In dem vorliegenden Projekt geht es um die Darstellung des Menschen.

 

Angeregt von dem allbekannten Rorschachtest der grauslichen Menschenlabors unserer Psychologen gehen wir jedoch an deren finsteren Höhlen und Giftküchen vorbei zuerst Richtung der uralten aber doch zumindest freien und luftigen Burgfestungen unserer Philosophen, wo wir uns von der bislang unbeantworteten Frage inspirieren ließen, was heißt das

 

Die Darstellung des Menschen
The depiction of human being
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Daß wir es mit dem selbstverständlichsten Informationsmittel im Informationszeitalter der Ablichtung, der Bilder, Filme, Videos, Kopierer, des Fernsehens und der Digitalphotographie mit einem der noch ungelösten Phänomene und Rätsel der Menschheit zu tun haben, hat uns der bekannte Philosoph und Kunsttheoretiker Max Black ins Bewußtsein gerufen, (Max Black, "Wie stellen Bilder dar?"Suhrkamp-Verlag,  "HOW DO PICTURES REPRESENT?" The Johns Hopkins Press, Baltimore/London) , um das es einmal  in dem ursprünglich zweitwichtigsten Gebot der drei Weltreligionen geht "Du sollst dir kein Bildnis machen, weder von dem, was im Himmel, noch von dem, was auf Erden, noch von dem, was im Wasser und unter der Erde ist ..", in dem sich also ein ethisches Problem verbarg und wohl noch verbirgt, - was geschieht aber dabei Verfängliches? - und dem ahnungslosen Menschen unserer Zeit mag darüber hinaus auch ganz fraglich scheinen, was es denn dabei überhaupt zu verstehen gibt bzw. nicht zu verstehen.

Was für den Psychologen ganz selbstverständlich ist, dass er mit den Deutungen, die sein Patient in einem zufällig entstandenen Farbklecks zu sehen vorgibt, ein durch den Psychologen interpretierbares Bild des Patienten vor sich hat, dürfte so selbstverständlich ja wohl kaum sein. Ganz sicher lässt eine solche registrierte und ausgewertete „Sitzung“ zuerst ja wohl den mehr oder weniger guten Psychologen zu erkennen.

Und so war es auch weit mehr als nur ein Spiel, als beide, nämlich Fiedler und Schulz den oben dargestellten Farbklecks bildnerisch weiterentwickelten, den zuetrst Schulz ganz unbefangen auf ein DIN A 3 Papier verteilt hatte. Schulz selbst sah in seiner eigenen ersten Auswertung seines eigenen Kleckses also sich selbst, und zwar als das unauslotbare Chaos vor einem höllenmäßig flammenden Hintergrund und Untergang seiner eigenen Wirklichkeit, während er sich in der ersten Arbeit von Fiedler wie eine tausendfach verwurzelte kompakte und in sich und durch sich ruhende nahezu ideale Einheit dargestellt sah.

       

Interpretationen von Schulz      → Interpretationen von Fiedler →

(durch anklicken der Bilder sehen sie eine Vergrößerung)

Dennoch ist und bleibt das Bild von Schulz (linke Reihe) ein Schulz, und das Bild von Fiedler (rechte Reihe→) ein Fiedler, auch wenn beide Künstler die entstandenen Bilder aneinander stehlen, verkaufen, miteinander tauschen oder auch nur verwechseln.

