zu verstehen, das sowohl durch etwas passiv mit dem Menschen wie auch als etwas aktiv durch das Subjekt und 3, in einer bestimmten Weise geschieht, wenn z.B. der Franzose für diese und der Deutsche für jene Mannschaft empfindet. Ich habe dazu 9 verschiedene Icons entworfen, von denen wir uns jeweils das Passende aussuchen können.

Vielleicht wird es Prauss noch gelingen, auch logisch-synthetisch bis zu solchen komplexen Strukturen oder „Situationen" des Menschen oder der Subjektivität vorzudringen.
Aber wir können uns als Hilfsvorstellung, und ich hoffe mit etwas Humor, einmal denken, daß es der Physiologie gelingen würde, ein bestimmtes Hormon ähnlich dem Adrenalin zu finden, das zu solchen Gelegenheiten im Hirn oder Rückenmark erzeugt wird und dann in unserem Blut kreist. Mit genau solchen Vorstellungen, daß man dieses dann sogar künstlich herstellen und damit sogar Patriotismus evtl. medizinisch verabreichen könne, wie man früher vor schwierigen Schlachten kräftig Alkohol verabreichte, um den Todesmut der Soldaten zu steigern, fragt sich natürlich, wie wir es versuchsweise als theoretische Denkhilfe einmal annehmen können, ob es dann für jeden der tausend möglichen Parteien ein je besonderes Hormon gäbe, d.h. für die Deutschen ein deutsches, für die Franzosen ein französisches Frankreichhormon, für die Kosovo-Albaner ein Kosovo-Albaner-Hormon; für die Protestanten ein protestantisches und die Katholiken ein katholisches, und für Hertha BSC ein Berliner und für den HSV ein Hamburger Hormon usw., oder ob es bei allen eher wahrscheinlich das gleiche Patriotismushormon wäre, das, wie bei Hunden mit dem Zugehörigkeitsgefühl - zu wem auch immer - , nur die jeweilig zufällige, durch Geburt, Erziehung oder Wohnort gegebene genetische, geographische oder theologische Zugehörigkeit emotional verknüpft, verstärkt oder determiniert.

Um zu verdeutlichen, daß wir es zwar vielleicht bei jenem Hormon nur mit einer theoretischen Denkhypothese zu tun haben, nicht aber bei jenem Gefühl, sollten wir uns vergegenwärtigen, daß bei und mit Olympiaden, bei und mit Fußballweltmeisterschaften und auch bei Kriegen ganz abseits vom eigentlichen Geschehen auf dem Sport- oder Kriegsplatz viele Millionen und vielleicht Milliarden Dollars umgesetzt werden, die weder die Krieger noch die Fußballspieler noch die begeisterten Fernsehzuschauer bekommen, die also auch nicht gekauft oder bestochen sind, für die die Veranstaltung sogar mehr als nur ein unterhaltendes Fest, sondern ein regelrechtes Bedürfnis ist, wobei sich aber die Millionen und Milliarden durch die objektive Realität und Berechenbarkeit des Gefühls dann in Form von Zuschauer- und Einschaltquoten und von kalkulierbarem Konsumverhalten ergeben. Es sind Kräfte, mit denen seit je Geld verdient und Politik gemacht wird, aus denen Kulturen und Religionen bestehen, wie ich noch nachweisen will, und mit denen Sonntagsredner Vergnügen bereiten und Demagogen jonglieren und Unheil anrichten können, wenn sich die Betroffenen dessen nicht rechtzeitig bewußt werden.
Was Konrad Lorenz, (geb. 1903) bei jungen Graugänsen mit Experimenten dieser Art ermittelte, wäre also einerseits etwas biologisch Objektives und unterläge als Gefühl für eine bestimmte Nation, Konfession, Religion oder Fußballmannschaft dann gar nicht subjektiver menschlicher Entscheidung und Verantwortung, weil sich die Zugehörigkeit durch Geburt, Erziehung oder Wohnort ergibt. In den Kontinentalkriegen hätten danach dann Franzosen für Frankreich und Deutsche für Deutschland sterben müssen, wenn Krieg war.
Allerdings unterlag andererseits die Entscheidung, ob Krieg oder ob man mit dem jeweiligen Patriotismus friedlich nebeneinander leben wollte, der durchaus subjektiven Ansicht und Verantwortung der ehemaligen Potentaten oder der später demokratisch gewählten Präsidenten.
Also auch mit einer solchen einfachen Definition von Patriotismus wäre das Problem nicht einfach. Das Schwierige daran ist, wie schon gesagt, das Selbstverständliche am selbstverständlichen Selbstverständnis eines braven und treuen Patrioten.
Daß man aber braven Patriotismus, falschen Fanatismus und die problematische Voreingenommenheit auch ohne Tabletten, Hormone und Alkohol bereits durch geschickte Agitation, Propaganda, Rhetorik und Regie erzeugen oder steigern kann, und daß danach die „Agitierten" zu Sinn und Unsinn, zum Guten wie zu Unmenschlichkeiten bereit sind, zeigt die Geschichte und zeigen einschlägige Experimente.
Wenn man aber auch dabei weiter von der Existenz irgend eines Hormons als Erzeuger des Gefühls oder von sonst einer Eigenschaft unseres Nervenkonstüms ausgehen will, das dann so ähnlich wie ein Sexualhormon im Körper durch erotische Erzählungen oder Bilder angeregt, erzeugt oder gesteigert werden kann, dann gehört es jedenfalls teilweise zu den relativ objektiven Attributen des Menschen.
Eine weitere ähnliche Objektivität als scheinbar eigene Schicht in diesem patriotischen Selbstverständnis eines modernen Demokraten ist gerade wegen der Selbstverständlichkeit nicht weniger problematisch. Es ist das Land oder die Stadt, auf das oder auf die ich stolz bin. So sehr auch das Vaterland oder die Heimat bei der Objektivierung hypostasiert, d.h. fast animistisch verpersönlicht und zum Subjekt, Übermensch oder zu einer Art Gott gemacht und als solches vielleicht empfunden wird, so lassen sich Grenzen und Lage ja doch objektiv abstecken. "Für dieses Land, für diese Stadt, für diese Fußballmannschaft schlägt mein Herz", sagt man.
Interessant und aufschlußreich und als Einsicht für den Frieden kommender Jahrhunderte wohl die Voraussetzung ist nun der Vergleich des nationalen mit dem konfessionellen bzw. religiösen Patriotismus. Bei Letzterem scheint gerade durch den Patriotismus so etwas wie eine Versachlichung und Verdinglichung des eigentlich Geistigen oder Göttlichen zu geschehen, wenn wir patriotisch vom Protestantismus, Katholizismus oder vom Islam sprechen, wobei die geographische Ausbreitung zwar ganz sicher auch eine Rolle spielt, was aber im wesentlichen durch eine Funktion des Gemeinsamen der Lehre und Organisation eine quasi objektive Realität bekommt, die auch bei der Funktion der Sprache, ganz gleichgültig welcher Sprache - wenn nur „meiner" Sprache, so auch „meiner Konfession", „meiner Religion" eine fundamentale Rolle spielt, wie ich auch von meiner Nation, meiner Heimat, meiner Kultur usw. - aber auch von meinem Körper wie von einem objektiven Gegenstand spreche.

Deutlich wird die Denkproblematik beim Selbstverständnis, (also dabei, das Subjekt und Subjektive aufzuspüren,) am einfachsten und neutralsten am Beispiel der Sprache, wenn ich mir die Kontradiktionen
„Sprache besteht durch Sprechen." Und „Sprechen besteht durch Sprache."

auf ein Möbiusband geschrieben denke, wobei sich dann auch die unterschiedlichen Koordinaten Subjekt und Objekt immer auf der gleichen Seite und damit als das Gleiche zu befinden scheinen. Hierbei würde dann auch ein ständiger und unendlicher Wechsel in der Disposition der Selbstwertfindung und der Verantwortlichkeit stattfinden, was ich oben in der anderen Zeichnung zu veranschaulichen versuchte, und was dann dort wie eine Wellenlinie oder Frequenz erscheinen würde.

Um dieses nochmals zu verdeutlichen und als Denkproblem darzustellen können wir uns das Verhältnis von Rang und Uniform im Militär vorstellen, wobei ich ehrlicher und noirmaler Weise über den Rang zu einer richtigen Uniform gelange und nicht umgekehrt, so daß in unserem Thema ein richtiges und ehrliches und damit auch realistisches Verhalten als Selbstrepräsentation vom wahren subjektiven Selbst und vom wahren subjektiven Selbstverständnis her entsteht, statt daß umgekehrt mein wahres, subjektives Selbst als Verantwortlichkeit von den „objektiven" äußeren Umständen, von Hormonen, Nationalgrenzen, Konfessionen, Sprache und Kultur bestimmt wird. Ich kann weder als Christ noch als Individuum einer modernen Demokratie die Verantwortung für z.B. Tötungen und Verbrechen, die ich begehe, einem Hormon oder einer objektiven Sprache, Nation, Konfession, Religion oder Kultur zuordnen oder zuschieben , - selbst wenn ich dann im Alltag oft umgekehrt mein Selbstvertrauen und Selbstverständnis von der objektivierten Selbstdarstellung, also von der Uniform, von dem Ritus religiöser Tätigkeit und Gemeinsamkeit, vom jeweiligen Wohnort, von objektiven Grenzen usw. gewinne - und nur mühsam und sogar widerwillig und erst über eine oft nur heimlich vollzogene Selbstbesinnung und Reflexion zu einem normalen Verhältnis zu mir selbst zurück finde..


