Das gilt für regelrechte Mauern, die wir heute zurecht liebevoll als
Touristenattraktionen restaurieren, auf denen man sich gerne photographieren läßt, das gilt auch für viele alte und wertvolle Tempelbauten und für Götterstatuen als die Spuren alter Religionen, an die kein Mensch mehr glaubt,

aber es gibt auch Mauern und Grenzen zwischen Ländern, Religionen, Weltanschauungen, Sprachen, die heute noch mit Hass und Blut besudelt werden, es gibt uralte Wörter, die wie ausgestopfte Kamele längst in ganz neuer Bedeutung benutzt werden, wie die Begriffe Himmel und Hölle. Es würde z.B. keinem Menschen einfallen, Jesu Himmelfahrt als Raumfahrt zu verstehen.

Wir Menschen haben im vergangenen Jahrhundert lesen und schreiben gelernt. Wir haben alle nahezu die gleichen Schulbücher benutzt, ob auf Bali oder in LA. Wir sehen im Fernsehen die gleichen Filme und die gleichen Nachrichten, zum Teil von den gleichen Sendern. Jeder Mensch kann mit jedem Menschen der Welt Kontakt aufnehmen, mit der Post, dem Telephon, mit Fax oder Internet.

Dennoch bleibt jeder Mensch ein eigenes Universum, das bis heute kein anderer Mensch ganz kennen und ergründen kann. Jeder Mensch lebt mit seiner eigenen Intention und seinen ganz eigenen Entscheidungen. Zwischen zwei Menschen bestehen zwei Grenzen, nämlich die jeweils eigene Haut, wobei die Haut mit allen Sinnen zugleich die Verbindung zur Außenwelt wie zum anderen Menschen ermöglicht.

Weltanschauliche und religiöse Unterschiede mit geographischen Grenzen zu betonieren, wurde seit dem Abbruch des eisernen Vorhangs als etwas Unmenschliches entlarvt. Auf beiden Seiten wurde aufs grausamste die Würde und Freiheit des einzelnen Menschen verletzt. Vielleicht war die Peitsche des "Kalten Krieges" ja notwendig, sonst wären Afrika, Asien, weite Teile Europas und Südamerika heute noch Kolonie und die Menschen dort noch immer Analphabeten. So sollten heute Rußland, Osteuropa und China nicht aufhören, die Schulbücher für die ärmeren Länder zu drucken und der einstige Westen sollte sich bemühen, auch die ärmeren Länder ans Internet zu bringen und mit Hardware und Software zu versorgen.

Daß unser Bildungssystem aus dem vorletzten Jahrhundert und aus dem vergangenen Jahrtausend überdacht werden muß, ist ein Problem, das ich hier diskutieren möchte.

Wir haben neue Einsichten darin, wie ein Mensch lernt, und wie man ihn falsch und richtig lehren kann.

Wir haben neue Einsichten, wie Sprachen funktionieren, wie Aberglaube und Religionen entstehen und entstanden sind. Jeder lernt heute die eigene wie auch andere Religionen neu kennen und sollte selbst urteilen und sich entscheiden können.

Gott ist nicht katholisch, protestantisch, mohammedanisch oder hinduistisch. Das weiß heute jedes Kind.
Ein Vater kann sich mit Geld, Waffengewalt, Terror, Mord und Totschlag, Betrug und Indoktrination vielleicht Soldaten, Untertanen und Sklaven verschaffen, aber keine Kinder. Das weiß heute jedes Kind.

Wäre es ein Lob und wäre es Gotteserkenntnis, wenn ich einen anderen Menschen mit der Peitsche oder sonstwie zwinge zu sagen "Gott ist großartig, barmherzig und hilfsbereit."??  Jedes Kind weiß, daß solcher Spruch dann erzwungen und nicht echt wäre. Ist aber Gott ein Idiot, der sich was vormachen läßt?
Ist aber dabei derjenige, der den anderen zwingt oder derjenige, der gezwungen wird, der schlimmere Betrüger?

Jedes Kind kennt heute die Antwort.

Dennoch haben die Religionen Schwierigkeiten miteinander, weil wir noch weiter auf ausgestopften Kamelen reiten und damit Gott beleidigen und uns selbst lächerlich machen.


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Friedhelm  Schulz

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