Daß der Begriff des Eigentums in sich differenziert ist, dass solche Definition keineswegs klar und damit eindeutig oder gar schon verstanden wäre, zeigt sich gerade an der Eigentumsfrage, wenn man sie mit der Tatsache des geistigen Eigentums verbindet, denn die Tatsache des geistigen Eigentums lässt sich eben nicht einfach stehlen, verkaufen oder vertauschen, denn ersteres wäre Betrug oder Diebstahl, - und zwar auch dann, wenn es durch ein Machtwort eines Papstes, eines Königs, Despoten oder durch den Kaiser von China veranlasst worden wäre;  und letzteres wäre Irrtum – und bliebe auch dann ein Irrtum, wenn es von niemandem entdeckt würde, ein ethischer und zugleich politischer Aspekt der Moderne, zu dem Max Black in seinem wunderschönen »Aufsatz ohne Antworten« „How do pictures represent.“ nicht mehr kam, wobei Max Black schon weit im Vorfeld dieser Frage, nämlich mit der objektiv wahren Zuordnung nur des Sujets zu der Darstellung im Bild schon scheitern musste, wodurch sich uns aber ein neuer Überblick über die Moderne und ein Einblick tief in die Moderne hinein ermöglicht wird: „Bin ich Identität für mich oder auch bzw. zugleich für andere, - oder nur für andere? Der Dieb, der Käufer oder der zufällige Eigentümer eines Bildes kann eben nicht aufgrund der Verfügungsgewalt über das Bild begründen, selbst auch der Maler des Bildes zu sein.

Mit dieser modernen und sich hier scheinbar eindeutig darstellenden Authentizitätsfrage, die ohne Zweifel zumindest eine emanzipiert politische ist, öffnet sich jedoch eine alte kulturelle, theologische und mit der Wahrheitsfrage auch eine wissenschaftstheoretische. Ehe wir jedoch den leider nur scheinbar festen Boden unter den Füßen noch weiter befestigen und verteidigen und bevor wir auf diesem Fundament allzu hoch hinaus bauen, sollten wir uns einige kritische Vorbehalte offen lassen.

Es scheint so, als hätten wir mit der Authentizität sowohl als ursprüngliche Ursache wie auch als Tatsache im wörtlichen Sinne, als versachlichte Tat, ein Stück Wahrheit im Kunstwerk vor uns, der gegenüber die kritische Verneinung wie selbst der Zweifel entweder Irrtum wäre oder aber Betrug und Lüge. Aber wahrscheinlich ahnen sie schon oder sind bereits sicher, wenn Sie den kleinen Aufsatz „Wie stellen Bilder dar?“ von Max Black gelesen haben, dass uns dieser gute Philosoph und Kunsttheoretiker aus den USA unverzüglich den Boden unter den Füßen wegziehen wird, und zwar mit Argumenten, die uns ohnehin längst geläufig und selbstverständlich sind.. Aber es sind vorweg gerade die Wissenschaftler, die Physiologen, Psychologen, Soziologen und Politiker, die mit starken und bekannten Argumenten das Verhalten und Tun und auch die Leistung eines Menschen aus seiner Vererbung durch die Eltern, aus der Umwelt und Erziehung, und entsprechend aus der jeweiligen Zeit heraus begründen und ableiten, - im extremsten Ausdruck, als sei der Künstler nur das mehr oder weniger willenlose aber keineswegs freie Medium, der Seismograph, quasi nur der Photoapparat, durch den hindurch sich das Bild als Bild der Außenwelt, der Zeit quasi selbst abbilde, als habe der Grund als die Ursache der menschlichen Handlung und Tat weitere Ursachen als Voraussetzung und Vorbedingung. Selbst viele Künstler behaupten, nicht anders und nichts anderes malen zu können, als sie es tun, was dann sogar als Qualitätsnachweis gemeint oder vorgegeben wird.

Wir wollen jedoch zunächst versuchen, das Kunstwerk als Produkt und Schöpfung des Künstlers zu verteidigen.