(ab hier in Schicht1 neu formuliert)
Es gilt als Christ, Moslem, Buddhist, Hindu und als Mensch in einer modernen Demokratie oder Staatsform als Angehöriger oder Nichtangehöriger der einen oder anderen Nation oder Religion immer zu einem normalen Verhältnis zum eigenen Selbstverständnis zurückzufinden.
Denn auch wenn es ein solches Patriotismushormon, Enzym oder ein Patriotismusgen gäbe und selbst wir es mit einer objektiven physischen Eigenschaft des Menschen zu tun hätten, - was ja anzunehmnen ist - , so gibt es im Unterschied zum dressierbaren Tier beim Menschen jedoch auch diese subjektive Seite, die zumindest in der Verantwortlichkeit für das eigene Tun besteht, - in welchem Namen, unter welchem Befehl und unter welcher Flagge und Religion auch immer solch ein Eifer zu einer unverantwortlichen Selbstvergessenheit führt, was Unmenschlichkeit nun mal ist.
Zu diesem Selbst, das dabei vergessen wird und zu solchen Unmenschlichkeiten vergangener Jahrhunderte führte, gehören, wie wir noch sehen müssen, noch weitere Schichten, und wir wissen, daß es diese quasi objektive Berechenbarkeit des Wahnsinns war und ist, die auch zu den nicht minder unmenschlichen Gegenreaktionen führte, so daß in diesem Teufelskreis auch oft nicht mehr auszumachen ist, was Aktion oder Reaktion war, wobei man die Schuld gewöhnlich zurecht oder unrecht dem Unterlegenen zuschob und den Sieger rechtfertigte, bis der Unterlegene seine Chance wahrnahm, auf die er im Gefühl von Unrecht oder Unterlegenheit lauerte, den Spieß umzudrehen.
Natürlich begann dieses nicht erst mit dem europäischen Kolonialismus und den Gegenbewegungen.
Es ist keine Frage, und es ist mit jeder der bestehenden großen Religionen auch zu belegen, daß der Mensch auch für die Schuld aus solcher Dummheit und Selbstvergessenheit verantwortlich ist, und erst recht natürlich, soweit solche Schuld einsehbar ist. Es ist nur Blasphemie anzunehmen, daß Gott solchen gegenseitigen Terror wolle und gutheiße, und geschehe er auch auf beiden Seiten in Gottes Namen.
Wie man solchen Wahnsinn beendet und überwindet, wobei die Einsicht des Wahnsinns zur Entwicklung und Emanzipation des Menschen gehört, kann in meinem kurzen Statement endgültig, und zwar als eine Selbstverständlichkeit erst deutlich werden, wenn wir neben den weiteren Schichten unseres Selbstverständnisses auch diese objektive wie subjektive Abhängigkeit des Menschen vom Gemeinsamen und Allgemeinen bei Namen genannt haben.
Angesichts der Eskalation der Gewalt in Israel und Palästina heute, sei hier vorweggenommen, daß in den Religionen Sinn und Zweck von Meditation und Gebet weit über das hinausgeht, was wir täglich als Selbstbesinnung und Selbstreflexion benötigen, um Mensch statt Unmensch zu sein
Dennoch wäre es ganz weltfremd und wäre nur ein Zeichen mangelnder Selbsterkenntnis im Selbstverständnis, wollte man die Wechselwirkung zwischen diesen beiden „objektiven" Gefühlskriterien, also dem, was wir „Hormon" nannten und dem, was sich als geographische, soziale und genetische Zuordnung objektivierte, einerseits, und dem selbstverständlichen Selbstverständnis andererseits leugnen; daß also z.B., wie im Militär vielleicht am deutlichsten, ein Mensch durch sein Auftreten, sein Selbstbewußtsein, sein Vermögen und seine Fähigkeiten zu einem Rang und dadurch zu einer Offiziersuniform kommt, wonach andererseits umgekehrt Rang und Uniform auch das Auftreten, das Selbstbewußtsein und sogar Vermögen und Fähigkeit beeinflußt. Ich denke, solche Einsicht dürfte im 21. Jahrhundert Allgemeingut sein. Übersehen wird jedoch weithin, weil etwas schwieriger zu denken, die mehrfache Relation dessen, was hier als Rang bezeichnet ist. Ich will es mal allgemeiner als Gültigkeit bezeichnen, die man einerseits innerhalb der eigenen Gemeinschaft, und als Mitglied einer solchen mit dieser Gemeinschaft andererseits heute in der Weltgemeinschaft hat. Dieses Gefühl von Rang und Gültigkeit, das wir bereits auf den beiden Ebenen oben regelrecht objektivieren konnten, sollte man deswegen keineswegs nur als Schwäche oder als lächerliche Eitelkeit sehen, - wozu man neigt, wenn man „selbst sicher" ist, und einen festen oder sogar höheren Rang, d.h. eine höhere Gültigkeit zu besitzen glaubt, wozu der Europäer noch immer neigt. Denn genau dann übersieht man leicht, in welcher Art und Weise und in welcher in der Tat oft lächerlichen bis unmenschlichen Art und Weise man selbst dabei seinen eigenen Rang- bzw. Gültigkeitsvorsprung behauptet und verteidigt, was man dem jeweiligen Gegenspieler als lächerlich bis unmenschlich ankreidet und verwehren möchte. Diese Art und Weise im Bereich der sog. objektiven Kriterien, in dem wir immer auch von den objektiven Kriterien her zu einem Selbstverständnis kommen, funktioniert bis heute und regelt in der Tat - und zwar bis heute leider wohl noch immer unverzichtbar - auch die zivilisierte Gemeinschaft auch unserer Gegenwart nach solchen „objektiven" darwinistischen und als empirisch d.h. als realistisch gedachten Regeln der Hackordnung auf dem Hühnerhof, die alle - ob in der Familie, ob einer Firma oder ob in Verwaltung oder Staat - eine faschistoide Komponente enthalten. Es wäre ganz weltfremd, solches zu bestreiten, ob man dies nun als gesunden Ehrgeiz im Konkurrenzkampf bezeichnet, als Charisma oder als Führungsqualität.

Ich denke, daß genau hierzu das weltweite Fernsehen, so schlecht es auch sein möge, einen entscheidenen und wertvollen Beitrag zur allgemeinen Entwicklung und Abstimmung zivilisierten Verhaltens dabei und damit zu einer globalen Sozialisation leistet, in der Unfairneß und Unmenschlichkeit nicht mehr als klug, großartig und Zeichen der Überlegenheit, sondern als Makel, häßlich und minderwertig dargestellt und empfunden wird.
Es sind dort gerade die oft primitiv und holzschnitzartig herausgearbeiteten Standartsituationen, an denen man das Verhalten anderer in dem Affenstall des alltäglichen Gerangels durchschaut und sich zugleich entsprechend auch in der eigenen Lächerlichkeit durchschaut weiß, wobei das gemeinsame Bedürfnis, aus solcher Lächerlichkeit herauszukommen, zu einem Emanzipationsmotor wird.
Ich denke hier dabei weniger an die formalen alten oft lächerlichen Insignien, Orden und Kleider- wie Verhaltensregeln, wodurch geregelt wird, wer sich nach einem bereits entschiedenen Gerangel vor dem anderen auf die Knie und in den Staub zu beugen hatte, was erst in der vierten Schicht Thema sein soll, sondern an die innere Selbsterniedrigung des Verlierers. So stellte sich die Theologie in den abrahamäischen Religionen vor tausend Jahren Gott als den Sieger in diesem Affenstall auch als entsprechend protzig vor, wie man Gott in einem eigentlich der liebsten und schönsten Dichtungen der Bibel als eitlen und heute lächerlichen Protz beschrieben findet, der bereits deswegen recht hat, weil er donnern und blitzen und Ungeheuer kreieren kann (Kap. 38). So stellte sich der Mensch früherer Zeit auch göttliche Großartigkeit als reinen Despotismus vor.

Und so gilt es, - und das dürfte heute ebenfalls und dennoch der Standart eines zivilisierten Verhaltens sein, - daß man in dem alltäglichen Gerangel zwischen Menschen und ihren Rängen, zwischen Dörfern, Städten, Ländern, Rassen, Konfessionen und Religionen, was eben immer auch eine objektive, wenn auch zufällige Zugehörigkeit beinhaltet, wo immer jene Wertestruktur in solcher Korrelation eines ständigen Wechsels das Urteilen und Beurteiltwerden und ein entsprechendes auch patriotisches Verhalten bestimmt, das auch auf diesen „objektiven" Fakten beruht, wie Kleidung, Rang, Geld, Macht, Ansehen usw., wie es nun mal zur menschlichen Natur gehört, daß man also als zivilisierter Mensch - wenn schon nicht als Christ oder Moslem - dennoch ganz selbstverständlich auch dieses Treiben vom subjektiven Selbstverständnis und von subjektiver Verantwortlichkeit her versteht, daß man in diesem noch unvermeidlichen Gerangel auch zu diesem Gerangel einen ethischen Abstand behält und z.B. nicht mehr über Leichen geht.
 

 Diese Graphik zeigt mit der Frenquenz nicht mehr nur das Gerangel selbst, sondern, wie wir in diesem Gerangel, mit dem sich wie auf dem Hühnerhof und wie im Affenstall die Hack- und Rangordnung im Alltag regelt, auch regelrecht ein- und untergehen können, und daß diese notwendige und mögliche Distanz zu sich, d.h. der Blick vom reinen Selbstverständnis aus zu dem sich in der Selbstdarstellung verlierenden Selbstverständnis ein übergeordnetes Selbstverständnis erfordert und daß dies möglich ist und als Zivilisiertheit und menschliche Qualität zum weltweiten Standard gehört.
Ob wir hierzu Meditation oder Gebet oder dabei nur die gelegentliche einfache Besinnung benutzen, nämlich auf das, was wir tun und von uns denken, bleibt jedem überlassen.
Das Übernationale und selbst Über- oder Außerreligiöse solcher modernen Sozialisation kann man sich daran vergegenwärtigen, daß z.B. die ethische Grundhaltung Jesu wie auch die von Gandhi, Martin Luther King oder Mandela ganz unabhängig von jeder Theologie durchaus von allen großen Religionen in allen Regionen und von der Allgemeinheit der Welt als Sozialisationsbestandteil akzeptiert ist, womit im Falle Jesu zwar die Exklusivität zu den christlichen Religionen und Konfessionen oder im Falle Gandhis die zu den hinduistischen relativiert und vielleicht geschmälert wird oder für das jeweils private Denken sogar aufgehoben ist, nicht aber deren ethische Gültigkeit und Allgemeingültigkeit als Orientierungsnorm.
Diese bewußt damit kontrastierende drastische und negative Beschreibung des Gerangels als Kampf im Affenstall um den jeweiligen Rang oder auf dem Hühnerhof um die jeweilige Hackordnung wähle ich mit Absicht als Unterscheidung von obigem, um die empirische, objektive, quasi angeborene Natürlichkeit als Gegensatz zu dem eigentlich verantwortlichen Subjekt Mensch zu unterstreichen, das wir ja herausfinden wollen.
Ob Hormon oder natürliche Veranlagung, von beidem könnten wir natürlich niemals Verantwortung einklagen, und beides könnte niemals Verantwortung übernehmen, während wir vom Subjekt erwarten müssen, daß es - im Gegensatz zum Tier - auch für dies ganz Natürliche seines Verhaltens die Verantwortung übernimmt. Alles andere wäre gerade in solchem „natürlichen" Aufgehen oder Untergehen, sei es im Beruf, in der Politik, in der Partei oder im Militär, sei es in nationaler, konfessioneller oder religiöser Parteinahme beim Menschen nichts anderes als Realitätsverlust im Sinne von „tatsächlich, faktisch, kontingent, empirisch und objektiv" als soziale Isolierung und Selbstverlust, und eben offensichtlich asozial und verantwortungslos, sei es eine Parteinahme für eine Partei, Religion oder für Gott.
In der Natur wie beim Menschen findet seit je und bis heute in diesem und durch dieses Gerangel auch die Kompetenzauswahl im Sinne von Qualifizierung und Qualitätskriterien also nach den obigen drei Kriterien oder Schichten statt, worauf es sich dabei immer zu besinnen gilt:

1.  wie oben umschrieben mit der Vorstellung einer geradezu animistisch hypostasierten Bedeutung von Amt und Würden,
2.  durch jenes Sentiment - als Ehrgeiz oder Strebsamkeit und
3.  mit diesem meist funktional als Loyalität verstehbaren Sprach-, Gemeinschafts-, Betriebs-, Nations-, Konfessions- oder auch Religionspatriotismus
als gesellschaftlicher bzw. beruflicher Kampf oder gesellschaftliches bzw. berufliches Gerangel, wobei sich auch recht „natürlich und objektiv" Fähigkeit von Unfähigkeit zu einer Position herausstellt: eine Führerpersönlichkeit kommt auf einen Führerposten und der loyale Funktionär auf einen Funktionärsposten.
Und ganz „natürlich" entscheidet in dem Gerangel oft mehr die Fähigkeit zum Rangeln, wozu durchaus auch bildungsmäßige Qualifizierung oft mehr als bildungsmäßige Qualität gehört und in allem auch Rhetorik und gekonnte Selbstdarstellung oft mehr, als daß auch diese subjektive außerberufliche, außerkonfessionelle, außernationale Vernunft und Kompetenz und entsprechendes Verantwortungsbewußtsein und Gewissen gefordert wäre, was im Gegenteil „naturgemäß" oft eher als unloyale Unzuverlässigkeit und Subjektivität, als Subjektivismus und Sektierertum ausgeschieden wurde und leider noch immer wird.
Zur absurden Normalität gehört dabei leider, worauf ich später noch ausführlich eingehe, daß die errangelte Position dann auch als Ausweis fachlicher Kompetenz und als Wahrheits- und Gültigkeitskriterium angesehen wird.
Dieses „Natürliche" im Menschen ist in Form von Ehrgeiz, Kampfgeist und Erfolgsstreben dennoch sicher Antriebsmotor von Handel und Wandel und damit jeder Zivilisation - und auch der Globalisierung und der Entstehung einer weltweiten Sozialisation - nicht zuletzt natürlich über die allzu natürlichen Kriterien bei der Partnerwahl und Familiengründung, die tief in die genetische Dimension von Existenz- und Arterhalt hineinreichen, die ihrerseits als „natürliches" Vorzeichen, nämlich als das Vorrecht des Stärkeren auch in Wahrheits- und Rechtsaussagen in einer zivilisierten Welt immer mit dem anderen Vorzeichen der Verantwortlichkeit als anderer, nämlich der ethischen oder sozialen Dimension konfrontiert ist.
Die globale Sozialisation.
Diese Vorstellung einer globalen Sozialisation, die längst über alle Sprachräume, über die Religionsrivalitäten, über Nationalismen, Rassen- und Klassenkampf hinausreicht, die in und mit den politischen Reaktionen von Teng Hsiao-p’ing und Gorbatschow und weiter von Jelzin, Putin und Jiang Zemin auch weltpolitisch akzeptiert, akzentuiert und realisiert wurde und wird, bedeutet für die Theologien der verschiedenen Religionen ohne Zweifel eine problematische Trivialisierung. Die Peinlichkeit der hinterhältigen Morde, Brandlegungen und Grabschändungen in Deutschland durch die Neonazis, die beschämende Peinlichkeit der Geschehen in Ruanda, Jugoslawien und jüngst in Indonesien, was in der Tat alles zusammen auf dem Niveau primitiver Kopfjäger stattfindet, ist als Sünde vor Gott natürlich etwas anderes denn als Blamage von asozialem Verhalten und asozialem Niveau und fehlender Zivilisation und Kultur vor der Weltöffentlichkeit. Nicht nur im Islam und im Bereich des Hinduismus wird dieser Prozess als Verwestlichung und zugleich als Verfall der Sitten und des guten Anstands gesehen, sondern eher noch bei den einfachen Gemütern in Politik und Medien gerade des Westens und gerade in der Bundesrepublik.
Denn gerade Letztere übersehen beflissen und noch unter dem Vorzeichen des kalten Krieges, daß jener Westen erst durch die Weltkriege und dann mit der Peitsche einer ständigen Revolutionsgefahr zur ethischen, d.h. menschenwürdigen Vernunft untereinander und gegenüber anderen Völkern, Kulturen und Religionen gebracht wurde, und genau diese einfachen Gemüter in Politik und Medien werden als Merkmal einer neuen Zeit wohl kaum die westlichen Probleme wie Arbeitslosigkeit einerseits und andererseits die Freiheit anführen, nun ohne Probleme Atheist, Buddhist, Moslem oder Mitglied der KPD oder PDS werden zu können, sondern werden als Freiheit eher an die sexuelle Libertinage Prostitution, Promiskuität, Homosexualität, Rock und Miniröcke denken, und daß nun jeder mit jedem ungestraft fremdgehen darf.
Und es sind sicher gerade diese einfachen, d.h. primitiven Gemüter im Westen, die sich derart nicht nur als Sieger des kalten Krieges sondern auch als Sieger über alle Religionen und andere Kulturen wähnen und damit keineswegs Sieger der Vernunft sind, und die mit solchen Ansichten eine „antiwestliche", aber eben auch eine antiglobale Reaktion und damit auch die verständliche Gegenreaktion in Form von religiösen und kulturellen Provinzialismus schüren, im Ausland, innerhalb anderer Kulturen und Religionen wie nicht minder im eigenen Nest.
Und es ist beschämend für jeden Christen, daß ausgerechnet christliche Fundamentalisten auf dieser Welle mitreiten und von einem Sieg christlicher Werte reden und dann derart auch verstanden bzw. mißverstanden werden.

Es sind nicht nur die westlichen Sextouristen jeder Art, die derart Aids in der Welt verbreitet haben, sondern auch die familienfeindlichen Sexideologen jeder Sexart und jeden Geschlechts, die derart als Prediger der „Natur" des Menschen statt der Vernunft und Verantwortung des Menschen schon mehr Männer, Frauen und Kinder auf ihrem Gewissen haben, als Hitler in seinem Wahn, mehr als alle Kreuzzüge und Hexenverbrennungen, - wenn im Unterschied zum Faschismus auch ungewollt, dennoch unendlich viel grausamer, was mit einem bedauernden Achselzucken verdrängt wird.

Der Quantensprung an Emanzipation der Menschheit, sowohl ethisch wie im sozialen Gemeinschaftsbewußtsein besteht nicht im Sexerlebnis und auch nicht durch dieses, wie es ganz vordergründig irre Phantasien scheinen lassen wollen. Schon rein physisch hat sich da wenig verändert. Dennoch gilt es zu verstehen, wenn ein uraltes, stolzes Kulturland wie Persien nicht das billige Bordell des reicheren Westens werden will.

Am leichtesten gelingt einem der Blick wieder auf die und damit der Zugang zu den wesentlicheren Kriterien, die unser modernes Bewußtsein bestimmen, dessen wir uns auch innerhalb der Religionen bewußt werden müssen, vor denen die Verwerfungen, die wir in den verschiedenen Variationen von Sexismus, Faschismus, Nationalismus, Rassismus, religiösen Fundamentalismus und rücksichtslosen Kapitalismus wie entmündigenden Sozialismus erleben mußten, als Entgleisungen erscheinen, wenn wir uns unsere kleine und von uns bereits geschädigte Erde von einem Sateliten aus gesehen vorstellen.