Was uns mit dem Handlungsbegriff „Ductus“ als eigene Handschrift, als eigene Haltung, als das eigene Verhalten, als der eigene Stil des Künstlers geläufig ist, meint ursprünglich das Erkennbare der Mentalität des Künstlers als dessen unverwechselbare Identität. Wenn dies als Wertkriterium auch oft ganz vordergründig und strategisch als Mal- und Verkaufstechnik angewandt wird, wie wenn sich jemand durch eine bestimmte Gesichtsbemalung oder durch eine bestimmte Kleidung, durch einen Hut, tausend Ringe an den Fingern usw. für alle erkennbar machen will, eine Auffassung, die wir noch genauer untersuchen müssen – bereits deswegen, weil sie so alt ist, wie wir von menschlichen Kultur sprechen, denken wir an die mittelalterliche Kleiderordnung, so kam dennoch mit dem Begriff Ductus als bewusste Tiefendimension und Einsicht der Moderne ein weiteres Wahrheitselement zutage, das uns auch die alte klassische Malerei neu und tiefer verstehen läßt. Was sich in der frei spontanen Pinselführung eines Kindes genauso wie eines Künstlers äußert, ermöglicht einen Blick tief in das Wesen des Menschen hinein, wenn auch nur intuitiv reflektierbar und sprachlich nur allgemein auszudrücken.

Wir können uns das bildlich etwa so vorstellen, dass der Entschluß zu einer Handlung oder zu einer Handbewegung jedes Mal durch die vielen Institutionen oder Büros unserer Mentalität, unserer Gefühle, unserer Absichten und Berechnungen, unserer Lüste und Lüsternheit, Wünsche, Bedürfnisse und Ängste hindurchgehen muß und überall mit Erfahrungen, Direktiven, Drohungen und Warnungen beladen dann durch die Handlung ans Licht kommt, und auch dort hört man aus den Fenstern der inneren mentalen Büros die lauten Rufe der Direktiven, Lockungen, Drohungen, Ratschläge und Warnungen, womit dann auch für alle Zuschauer bzw. für den Einsichtigen und Aufmerksamen sichtbar wird, wer und was alles mit der Art der Realisation eine Rolle spielt, was alles bei der Handbewegung mitspricht oder mitschwingt und gegen wen oder was sich Absicht und Ehrgeiz der Handlung zu behaupten hat. Derart geht die erkennbare Tiefendimension einer spontanen Zeichnung, die oft mehr fasziniert als die naturgetreue Abbildung eines Sujets, nämlich weit über die Vorstellung eines relativ vordergründigen Psychogramms des Psychologen hinaus in das Wesen menschlicher Erkenntnis als Existenz und zwar in Form seiner freien spontanen Handlung. Sie wirkt gerade in der Vergrößerung als Verdeutlichung.

Vielleicht ist es diese mentale Tiefendimension solcher Darstellung, die ein solches Bild lebendig werden lässt und sogar zu Gott oder zu einem Götzen werden kann, dem man sich unterwirft, so dass solcher Aberglaube verboten werden musste.

Andererseits bedeutet dieser mögliche offene Blick in die Tiefen des Menschsein auch eine bestimmte Nacktheit. Man wird erkannt und durchschaut.

Die Zeichnung verrät dabei eben keineswegs nur das handwerkliche Können des Zeichners sondern ist ganz im Gegenteil unabhängig von diesem Erlernbaren eine Offenlegung der ganzen Person, ein Stück Wahrheit, die weit über die graphologische Deutung und ein entsprechendes Psychogramm wie bei einer unverwechselbaren Handschrift hinausgeht, nämlich immer auch die Fähigkeit des Menschen zur Sprache und Schrift und zur bildnerischen Darstellung darstellt und die Existenz des individuellen Menschen signalisiert.

 

Dieses Blickfenster verschließt sich um ein großes Stück, wenn ich meine Hand nicht mehr frei und spontan bewege, sondern z.B. an einem Lineal oder einer Schablone entlang. Das Lineal, die Schablone, die Mathematik und die perspektivische Berechnung wurden denn auch mit der Renaissance zu einem wesentlichen Werkzeug der darstellenden Künste, womit das darzustellende Sujet ins Blickfeld rückt, das wir bisher glaubten, ganz außer acht lassen zu können.. Daß damit dennoch zugleich der Künstler immer mehr in den Vordergrund rückte, scheint unserer vorherigen Beobachtung zu widersprechen.

 

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FS