Theologisch und ganz menschlich-ehrlich bei der anstehenden analytischen Selbstbesinnung, die keiner der bestehenden Religionen erspart bleiben und nicht Verlust des Glaubens bedeuten kann, müssen hier wohl die Christen vorangehen. Ich denke, daß dazu unendlich wertvolle Vorarbeit bereits im vorigen Jahrhundert geleistet wurde, was ich hier nur andeuten kann (Siehe im Internet die Namensliste einschlägiger Autoren am Ende meines Vortrages). Dabei gilt es den Weg von der Gegenwart zurück über alle Verwerfungen auch der Vergangenheit bis zum Ursprung unseres Glaubens einerseits und aller Formen andererseits zurückzuverfolgen und zu verstehen, die sich im Laufe der Jahrhunderte standartisiert oder verbegrifflicht haben, d.h. wie müssen uns Jesus ohne künstliche Verklärung mit unserer Bildung und sozialen Umwelt samt Geschichte in unserer Gegenwart denken, wobei wir die Wahrscheinlichkeit denken müssen, daß er weder als Papst oder Bischof, noch als Pfarrer oder angestellter Religionslehrer sondern überall an jeder beliebigen Stelle eines Menschen leben würde, woran wir uns die Verwerfungen wie aber auch die Werte innerhalb unserer christlichen Welt veranschaulichen können und müssen. Wie schon gesagt, bedeutet solche Vorstellung keineswegs eine Trivialisierung unseres Glaubens, wenn wir dies im heutigen Bewußtsein einer Legitimität für jeden und zwar jeweils jeder für sich tun und nicht mit dem Anspruch einer Autorität für andere. Denn ob im Glauben oder ob bei dem alltäglichen Gerangel, sei es um Rang, Geld oder Sexualität, können wir die Verantwortung weder auf jemand oder etwas Formales, Geschriebenes, Traditionelles oder Regionales, noch auf etwas Genetisches abladen, noch können wir die Verantwortung von anderen übernehmen wollen. Selbst wenn wir eine originale schriftliche oder irgendwie akustisch konservierte Anweisung von Jesus, Buddha oder Mohammed ganz persönlich geschrieben oder gesprochen vor uns hätten, wäre dort, sehr vereinfacht, vor unseren Augen oder Ohren quasi empirisch nur Papier und Tinte oder die Frequenz von Tönen, die immer erst von jedem persönlich in eigener Kompetenz und Verantwortung gedacht, verstanden und geglaubt werden müßte, wie es Max Black und Gerold Prauss deutlicher nicht machen konnten.
Ist dieses nun aber nicht die Vergewaltung jeder Kultur mit einer radikalen Sense, mit der ich jegliche Verbindlichkeit auch zwischen Menschen verneine, sei sie schriftlich, mündlich, vertraglich oder eben unvereinbart selbstverständlich, wie sie zwischen modernen Menschen unserer Zeit bestehen sollte? Und sind nicht Tora, Bibel und Koran das einzig Gemeinsame und Verbindliche im jeweiligen religiösen Bereich der Schriftreligionen, und ist nicht das Landesgesetz und das bürgerliche Gesetz die Grundlage für eine objektive Gerechtigkeit überhaupt auf der Erde, vor der jeder gleich ist, und basieren nicht schließlich die international akzeptierten Menschenrechte als höchste Errungenschaft der Moderne und als der Menschheit höchster Schutz gegen Willkür und Ungerechtigkeit auf die Verständlichkeit und Verbindlichkeit schriftlicher Verträge?
Und in der Tat ist es genau dieser Widerspruch, der mit meiner radikalen Infragestellung des Formalen auch alles Schriftlichen und Gesagten diese vierte Stufe an notwendiger Reflexion überhaupt erst verständlich macht.
Und hiermit beginnt auch wieder das Thema moderner Kunst auch zum Thema einer Emanzipation und Entwicklung aller Zeit der Welt zu werden. Wenn man unsere Zeit und die Moderne ausschließlich nur als Veränderung äußerer Formen, Gewohnheiten, Gesetze, Staatsformen, Techniken und technischer und damit politischer Möglichkeiten sähe, wie es einfache Gemüter wohl nicht anders können oder wollen, als wäre mit der Mode von Rockmusik, sexueller Freizügigkeit oder kurze Röcke zu tragen schon etwas verstanden, ist man bereits dabei, auch solches ebenso ohne Verstand und Verständnis zu dogmatisieren. Ebenso kann man Kunstgeschichte nur von den Formen her als die zeitliche Reihenfolge unterschiedlicher Bilder, Themen und Techniken beschreiben, wie es jüngst Alan Bowness demonstriert, ohne damit aber die Moderne und selbst die Veränderungen verstehen und verständlich machen zu können. Und derart, d.h. ohne die Reflexion auf die Vielschichtigkeit des menschlichen Bewußtseins, wäre es auch gar nicht möglich, die eigentlichen Leistungen der Moderne zu verstehen, wozu die moderne Malerei, Musik und Literatur gehört, wie auch die modernen Demokratien und die vielen Segnungen der Moderne, wie aber auch die möglichen Entartungen, Entgleisungen und Verwerfungen, wozu der Faschismus, der darwinistische Rassismus, Völkermorde, Zerfall der Familien und guten Sitten, neue Seuchen, der Glaubensverlust usw. .
Derart ist diese vierte Schicht als Besinnung auf das Formale eigentlich die einfachste Reflexionsstufe, eben weil sie das Formale und eher Äußere und sichtbare betrifft. Um so schwieriger ist sie in ihrer grundsätzlichen, tieferen Bedeutung für unser Bewußtsein und Selbstverständnis aber bereits deswegen deutlich zu machen und zwar, weil es eben durchaus auch die eher horizontale oder empirische Entwicklung aus den Gesetzen des Formalen selbst heraus gibt, die jene anderen schichten eher verdeckt, wie z.B. die Erfindung des Buchdrucks, der Ölfarbe, des Schwarzpulvers, des Motors, der Atombombe, des Computers usw., die zu verstehen eher mit der Fähigkeit gleichzusetzen ist, eine Gebrauchsanweisung verstehen und anwenden zu können. Auf jener Ebene wäre Tora, Bibel, Koran oder die Lehren Buddhas eher Gebrauchsanweisungen, mit Gott und dem eigenen Gewissen ins Klare zu kommen, eine reine Formsache. Wir finden auch heute solche Versuche in allen genannten Religionen, die wir als solche Verwerfungen verstehen können und müssen.
Wenn ich aber gleichzeitig einmal die Sprache und Schrift des Menschen als sein edelstes Werkzeug zur gegenseitigen Verständigung, als Möglichkeit zu verbindlichen Verträgen, Gesetzen usw. konstatiere, was wohl kein Mensch bestreitet, und zum anderen mir aber bewußt mache, daß es sich dabei um flüchtige Schallwellen und um tote, starre, leb- und geistlose und auch gedankenlose Formen von Tinte oder Druckerschwärze auf Papier handelt und keineswegs um Gedanken, Wahrheiten oder Verbindlichkeiten selbst, auch wenn sie mit Blut als Farbe geschrieben wären, dann ist damit zugleich schon auch die moderne Sprachtheorie und alle Sprachforschung der Gegenwart umschrieben. Sehr vereinfacht kann man sich dann die Form eines Wortes oder Lautes so vorstellen, als hätte ich mir einen Knoten ins Taschentuch gemacht, der mich selbst an etwas bestimmtes erinnern soll und damit eine bestimmte Bedeutung hat, oder als hätte ich mit einem anderen Menschen für ein Zeichen verabredet, z.B. eine Lampe ins Fenster zu stellen, wenn ich ihn sprechen will. Dabei soll mich der Knoten nicht an den Knoten und die Lampe nicht an eine Lampe erinnern, sondern an die jeweilige Bedeutung, die ich allerdings wissen muß und nicht vergessen darf. Wenn ich die Bedeutung vergesse oder nicht mehr verstehe, dann ist da nur noch der Knoten oder ich sehe nur noch die Lampe als toten Gegenstand in einem Fenster, wie jede andere Lampe auch.
Vereinfacht: weder Gott noch jene genannten Religionsstifter oder Propheten wollten verantwortungslose Marionetten.

Beliebtes Reflexionsmedium sind seit je Realitätssimulationen.
Man kann hier unendlich viele Beispiele solcher Verwerfungen zwischen Erfolg, d.h. Existenz und Menschlichkeit finden; ich denke, daß die halbe Weltliteratur und nicht nur die der Kriege seit der Renaissance dieses zum Thema haben.
Hier ist die Fairneß im sog. Lebenskampf mehr als nur Formsache.
Die ethische Verwerfung, die bei solcher Anpassung oder Koordinierung in einem selbst allzuleicht stattfindet, mag man an folgendem Beispiel beachten: Es ist sicher ein großes Verdienst bereits der amerikanischen Filmindustrie früher Zeit für eine Weltkultur noch vor dem Fernsehen und gehörte einst regelrecht zum Handwerk guter Regie, dem Zuschauer in den Westernfilmen die patriotische Parteinahme für das Gute und gegen das Böse nahezulegen und dadurch zu vereinfachen, daß man das Böse eindeutig erkennbar und möglichst widerwärtig und häßlich auch als das letztlich immer Unterlegene brandmarkte, so daß man fast von einem amerikanischen Moralpatriotismus sprechen könnte. Gerade, weil der Kampf und die Initiative für das Gute eindeutig gut scheint, auch und gerade, wenn sich das Böse als objektive d.h. als objektiv bewiesene und objektiv beweisbare Struktur z.B. in der Form einer Gaunerbande und eines schlechten Charakters und einer häßlicher Physiognomie präsentiert, sehen wir, bevor am Ende das obligatorische regelrechte Gerangel als Duell der Hauptpersonen, als der reine allegorische Kampf „Gut gegen Böse" stattfindet und den Ausgang entscheidet, mit Wohlgefallen oder mit Gleichgültigkeit, wie die Mitläufer und delegierten "unwichtigen" Nebenpersonen beider Seiten reihenweise ausgeschaltet, d.h. getötet werden, als ginge es um lästige Insekten oder Unkraut ohne Recht und gültigen Lebenslauf, obwohl die eigentliche Tragödie zwischen Gewissen und Loyalität wohl meist in jenen unbeachteten Schicksalen der Nebenrollen stattfindet, wenn man diese Filme zu Allegorien z.B. der Religions- und Nationalkriege extrapoliert. Es ist der „natürliche" objektive Vorgang, bei dem auch der Mensch ganz „sachlich", aber eben unmenschlich zur Sache wird. Die Auseinandersetzung, der „Kampf" um das Gute und der Sieg des Guten wird dabei nicht durch Erkenntnis, daß also der Böse sich bekehrt, also durch das Gute selbst, sondern durch Fähigkeit und Anwendung der Gewalt im Rangeln, Täuschen, Kämpfen, Schießen und Töten, d.h. durch physische Beseitigung des Bösen entschieden. Es wäre im Film geradezu langweilig, wenn sich der Böse zum Guten bekehrt.

Diese geradezu unchristliche Schattenseite in diesem Moralpatriotismus ist natürlich keine Erfindung und spezifische Schwäche der Amerikaner oder der christlichen Kultur, in der dieses Denkschema wegen der Schwierigkeit unreflektiert seit je zu finden ist, sondern ist als „natürliches" vereinfachendes Schema in allen Kulturen seit Menschengedenken zu finden und ist die Ursache für die nur langsame Entwicklung der Menschheit.
Was beim Handwerk filmtechnischer Regie oder dramatischer Komposition in Dichtung und Literatur im Grunde nur eher nebenbei als die rationelle Berücksichtigung allgemein bestehender Denk- und Urteilsschemen auftaucht, die nur bei wenigen guten und meist neueren Arbeiten mit der Absicht einer provozierten Selbstkritik des Zuschauers oder Lesers von solchem Schema abweicht oder dieses Schema gesellschaftskritisch ad absurdum führen will, ist zwar seit 3000 Jahren denn auch wesentlicher und selbstverständlicher Inhalt oder Bestandteil aller großen Religionen aber dennoch in der Struktur und im Gerangel aller - auch der religiösen und auch demokratischen- Gemeinschaften, jenen Kriterien ganz „natürlich" untergeordnet, nach denen Gemeinschaften nun mal funktionieren.
Doch ehe aus solcher Einsicht auch eine Philosophie gegen den Faschismus werden kann, muß mindestens noch diese weitere vierte Schicht als sog. reales und nur durch Reflexion zivilisierbares Faktum in unserem modernen, subjektiven und demokratischen Selbstverständnis genannt werden, es ist die delegierte Verantwortung, die wir von uns selbst und von jedem Menschen auf eine gesellschaftliche Funktion oder Form quasi abschieben. Natürlich denke ich hier zuerst an die Todesstrafe, die derart kein Mord mehr zu sein scheint, weil Richter und Henker nur als Funktionen und Automatismen nach den Regeln der Gesetze zu reagieren vorgeben, wobei dennoch die Tötung als Folge einer Absicht eine funktionale, gerechte oder metamoralische Demonstration sein soll.
Durch die Todesstrafe für einen Mörder wird und wurde der Mord nicht verhindert und auch der Mörder wird dadurch kein besserer Mensch und das Gericht als Institution ist - weil selbst gar nicht betroffen - auch nicht fähig und - nach dem vielleicht natürlichen und dennoch unmenschlichen jedenfalls unchristlichen, antiislamischen, antibuddhistischen, eindeutig bösen Gefühl zur Rache weder fähig noch berechtigt. Faktisch wird ein Mensch getötet, um andere Menschen zu erschrecken und dadurch vor einer Untat wie Mord abzuschrecken, was ja keineswegs der rechte Weg sondern im Gegenteil der falsche Weg und die gegenteilige Demonstration ist, dem normalen Menschen das Gute und Richtige d.h. Menschliche und Verantwortliche zu zeigen und ihn dafür zu gewinnen.
Können dabei Buchstaben aus Druckerschwärze die Verantwortung für die demonstrative Tötung eines Menschen übernehmen? Kann das Gedruckte durch die Druckerschwärze oder die Druckerschwärze durch das Gedruckte verantwortliche Ursache werden wie ein Baum bei einem tödlichen Verkehrsunfall?

Die delegierte Verantwortung.

Die Unmenschlichkeit in uns selbst, die wir als gefühlsmäßiges Verhalten beim Betrachten eines normalen, guten Western in uns selbst beobachten können, wie sie bereits Wilhelm Busch (1832-1908) mit „Max und Moritz" zum friedlichen und aufgeklärten Biedermeier zeichnete, wo zwei lustige und phantasiereiche, sich selbst überlassene Kinder auf brutalste Weise mit Zustimmung der Leser und der Allgemeinheit bei lebendigem Leibe zerstückelt und den Tieren verfüttert werden, diese Unmenschlichkeit als Verhalten geschieht uns, den Zuschauern selbst, wo immer wir von jenem Sentiment und jener objektiven Parteinahme und Loyalität zum Christlichen, zum Islam, zu Buddha, zu Gott , von dem Patriotismus wie von einem gewünschten und organisierbaren und organisierten Automatismus mitgerissen werden, statt daß wir umgekehrt von unserem selbstverständlichen demokratischen, aufgeklärten und humanistischen oder eben christlichen bzw. islamischen, buddhistischen Selbstverständnis her die Welt und unser eigenes Verhalten sehen. Bei der Todesstrafe auch für Mord gibt es offensichtliche Widersprüchlichkeiten: das Gesetz sollte ja den Mord verhindern und hat versagt, wofür der Mörder sterben muß.
In einer Demokratie sind wir selbst verantwortliche Obrigkeit und sitzen immer im gleichen Boot mit der Mehrheit. Sicher. Und genau dieses bedeutet eine grundsätzliche Veränderung nicht nur im juristischen und strafrechtlichen, sondern viel mehr noch im zivilen, kulturellen und auch im religiösen Selbstverständnis, auf einer Ebene,
die wir hier als die vierte Schicht notwendiger Besinnung und Reflexion noch ganz anders verdeutlichen müssen.
Denn was bei der Todesstrafe als ethische, religiöse und juristische Problematik ganz besonders offensichtlich ist, verdeckt zugleich diese grundsätzliche Veränderung der Bedeutung des Verständnisses des Formalen und zwar als Selbstverständnis von Richter und Gerichtetem, von Organisierer d.h. Beamte, Funktionäre usw. und den zugleich Organisierten, was nur scheinbar nur eine rein formale Veränderung ist zu den Verhältnissen unter einem Monarchen oder Despoten. Denn einerseits bleibt auch das demokratisch beschlossene Gesetz und alle demokratisch beschlosene Regeln, an die man die persönliche Verantwortung abgeben kann, Teil des Gerangels, wie sich andererseits auch das vorherige Gerangel unter Kaiser, König und Despoten durchaus in z.T. uralten, traditionellen und z.T. in vielleicht ebenfalls „natürlichen" d.h. angeborenen Formen und Regeln abspielte und bis heute auch in den Demokratien abspielt und zu den merkwürdigsten Konstellationen führt, die eigentlich absurd erscheinen.
Um sich die Tragweite solcher notwendigen Reflexion darauf bewußt zu machen, muß man sich bes. als Deutscher die Todesstrafe mal als einen rein sachlichen Vollzug denken, wobei es formal ganz gleichgültig ist, ob dieser den Tod eines einzelnen Menschen oder ganzer Volksgruppen regelt oder bestimmt. Zum anderen ist dieses als Wertewandel nur schwer vorstellbar und eigentlich gar nicht denkbar, weil eigentlich absurd und lächerlich: was nämlich der wichtige ethische Aspekt zugleich verdeckt, ist, daß und wie allein das Formale nicht nur zu Recht und Unrecht wird, das z.B. in einem Gesetz formuliert wird, sondern daß dieses rein formale innerhalb dessen, was Prauss mit „tatsächlich, faktisch, kontingent, empirisch und objektiv" bezeichnet, zu einem Wahrheitskriterium wird, daß also etwas dadurch gültig und wahr wird, weil wir es schriftlich oder gedruckt, also Schwarz auf Weiß in Händen halten. Praktisch bedeutet dies, daß man in den Verhältnissen, wie immer sie auch sind, absurd oder logisch, vernünftig oder irre, zurechtkommen muß.
Ich kann mich z.B. nicht mehr erinnern, wann und warum ich als zehnjähriger beim Betreten eines Geschäftes statt „Guten Tag" „Heil Hitler" sagte, was für mich keinen Unterschied in der Grußbedeutung hatte, wobei mir die absurde Lächerlichkeit des Hitlergrußes gar nicht bewußt wurde und deswegen auch nicht störte, die diesen Menschen Hitler ja in den Wahnsinn treiben mußte.
 Man muß dabei vor Augen behalten, daß die rasante Entwicklung in Wissenschaft und Technik und auch im Selbstverständnis des Menschen nicht nur eine Folge der Aufklärung und der Demokratisierung ist, sondern daß Aufklärung und Demokratisierung auch selbst die Folge einer Entwicklung im Selbstverständnis des Menschen ist, die mit dem ersten Menschen beginnt.
Wir erinnern uns, daß viele gelehrte Leute mit dem Buchdruck noch den Untergang jeder Kultur und jeder geistigen Ordnung befürchteten, wie solche Weisen, - wie selbst Luther und der Geheimrat Goethe noch - auch mit den Vorstellungen einer Demokratisierung nur den Aufstand des Pöbels denken konnte, und mit einer Politik und Rechtsprechung durch den Pöbel nur die Vorstellung von Marodieren und Lynchjustiz und als das Gerangel in einem Affenstall auf niedrigstem Niveau verbanden, während Recht und Ordnung und alles Offizielle und Geschriebene durch die Hand der gottgewollten Obrigkeit von Klerus und Adel und deren Regel schon „seine zumindest eine Richtigkeit" hatte, woran ja auch Klerus - zumindest das Mönchswesen - und der Adel glaubten. Und dieses galt und gilt - wenn auch ohne die apokalyptischen Befürchtungen - weitgehend heute noch, und zwar nicht nur für jenes „Schwarz auf Weiß" des Gedruckten, sondern auch für die zu Melodien gesetzen Töne, für die zu Burgen aufeinandergeklebten Steine und für die zu Gewänder aneinandergewebten Fäden. Als Gültigkeit und Wahrheitskriterium galt und gilt weniger verdeckt - aber dennoch kaum reflektiert - Geld und Besitz, Beruf und Titel, Gesichts- und Körpergröße, Sprach-, Nationszugehörigkeit und Hautfarbe, die Flagge und das Wappen. Stolz prangten in den Wappen die Raubtiere Adler, Löwe oder Bär als Zeichen für die Rechtmäßigkeit von Macht, Raub und Gewalt.
Diese 4. Schicht ist als geleistete Reflexion in Europa und anderen Entwicklungsländern eigentlich noch nicht existent, noch nicht entwickelt. Wir Berliner sind noch immer stolz auf das zusammengestohlene Preussen und die Deutschen, Engländer, Franzosen und Spanier auf die einstigen Kolonien.
Diese 4. Schicht ist eigentlich nur eine weitere Stufe oder Konstellation an Reflexion; sie bedeutet aber, daß man im Sinne des Prausschen „tatsächlich, faktisch, kontingent, empirisch und objektiv"  weiß - oder wissen bzw. bedenken sollte - , in welcher Weise die Form über die Realität und Wahrheit des Geformten bestimmt, daß man und wann man dazu neigt, die Form von etwas als die Wahrheit selbst zu empfinden und zu dogmatisieren.

Es gilt jetzt, dieses anschaulicher zu machen und an Beispielen zu verdeutlichen.

Was vor wie nach der Demokratisierung und selbst vor wie nach der Christianisierung, Islamisierung oder buddhistischer und anderer Religionisierung der großen Religionen und Konfessionen, die den animistischen Aberglauben überwanden, im Normalfall scheinbar ohne jene verfänglichliche Tiefendimension eines Wahrheitskriterium verläßliche Orientierung bedeutet und bedeutete, daß man z.B. heute auf eine Frage, ob die Wurzel aus Zwei eher 1,5 oder eher 1,4, oder was der rechte Weg zum Bahnhof sei, der Aussage einer nobel gekleideten Person mit Hut und Krawatte, von der man sorgfältige Erziehung, Bildung und normalen Anstand erwartet, mehr Vertrauen schenkt als der Aussage eines heruntergekommenen Menschen, von dem man fürchtet, daß er einem in einer dunklen Gasse die Geldbörse stiehlt, besteht eben nur scheinbar nur in dieser offensichtlich auch rationell begründbaren richtigen Erfahrung und logisch richtigen Schlußfolgerung, wozu man weiß, daß es auch Ausnahmen gibt.
Aber jene verfängliche Tiefendimension beginnt bereits bei dem Richtigen solcher Erfahrung, wo sich die Norm für menschliche Qualität und Menschlichkeit an das Formale und Äußere, woran sich die Unterscheidung sogar von Mensch und Niemand festmacht.
Und solche Entgleisung in uns als potentielles Verhalten begegnet uns noch zusätzlich als sogar doppelte Versuchung in dem, was immer wir an ordentlicher gesellschaftlicher Position in Gestalt eines Berufs, eines Titels, eines Postens oder irgend einer gesellschaftlichen Funktion erreicht spricht in diesem Gerangel erobert haben, und zwar einmal in dem, wie wir uns und andere von solcher objektiven Position mit Zeugnis, Titel, Posten usw. her verstehen, und zum anderen, wie wir selbst von anderen entsprechend gesehen werden. Zudem noch wird Position, Posten, Titel und Beruf nun im weiteren Gerangel des Alltags neben Kleidung und Rüstung zu einer zusätzlichen Waffe. Natürlich ist die Institutionalisierung gesellschaftlicher Funktionen, - und zwar doch eindeutig nach humanen und humanistischen Vorstellungen - , und sind Institutionen und institutionell geordnete Zuständigkeiten eine echte Errungenschaft moderner Zivilisation, was hiermit keineswegs bezweifelt oder bestritten werden soll. Aber genau deshalb gilt es jene Versuchungen zu erkennen, die eben nicht nur darin bestehen, mit Gesetzen und institutionell geregelten Kompetenzen und Vorschriften, Unmenschlichkeiten zu rechtfertigen und zu tun oder nicht zu verhindern, sondern prinzipiell teils sogar zu deren Gunsten und Gültigkeit aber andernteils im ja weitergehenden Gerangel mit Hilfe der Institutionen das persönliche, private und ganz subjektive das persönliche Gewissen zu vergessen, und angesichts formaler Kriterien verkümmern zu lassen oder zu ignorieren, was nur dahin führt, sich im Sinne tierischer Natur natürlich und nicht menschlich zu verhalten, wie es recht hilflos oder ratlos, jedenfalls ohne Verständnis für die ordinative z.B. preussische Beamtentugend Bertrand Russell der sog. Philosophie eines George Gordon Noel Byron (1788-1824) zuschreibt, was seit den uralten Verwaltungsreformen von Diokletian unter Konstantin dem Großen im 4 Jahrhundert sogar die Struktur der Kirche und damit den gesamten Entwicklungsprozess des Abendlandes bestimmt, Fortgang wie Trägheit.
Es mag für Russell sogar ein Kompliment sein, daß es für ihn undenkbar und unvorstellbar ist, daß man etwas für wahr und richtig hält, nur weil es von einem ordentlich bestallten Professor, Vorgesetzen oder Beamten gesagt wird oder weil es irgendwo geschrieben steht.
Weltfremd wäre es aber, solchen Tatbestand zu bestreiten. Andererseits ist solcher Umstand für den Abendländer Russell derart selbstverständlich, daß er nie darüber nachgedacht hat, selbst wenn er ganz selbstverständlich jede ernstzunehmende Philosophie als eine Rebellion dagegen versteht. Dennoch sieht er nicht das Formale als Wahrheitskriterium für den Gegenstand der Rebellion, wenn auf beiden Seiten der Fronten den Millionen Sterbenden der Weltkriege die vertrauten Wortfolgen des Vaterunsers oder die Notenfolgen des gleichen Kirchenliedes „So nimm denn meine Hände" nicht anders wie die Nationalflagge die jeweils „richtige" Seite des Kampfes und des Brudermordes bedeutet, sondern wähnt Glaube und Vertrauen der Gläubigen als die Hebel und Übel für die Instrumentalisierbarkeit des Menschen durch Klerus und Aristokratie in solchen barbarischen Kriegen.
Natürlich haben sich seit je Institutionen und Vorgesetzte gegen Rebellion und Subordination durch Sanktionen abgesichert, aber es wäre völlig weltfremd, wollte man damit behaupten, daß die Verwaltung von Kirche und Staat nur über die Angst vor den Sanktionen funktioniere, wenn dies für extrem despotsische Regime auch das am meisten Auffällige sein dürfte. Aber es gibt dennoch - und zwar überwiegend - Gesinnungsloyalität, die bis heute einerseits Recht und Ordnung überhaupt erst ermöglicht und ein zivilisiertes Leben ausmacht, die selbst im deutschen Faschismus auf allen Ebenen der Gesellschaft als zivilisiertes Verhalten anzutreffen war: Hitler fühlte sich durchaus vom Volkswillen und Volksbedürfnis delegiert und dem auch verantwortlich, wie sich der gesamte Staatsapparat von Hitler delegiert und deswegen sanktioniert fühlte und aus diesem Grund auch akzeptiert wurde, woraus nun nicht wieder eine Möbiusschleife sondern ein regelrechter, für alle Seiten verhängnisvoller Teufelskreis wurde.
Deutlich wird dabei, wie wichtig es ist, dabei die Bedeutung und Struktur der delegierten Verantwortung an das Formale auch in unserem eigenen Selbstverständnis zu verstehen.
Dahinter steht nämlich nichts Geringeres als die altjüdische, die christliche wie auch islamische Behauptung, daß der Mensch auch für das, was er glaubt und für wahr hält, aus welchem Grund auch immer, verantwortlich ist in der Kontradiktion der Behauptung, daß es zwingende Gründe für eine Überzeugung geben könne, wozu die Wissenschaften unter dem Newtonschen und cartesianischen Vorzeichen noch neigten. Und noch eine weitere Vorüberlegung ergibt sich bereits jetzt: Ohne Zweifel gibt es eine Verantwortlichkeit - aber anderer Bedeutung - gegenüber Personen, gegenüber der Obrigkeit, gegenüber göttlichen Geboten und irdischer Rechtsprechung angesichts von drohenden Strafen; davon zu unterscheiden ist die Loyalitätsverantwortung; ich könnte auch sagen, es sei eine Verantwortung gegenüber einem Vertrauensverhältnis oder als Vertrauensverhältnis.
Dennoch bin ich als Subjekt allem übergeordnet natürlich ganz unabhängig davon - und selbst unabhängig gegenüber Gott - und bin als Verursacher von etwas verantwortlich für das, was ich tue, auch ohne Richter.
Genau hierzu gehört auch das Phänomen des Formalen innerhalb einer Überzeugung oder eines Glaubens, das nur scheinbar ein nur triviales des Alltags ist aber dennoch in keiner Philosophie und Theologie diskutiert wurde, wenn es um die Kleiderordnung als Rangkriterium geht, oder umgekehrt um die Rangordnung als Kleidungskriterium bei einer Überzeugung - in allen Religionen und zwischen ihnen. Und für den genannten Bertrand Russell wäre es sogar absurd, auch nur zu denken, daß ein ernstzunehmender Mensch die Richtigkeit einer Behauptung eines anderen Menschen danach beurteilt, ob jener eine Mütze aufhat oder einen Hut oder Turban.
Weil Russell derart gar nicht denken könnte, ist sogar zu befürchten, daß er entsprechend unbewußt solchen Kriterien erliegen würde, ohne es zu merken, - etwas überspitzt und böse (aber nicht böse gemeint) könnte das bedeuten, daß auch Russell unreflektiert zumindest anfangs dem Hakenkreuzdesaster aufgesessen wäre, wenn dieses auf oder unter einer britischen Flagge begonnen hätte, wie einst die Kreuzritter unter dem Kreuz, oder die Al-kifãya unter dem Halbmond die Gnadenbotschaft ohne Gnade mit Raub und Mord verbreiteten. Sicher hätte Russell wegen seiner rebellischen Menschlichkeit dennoch sehr bald zu den Opfern gehört, wie die vielen britischen Philosophen und Ehrenmänner vor ihm unter ihren despotischen Herren, wobei er dieses aber „nur" wie mit ihm alle Literaten wie z.B. Honoré de Balzac ausschließlich von der ethischen Seite und natürlich zurecht als ethisches Versagen verstanden hätte, ohne aber auch nur denken zu können, daß und wie es hier offensichtlich irgendwie zwanghaft um Formen und Formsachen ging, letztlich um unterschiedliche Formen der gleichen Sache, des gleichen Gottes, des gleichen Glaubens unterschiedliche Form.
Diese Absurdität, daß eine Mütze oder ein Hut auf dem Kopf des Sprechers über die Wahrheit seiner Aussage entscheidet, ob z.B. die Wurzel von Zwei eher 1,5 oder eher 1,4 ergibt, ist natürlich lächerlich, aber absurd nur in der Vordergründigkeit dieser Hut- oder Mützemetapher, von der aus wir normaler Weise gemäß unserer Erfahrung von Zusammenhang von Bildung und Kleidung und Gewohnheit auf vorhandene oder nicht vorhandene oder auf mehr oder weniger Solidität des Menschen und seiner Kenntnis und Bildung schließen. Es scheint so, als hätte dieses nichts mit einem Hut oder einer Mütze zu tun. Dennoch gehört auch dies zu dem, was Prauss „tatsächlich, faktisch, kontingent, empirisch und objektiv" als unsere Orientierung bezeichnet, und es ist sicher auch die Absurdität und Lächerlichkeit des Vordergrunds, aber wohl mehr noch die nahezu unbewußte Selbstverständlichkeit bei unserer Orientierung, weswegen dieser Bereich unseres Selbstverständnisses und der Selbstdarstellung bis heute nicht ausführliches Thema in Theologie, Ethik und Philosophie wurde.
Nur die Psychologie und Soziologie ist diesem im Grunde eidetischen und eidologischen Aspekt unseres Denkens und Selbstverständnisses auf der Spur und zwar auf dem gleichen Wege, wie wir behelfsmäßig zur Vereinfachung bei jedem Patriotismus von einem möglichen Hormon ausgegangen sind, das im Gerangel der Auseinandersetzung eine Parteinahme für diejenige Partei bewirkt, zu der man selbst zufällig gehört.
Wie absurder Weise die ethische Absurdität selbst, steht einer grundsätzlicheren Überlegung vielleicht nur noch die einfache, plausible Begründung der Apotheose des Formalen im Wege, daß in diesem chaotischen Gerangel besonders einer Demokratie, in dem jedes Individuum in seinen Entschlüssen frei und deswegen unberechenbar ist, nur das Formale von Gesetz, Ordnung und Organisation - und zwar über alle anderen nur denkbaren Inhalten hinaus - so etwas wie Sicherheit und Verbindlichkeit herstellen kann und deswegen dem, das durch Form geformt wird, auch übergeordnet ist.
Lebenserhalt z.B. würde damit wichtiger als das Leben, Ordnung und Gesetz würde wichtiger als das Geordnete und Geregelte bis zum Dezisionismus und zur empiristischen und didaskalische Begründung unseres Handelns, als verhielten wir uns in unserer demokratischen Zivilisation nach Gesetz und Wissenschaft, als wäre der zivilisierte Mensch ein Produkt aus Gesetz und Wissenschaft.

Was ich Russell oben vorwarf, der nur die ethische Absurdität sah, und wohl deshalb Religion und Weltanschauung als Ursache der Fehlleistungen ablehnte, würde mit der obigen Begründung, die durchaus verführerisch ist, praktisch den Menschen überhaupt als Ursache seiner Unmenschlichkeit ablehnen.
Hierzu haben die freidemokratischen und christlichen oder islamischen Parteien aber auch die Philosophen und Theologen der westlichen wie der islamischen Welt ihre philosophischen und theologischen Hausaufgaben nicht gemacht, um der menschenverachtenden Tendenz in allen linken, empiristischen, materialistischen Parteien antworten zu können, was als Reaktion ja nicht durch einen Fundamentalismus geschehen kann, weil es dann zu nichts anderem als zu einer menschenverachtende Formalisierung des Menschen und zu einem theologischen Dezisionismus führen müßte, und Gott würde zum Götzen und Freiheit zur Anarchie. Es hieße, Folge mit Ursache verwechseln. Sicher ist diese Entgleisung aus Gründen der Denkfaulheit bzw. Denkträgheit oder Unwilligkeit fast ein ebenso großes Übel wie das, was es zu verstehen und zu reflektieren gilt, weil beides nur dadurch zu vermeiden ist.

So absurd und lächerlich es scheint, daß z.B. der Papst oder ein Mufti und all das, was er sagt, seine Glaubwürdigkeit, Verehrung, Achtung und Aufmerksamkeit nur wegen seiner Kleidung und seiner Kopfbedeckung „genießt", so absurd und lächerlich wäre es, genau dieses zu bestreiten, daß nämlich genau diese Attribute zum einen im Ursprung wie noch immer in der Gegenwart zu den Insignien des Kirchlichen und Göttlichen und Heiligen gehören, ohne die uns ein Gottesdienst geradezu entweiht, unecht und weniger glaubhaft vorkäme, wozu die Texte der Lesungen wie die Melodien der Kirchenlieder genauso gehören, wie die Glocken und der Geruch des Weihrauchs, oder der Ruf des Muezzin im Islam, was zum Vorigen als Lächerlichkeit in einem so deutlichen Widerspruch steht, daß es unverantwortlich leichtfertig und sicher falsch wäre, darin nur ein albernes oder traditionelles Theater zu sehen, das erwachsene, hochgebildete und in der Regel ehrenwerte Leute dem einfachen Volk nur vorspielen bzw. aufzwingen und das diese nur aus lächerlicher Dummheit oder aus Angst vor Repressalien dem Klerus und der Obrigkeit als Heiliges abnehmen. Hätte Gott dieses gewollt, hätte er keine Menschen sondern Roboter oder Puppen geschaffen.
Ohne Zweifel kennen wir in Geschichte und Gegenwart einen Klerus in, kennen wir Despoten innerhalb jeder Religion und Konfession - im Kleinen wie im Großen -, die in der Tat gottlos solche Verkehrung aus Macht- oder Geldgründen auch wollen.
Und wenn dieses Formale ja fast nur Modische als Stil jeder Epoche, wie gesagt, auch nur einen Teil oder ein Segment im realen Leben und bei den Entscheidungsprozessen ausmacht und vielleicht deswegen von Theologie, Philosophie und Politprogramm weniger beachtet und deswegen auch nicht reflektiert wird, so spüre gerade auch ich als Linker, daß es andererseits gerade der ethische Aspekt ist und der Aspekt der Gerechtigkeit, der mich zwar veranlaßt, auch den Underdog, den Fremden und schlecht gekleideten, den Menschen ohne Amt, Besitz und Titel als gleichberechtigt zu sehen, was mich zugleich blind macht für die Einsicht, wie weit dies nur aus Mitleid und nur rechnerisch geschieht, und wie weit ich gerade deswegen um so härter blind dafür bin, daß ich dabei genau dasjenige, weswegen ich seine Partei ergreife, zu seinem Attribut zementiere, wie ja auch der Sozialismus genau aus diesem Grunde den Normalmenschen auf den Status des Proletariers festnagelte, wie es Frau Angela Merkel (allerdings erst in einer Rede im Febr. 2001! und wenn auch noch unverstanden warum) als eines der ärgsten Verfehlungen der kommunistischen Idee erkannte, womit der Normalmensch, nämlich der Mensch der unteren Schicht gerade von denen, die sich in diesem sozialistischen Gerangel Amt und Würden „erobert" hatten, auch dann in einem Unwert festgenagelt wurde, wenn seine Klasse als das Gute verherrlicht wurde, wodurch dann auch die ganze Verwaltung zu einer despotischen Struktur von Oben bis Unten neigte, - was ja nicht heißt, daß nicht im Osten und durch den Osten mehr an Gerechtigkeit und Gerechtigkeitsgefühl realisiert und zum Weltstandart wurde, als es sich Marx und Lenin, und als es sich die westlichen Despoten des vorigen Jahrhunderts überhaupt vorstellen konnten.
Aber dieses Nichtreflektierte und dieses Nicht-reflektieren verführte und verführt denn auch um so ärger noch zum absurden Gegenteil, daß man nur das Formale und deren Folge nicht aber die tiefere Ursache des Faschismus, Despotismus und Kapitalismus - und im Westen den Kommunismus zum Bösen erklärte, das Hakenkreuz, die braune Uniform, die Form des Stahlhelms, die Lieder der Nazizeit und die Lieder und Melodien der Kommunisten, bzw. z.B. den Jazz, den Rock usw. im Kapitalismus. Natürlich sind die wenigen Gramm des Farbstoffes für ein Hakenkreuz und ist das Papier und die Druckerschwärze für einen Koran oder eine Bibel, ist das Holz, Metall oder die Plastik eines Kruzifix weder gut noch böse und weder Gut noch Böse.
Und dennoch wäre es gerade wegen der Unfähigkeit, solches zu reflektieren, nicht minder weltfremd und absurd, wenn man nicht den Unterschied zwischen einem Kreuz in Klassenzimmer oder Kirche und einem Halbmond, was ja Zeichen des gleichen Gottes ist, sehen oder machen würde oder gar zu einem Hakenkreuz, weil es nur Form, Farbe oder Zeichen und nicht die Verirrung des Faschismus oder eines anderen Fundamentalismus selbst sei.

Wir kennen wir ja solche Formen auch aus der Natur, in Flora und Fauna, wo sich Individuen, Geschlechter, Arten und Sippen zu bestimmten Gelegenheiten, zur Erkennung, Vereinigung, Warnung, Paarung, Drohung, Trennung usw. durch Laute, Farben, Formen und Gerüche kenntlich machen, - wie wir auch im ganz unbewußten und teils angeborenem Verhalten und Aussehen, in Sprache, Tonlage, Gesang und Gestik - ja auch Körpergeruch des Menschen all dieses finden können. Es lohnt sich und ist dringend, über genau dieses genauer und sehr sorgfältig nachzudenken. Denn nicht nur Zustimmung, Zuneigung, Glauben, Akzeptanz, Furcht, Angst und Vorsicht sondern auch die Ablehnung und Ignorierung gehören zu dieser genetischen Metasprache.
Natürlich wurden von den Nazis die großartigen Paraden und Fahnenwälder, die Uniformen und Lieder bewußt inszeniert, um Glaubwürdigkeit zu erzeugen, um Eindruck zu machen, was aber nicht heißt, daß nicht auch die Nazis selbst und zwar diese zuerst und dabei auch Hitler und seine engsten Getreuen die Opfer des Spektakels waren, wobei Ursache und Wirkung, das Formende und Geformte scheinbar jenseits von Vernunft und Verantwortung den Teufelskreis ausmachten.

Ich weiß nicht ob oder wann es dem Menschen einmal gelingen wird, diese quasi empirische Wirkung des Formalen in der Natur zu verstehen, durch die einerseits Tiere zu einem regelrechten Sinn und Zweck eine bestimmte genetische Farbe, Form, Geruch und Stimme erhalten und andererseits durch solches Formale ihrer jeweiligen Außenwelt quasi empirisch zu einem bestimmten Verhalten gezwungen werden, wie eine Motte ins Licht und verderbliche Feuer fliegt.

Jedenfalls wissen wir spätestens seit Prauss, daß es zwar eine Wirkung des Physischen auf das Psychische gibt, daß es aber nicht der Apfel ist, der bei Mensch oder Tier beim Anblick eines Apfels den Appetit auf Apfel erzeugt, als gäbe es eine empirische Wirkung des Apfels auf Mensch oder Tier, sondern, daß der Appetit eine zerebrale Leistung von Mensch oder Tier ist.
Dies gilt auch für Kreuz und Hakenkreuz, für Sechsstern und Halbmond, ob diese Formen, ob Sprache, Gesang, Tanz und wie die bereits Genannten nun Kreationen des Menschen sind, oder ob anderes Formale wie Geruch, Physiognomie, Geschlecht, Gestalt und Hautfarbe genetisch bedingt und angeboren ist.
Denn anders als bei der vorherigen Schicht des Patriotismus, wo wir fast - oder zumindest behelfsmäßig - von einem Enzym oder Hormon ausgehen konnten, der den Menschen, so er dieses nicht reflektiert, regelrecht zwingt oder festlegt, für den äußeren - wenn auch ebenfalls formalen - Bereich der eigenen Zugehörigkeit wie Land, Sprache, Religion, Konfession oder Partei dann innerlich parteilich zu sein, gehört diese vierte Schicht des Formalen beim Menschen eher zum Bereich der Rhetorik. Natürlich würden die PR-Strategen regelrecht jubeln, wenn sie den Hebel fänden, mit dem man den Menschen in einer Demokratie zwingen könnte, eine bestimmte Partei zu wählen oder ein bestimmtes Produkt zu kaufen oder einer bestimmten Religion oder Konfession beizutreten.
Ich will das Thema der Erpressung, das im Faschismus und in manchen Sekten eben kriminell ohne Skrupel angewandt wurde und wird, hier außer acht lassen, wobei es nicht um Überzeugung oder um ein Wahrheitskriterium geht. Ich weiß nicht, aber ich hoffe, daß unsere Rechtsprechung diesen Grenzbereich als Bereich von verfolgbarer Straftat entsprechend abdeckt.
Wir kommen natürlich nicht umhin, die berechtigten Vorwürfe gegen den Kolonialismus durch die „Christen" und durch den „Islam" beim Namen zu nennen, denn die Tradition der Despoten unter Christentum und Islam wird vom Faschismus nicht nur aufgegriffen, blindlings übernommen und als Rechtfertigung gedacht, sondern gilt zugleich Faschisten wie Antifaschisten als Argument gegen Glauben und Gewissen, was den Teufelskreis ja eröffnet.
Wenn den Christen mit der Dignität von Heiligkeit und Macht, die über formale Insignien wie Architektur, Kleidung, Musik, Sprachstil, Rhetorik, gesellschaftliche Stellung, Reichtum, Benehmen und gebildete Sprache aber auch durch Androhung und öffentliche Vorführung materieller Strafen im Diesseits vermittelt wird, daß der christliche bzw. islamische Glaube zu einer Erlösung von Tod, gräßlicher Pein und Schrecken nach dem Tode führt, daß aber „Ungehorsam" genau jene Pein und jenen Schrecken wie ewiges Brennen, ewige Folter im Feuer usw. nicht nur im Jenseits nach sich zieht, sondern auch im diesseitigen Leben durch die Mächtigen direkt oder indirekt verschlagen realisiert wird, dann ist dieses sicher nichts anderes als Erpressung und sollte strafbar sein.
Ich brauche den gläubigen Christen und Moslems nicht zu sagen, daß diese Art Verkündigung unchristlich und auch nicht islamisch ist.
Andererseits ist es besonders die theologisch angedrohte Strafe, die genau entsprechend der drastischen Demonstration auch unterstreicht und zwar auch gegen solche Unsitte, daß der Mensch sowohl für seinen Glauben wie für seine Untaten verantwortlich ist.
Hierbei müssen wir, wie schon gesagt, einerseits die Entwicklung und Emanzipation der Allgemeinheit - nämlich auch im Bewußtsein solcher Verantwortlichkeit - im Auge behalten, und andererseits die Schwierigkeit sehen, die wir alle damit haben, nicht heutige Kriterien und Verhältnisse einfach zum Maß für die Vergangenheit zu nehmen.
Wie ich heute (25.02.01;12:25) dem Presseclub im deutschen ARD-Sender entnehme, ist es selbst nur 10 Jahre nach der menschlichen Großtat von Gorbatschow für keinen der damals bereits aktiven Menschen, und selbst den Politwissenschaftlern und Jounalisten nicht mehr vorstellbar, daß es noch kürzlich - ausgehend und Realität ja im Westen! aber nicht minder auch im Osten - einen kalten Krieg mit heute eben unvorstellbaren Grausamkeiten, mit Massenmord, Folter, Verfolgung, Unterdrückung, Diskriminierung, Einschüchterung, Mobbing usw. gegeben hat, wie es im Mittelalter rein technisch noch gar nicht möglich war.
Und es ist kindisch davon auszugehen und zeigt erschreckend die nur hauchdünne Schicht von emanzipiertem heutigem Bewußtsein, wie wir heute von Intellektuellen und hochqualifizierten Wissenschaftlern einer neuen Zeit noch immer zu hören bekommen, daß solche Schrecken und Mißstände eine Erfindung von Christentum und Islam gewesen seien und erst mit ihrer Überwindung den Weg zur Menschlichkeit d.h. zu heutigen Menschenrechten ermöglicht hätte.

Und desgleichen, was die Despoten in Klerus und Weltmacht (nach heutigem Bewußtsein zurecht so benannt) aber jener mittelalterlichen Zeit verhaftet damals zurecht sahen und befürchteten und auch gar nicht anders sehen konnten und auch aus Erfahrungen kannten, daß der freigelassene Mob ein schlimmstes und höllisches Übel und das Ende jeder Vernunft und Ordnung bedeuten würde, weswegen auch Luther ganz realistisch gegen die „wildgewordenen" Bauern wie gegen die Höllensbrut wetterte, muß man - und sollte man auch auf kirchlicher wie außerkirchlicher Seite -, heute in der Beurteilung jener Zeit und bei Beurteilung der Tradition und Art biblischer und islamischer Verkündigung und Interpretation mitberücksichtigen und reflektieren.
Man wußte schon, Luther, Lenin, Stalin, Hitler wußten natürlich, daß man die Leute auch mit praktisch jeder anderen Auslegung, Idee und Ideologie in gleicher Weise mobilisieren konnte, wie sie es selbst mit der ihren; und Ulbricht wie Adenauer hatten es ja erlebt, daß ein (nach damaligem Maßstab) „zivilisiertes" Volk von der Kaisertreue zur Weimarer Republik und dann zu Hitler bis zu Ulbricht bzw. Adenauer umgeschwenkt werden konnte.
 
 
 
 
 

(Baustelle: Hier wird gerade gearbeitet, d.h. noch formuliert)

ich beeile mich!!!!!!

weiter 5. März 2001

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